Politik

Gefährliche Eskalation in Nahost Schwangere und Kind bei Angriffen getötet

Ein Ende der erneuten Gewalt ist nicht absehbar. Auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen folgen Luftangriffe Israels und umgekehrt. Bei den Auseinandersetzungen verlieren eine schwangere Palästinenserin und ihr einjähriges Kind ihr Leben. Beide Seiten schieben die Verantwortung von sich.

Die israelische Armee hat die Tötung einer schwangeren Frau und ihres einjährigen Kindes im Gazastreifen bestritten. Der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, die beiden seien von einer fehlgeleiteten Rakete der im Gazastreifen herrschenden Hamas getötet worden. Diese Einschätzung basiere auf "Geheimdienstinformationen aus verschiedenen Quellen", sagte er.

"Wir sind 100 Prozent sicher, dass es nicht durch Waffen der israelischen Armee war." Es handele sich dennoch um einen "traurigen und tragischen Vorfall". Das Gesundheitsministerium in Gaza hatte mitgeteilt, die 37-Jährige und ihr Kind seien bei israelischen Angriffen östlich der Stadt Gaza ums Leben gekommen.

Der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen ist erneut gefährlich eskaliert. In der Küstenstadt Aschkelon wurde nach Polizeiangaben in der Nacht ein Israeli getötet, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete sein Wohnhaus traf. Bei Gegenangriffen der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza seit Samstag mindestens sechs Palästinenser getötet, darunter die schwangere Frau und ihr Kind. 47 weitere Palästinenser seien verletzt worden.

In Israel wurden nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom 83 Menschen verletzt, darunter eine 80-Jährige, die in Kiriat Gat durch Raketensplitter schwere Verletzungen erlitt. Seit Samstag haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 430 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Auch am Sonntagmorgen dauerten die Raketenangriffe an.

Ägypten bemüht sich um Waffenruhe

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Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu will seine Minister noch heute zu einer Dringlichkeitssitzung versammeln, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die neue Eskalation passiert nur eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Bisher war Tel Aviv während der jüngsten Runde der Gewalt nicht angegriffen worden. Militante Palästinenserorganisationen drohten jedoch mit einer Ausweitung der Angriffe auch auf die Küstenmetropole. Ägypten bemüht sich nach Medienberichten um eine Waffenruhe.

Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Sonntag erneut Ziele im Gazastreifen an. Am Samstag hatten Kampfjets unter anderem ein Hauptquartier der dort herrschenden radikalislamischen Hamas-Bewegung sowie mehrere Raketenwerkstätten und Waffenlager zerstört. Israelische Medien berichteten, es seien auch gezielt Wohnhäuser ranghoher Mitglieder der Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad beschossen worden.

US-Regierung verspricht "volle Unterstützung"

Insgesamt wurden nach Armeeangaben seit Samstag 200 Ziele im Gazastreifen attackiert. In israelischen Wohngebieten mussten seit Samstag Zehntausende Menschen in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Alarmsirenen. Mehrere Häuser in Ortschaften nahe dem Gazastreifen wurden von Raketen getroffen. Die Schulen in Israels Süden blieben geschlossen.

Die US-Regierung erklärte sich solidarisch mit Israel und sprach dem Verbündeten die "volle Unterstützung" aus für dessen "Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", wie Außenministeriumssprecherin Morgan Ortagus mitteilte. Die neue Runde der Gewalt begann, nachdem es am Freitag im Gazastreifen bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten an der Grenze erneut Tote gegeben hatte. Vier Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza getötet, darunter zwei Hamas-Kämpfer. Die militanten Palästinenserfraktionen im Gazastreifen teilten in einer gemeinsamen Stellungnahme mit, man werde den Tod der Palästinenser rächen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind bei teilweise gewaltsamen Protesten seit März vergangenen Jahres rund 280 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Israel hält seit mehr als zehn Jahren eine Blockade über den Küstenstreifen aufrecht, die von Ägypten mitgetragen wird. Die Maßnahme wird mit Sicherheitserwägungen begründet. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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