Politik

"Unlogisch, unsolidarisch, unklug" SPD-Spitze kanzelt Juso-Chefin ab

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Juso-Chefin Johanna Uekermann hat den Unmut der Parteispitze auf sich gezogen.

(Foto: dpa)

Lob für die Kanzlerin, Kritik für den eigenen Parteivorsitzenden: Juso-Chefin Johanna Uekermann muss nach ihrem Frontalangriff auf Sigmar Gabriel jetzt selbst in Deckung gehen. Denn die Parteispitze ist alles andere als amüsiert.

Nach ihrer Kritik an der Linie von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel im Asylstreit muss die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann jetzt selbst einstecken. Sie sei "konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern", konterte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann in der Rheinischen Post. Für seinen Einsatz in der Großen Koalition, etwa gegen Transitzonen für Flüchtlinge, verdiene der Vize-Kanzler "nicht Kritik, sondern das Lob der gesamten Partei". Uekermann habe sich "total verrannt".

Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil ließ seinem Ärger via Twitter freien Lauf. "Juso-Bundesvorsitzende geht CDU-Vorsitzender auf den Leim und fällt eigener Partei in den Rücken. Unlogisch, unsolidarisch, unklug", schrieb er. In einem Interview mit der Rheinischen Post hatte Ueckermann der Kanzlerin mit Blick auf ihre Flüchtlingspolitk "zum allerersten Mal" während ihrer zehnjährigen Amtszeit "so etwas wie Rückgrat" attestiert.

Die Parteispitze in Berlin reagierte darauf mit schierem Unglauben. "Ich höre wohl schlecht: Jusos loben die Kanzlerin?", fragte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi und kritisierte, damit würde jene Frau gelobt, die die Transitzonen von CSU-Chef Horst Seehofer unterstützt habe, die den Familiennachzug für Syrer nicht wolle und den schwangeren, minderjährigen und behinderten Flüchtlingen keine angemessene medizinische Versorgung geben wolle.

Uekermann stellt sich beim Bundeskongress am Wochenende zur Wiederwahl als Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation. Sie ist die einzige Kandidatin für die Position und wohl auch deshalb in einer recht bequemen Ausgangslage. Im Interview hatte die 28-Jährige kritisiert, die SPD lasse sich in der Asylpolitik von der CDU an die Wand spielen. "Sigmar Gabriel gebe ich für seine Politik in der großen Koalition und als Parteivorsitzender eine Vier minus", hatte Ueckermann erklärt und mit einem Aufstand gedroht, falls Gabriel einer Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen zustimmen sollte.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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