Politik

Bei Putin in Ungnade gefallen Russischer Skandal-Gouverneur ist tot

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Michail Ignatjew wurde 58 Jahre alt.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Nach einer Reihe von Skandalen wird Gouverneur Michail Ignatjew von Kremlchef Wladimir Putin entlassen. Gegen die Entscheidung reicht der russische Politiker vor wenigen Wochen Klage ein. Nun ist Ignatjew nach einer Corona-Infektion gestorben.

Ein von Russlands Präsident Wladimir Putin im Streit gefeuerter ehemaliger Gouverneur ist an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Nach Behördenangaben starb Michail Ignatjew am Donnerstag in St. Petersburg. Berichten zufolge war er Ende Mai mit einer beidseitigen Lungenentzündung eingeliefert worden.

Putin hatte Ignatjew im Januar seines Amtes als Gouverneur der russischen Republik Tschuwaschien enthoben. Der Präsident gab an, nach einer Reihe von Kontroversen das Vertrauen in den 58-Jährigen verloren zu haben, der sein Amt zehn Jahre lang ausgeübt hatte. Daraufhin reichte Ignatjew beim Obersten Gerichtshof Klage gegen seine Entlassung ein.

Dimitri Medwedjew "Wassili" genannt

Der Anwalt Ruslan Koblew sagte der Zeitung "RBK", es komme in Russland sehr selten vor, dass eine Entlassung wegen Vertrauensverlusts juristisch angefochten werde. Nach Einschätzung von Experten gab es lediglich in den 1990er-Jahren zwei solcher Fälle. Sie schätzten die Erfolgsaussichten als gering ein.

Ignatjew hatte während seiner Amtszeit für eine Reihe von Kontroversen gesorgt. So wurde er dabei gefilmt, wie er bei einer öffentlichen Zeremonie im russischen Katastrophenschutzministerium ein Schlüsselbund über dem Kopf eines uniformierten Offiziers baumeln ließ und diesen zwang, aufzuspringen, um danach zu greifen. Daraufhin wurde er aus der Kremlpartei Geeintes Russland ausgeschlossen. Bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen sprach Ignatjew den damaligen Ministerpräsidenten Dimitri Medwedjew einmal irrtümlich als "Wassili" an.

Für einen Skandal hatte auch Ignatjews Aussage gesorgt, Journalisten, die positiv über das Leben in Westeuropa berichteten, müssten "ausradiert werden". Später entschuldigte er sich und gab an, er sei falsch verstanden worden.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa