Politik

Outing als "Digital Immigrant" Schäuble wettert gegen soziale Netzwerke

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Schäuble am Smartphone: Er nutzt noch die Technik des "kreisenden Adlers".

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Video des Youtubers Rezo bringt die CDU in Bedrängnis. Die Partei windet sich nicht gerade souverän aus Kritik. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble beweist nun, dass das Internet eher ungewohntes Terrain für Christdemokraten ist.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sieht durch soziale Medien eine Verflachung der politischen Debatte. "Der Siegeszug des Internets, die sozialen Netzwerke, verändern den Ton und erschweren den Austausch von Meinungen, weil jeder in seiner Filterblase bleibt. Dadurch wird es schwer, zu Entscheidungen zu kommen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es fänden sich nur noch Mehrheiten gegen eine Lösung, aber keine mehr für eine Lösung.

Die Zuspitzung in sozialen Medien auf sehr kurze Botschaften könne den Kern eines Themas oft nicht mehr darstellen. Er glaube nicht, "dass sich die Kompliziertheit der Welt in 280 Zeichen erfassen lässt", sagte er. Es sei bedenklich, dass junge Menschen oft zwar über viel Informationen verfügten, diese aber sehr fragmentiert seien. "Mich besorgt, wenn junge Menschen keine Bücher mehr am Stück lesen. Sie lesen Auszüge, sie wissen sehr viel und vielerlei. Aber sie lesen nicht mehr in Gänze. Ich fürchte aber, erst das befähigt zum selbstständigen Denken", betonte Schäuble.

Die CDU hatte das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo ebenfalls als zugespitzt und verkürzend bezeichnet. "Die Zerstörung der CDU" wurde bislang über sieben Millionen Mal geklickt. Schäuble kommentierte das millionenfache Abrufen mit einem hinkenden Vergleich: "Niki Lauda ist gestorben, das haben bestimmt 150 Millionen Leute in Deutschland geklickt, obwohl wir nur 80 Millionen Einwohner haben." Sich selbst bezeichnete der 76-Jährige als "Digital Immigrant", der in der digitalen Welt "schlecht integriert" sei.

In dem Video Rezos heißt es, die CDU zerstöre "unser Leben und unsere Zukunft". Rezo wirft den Christdemokraten unter anderem vor, beim Klimawandel untätig zu sein, Politik für Reiche zu machen und "krasse Inkompetenz" beim Thema Urheberrecht und Drogenpolitik an den Tag zu legen. Die CDU hatte den Youtuber daraufhin zum Meinungsaustausch eingeladen und dessen Kritik als teilweise berechtigt bezeichnet.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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