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Autor muss in Spanien bleiben Schriftsteller Akhanli kommt frei

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Dogan Akhanli ist seit 2001 Deutscher.

(Foto: imago/Future Image)

Spaniens Justiz lässt den auf Betreiben der Türkei festgenommenen deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli wieder frei. Nach Deutschland zurückkehren kann der 60-Jährige zunächst jedoch nicht. Kanzlerin Merkel wirft derweil Erdogan vor, Interpol zu missbrauchen.

Der türkischstämmige deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli kommt auf freien Fuß. Das teilte der Anwalt des Autors, Ilias Uyar, nach einer Gerichtsanhörung in Madrid mit. Akhanli darf die spanische Hauptstadt jedoch zunächst nicht verlassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich verärgert über die Festnahme und sagte, Einrichtungen wie die Polizeibehörde Interpol dürften "nicht für so etwas missbraucht" werden.

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Außenminister Sigmar Gabriel brachte seine Freude über die Freilassung zum Ausdruck und erklärte, Ankara dürfe nicht erreichen, dass Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan auch "am anderen Ende Europas" in Haft geraten. Die Türkei hat jetzt 40 Tage Zeit, einen Auslieferungsantrag in Spanien zu stellen und zu begründen. Dann werde es in Spanien ein Auslieferungsverfahren mit Anhörung geben, hieß es.

Akhanli war am Samstag in seinem spanischen Urlaubsdomizil in Granada auf Betreiben der Türkei festgenommen worden. Der 60-Jährige wurde per internationalem Haftbefehl gesucht. Außenminister Sigmar Gabriel hatte Spanien dazu aufgerufen, Akhanli nicht auszuliefern.

Roman über Massaker an Armeniern

Spanischen Medienberichten zufolge wird Akhanli in der Türkei die Mitgliedschaft in einer bewaffneten, terroristischen Vereinigung vorgeworfen. 2010 war er wegen der Teilnahme an einem bewaffneten Raubüberfall mit Todesfolge angeklagt worden. Im Jahr 2011 wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Freispruch wurde 2013 aufgehoben.

Akhanli kam in den 90er Jahren nach Deutschland und lebt in Köln. Er hat 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Mit seinem Roman "Die Richter des Jüngsten Gerichts", der 1999 auf Türkisch erschien, brach Akhanli ein türkisches Tabu: Das Buch handelt von dem Massaker an den Armeniern im Jahr 1915. Mit der Veröffentlichung hatte er den Hass türkischer Nationalisten auf sich gezogen.

Quelle: n-tv.de, jog/jug/dpa/AFP

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