Politik

Evakuierung bisher gescheitert Rotes Kreuz: Korridor aus Mariupol war vermint

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Ein Schild in der Nähe der Stadt Mariupol warnt vor Minen.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Tausende Menschen wollen aus dem umkämpften Mariupol fliehen. Doch als sie sich auf den Weg machen, bemerken sie, dass die vorgesehene Route mit Minen gespickt ist. Zwei Evakuierungsaktionen sind bislang gescheitert. Kiew und Moskau geben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Der für die zweite fehlgeschlagene Evakuierungsaktion aus der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol am Sonntag vorgesehene Weg war nach Angaben von Helfern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) vermint. Das IKRK-Team vor Ort sei bereit für die Evakuierung gewesen, sagte der IKRK-Vertreter Dominik Stillhart der BBC. "Aber als sie den ersten Kontrollposten erreichten, stellten sie fest, dass die Straße, die ihnen gezeigt wurde, in Wirklichkeit vermint war."

Die Schwierigkeit dabei, Tausende in Mariupol unter katastrophalen Umständen festsitzende Menschen in Sicherheit zu bringen, sei, dass es keine zuverlässigen Absprachen zwischen den russischen Belagerern der Stadt und den ukrainischen Streitkräften und Behörden gebe. Die Gefahr für die Zivilisten bei einer geplanten Evakuierung über eine verminte Straße zeige, "wie wichtig es ist, dass beide Seiten eine genaue Vereinbarung treffen".

Die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol steht seit Tagen unter Beschuss und ist von russischen Truppen umzingelt. Eine erste geplante Evakuierungsaktion war am Samstag gescheitert. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am Bruch der dafür vereinbarten Feuerpause.

Nachdem auch der zweite Versuch, rund 200.000 Menschen in Sicherheit zu bringen, am Sonntag scheiterte, machte Moskau die "ukrainischen Nationalisten" dafür verantwortlich, sie hätten die Evakuierung aus Mariupol und der nördlichen Vorstadt Wolnowacha verhindert. Am Montag warf Moskau der ukrainischen Seite erneut vor, Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen.

Michel appelliert an Putin

EU-Ratspräsident Charles Michel hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin gedrängt, Zivilisten in der Ukraine die Flucht durch humanitäre Korridore zu ermöglichen. Er habe Putin bei einem Telefonat aufgerufen, die Kämpfe unverzüglich einzustellen, schrieb Michel auf Twitter.

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Darüber hinaus müsse Russland die Sicherheit der Atomanlagen in der Ukraine gewährleisten, forderte Michel nach dem Angriff auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja in der vergangenen Woche. Zuvor hatte es bereits Kämpfe in der Nähe der Atomruine von Tschernobyl gegeben.

Michel kündigte zudem an, die EU werde "in den kommenden Tagen über den Beitrittsantrag der Ukraine diskutieren". Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder treffen sich ab Donnerstag zu einem zweitägigen informellen Gipfel im französischen Versailles. Neben der Ukraine hatten vergangene Woche auch Georgien und Moldau eine Aufnahme in die EU verlangt.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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