Politik

Explosionen am Flughafen Schwerer Terroranschlag erschüttert Istanbul

Erneut erschüttert ein Anschlag die türkische Metropole Istanbul. Dieses Mal greifen die Attentäter nicht die Innenstadt an, sondern den größten Flughafen der Türkei. Nach mehreren Explosionen sprechen die Behörden von mehr als 30 Toten und mehr als 140 Verletzten. Drahtzieher war nach Regierungsangaben mutmaßlich der IS.

Bei dem verheerenden Terrorangriff auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen sind mindestens 39 Menschen getötet worden. Bei den Toten handelte es sich nach türkischen Regierungsangaben um 36 Opfer und die 3 Selbstmordattentäter. Mindestens 147 Menschen wurden bei dem Angriff des Selbstmordkommandos gestern Abend kurz vor 22.00 Uhr verletzt. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte am Morgen bei einem Besuch am Flughafen, erste Hinweise deuteten auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Urheber hin.

Über die Nationalität der Opfer war zunächst nichts bekannt. Nach Informationen aus türkischen Regierungskreisen handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Toten um Türken. Es seien aber auch ausländische Staatsbürger unter den Opfern. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen seien.

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Mit dieser Kalaschnikow soll einer der Selbstmordattentäter bewaffnet gewesen sein.

(Foto: REUTERS)

Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals passiert. Zwei Angreifer hätten sich vor dem Ankunftsbereich des Internationalen Terminals in die Luft gesprengt, ein weiterer auf dem nahe gelegenen Parkplatz. Die Behörden teilten mit, die Polizei habe versucht, zwei der Angreifer durch Schüsse zu stoppen, bevor sie die Kontrollstelle in der Ankunftshalle erreichten. Doch die Attentäter hätten ihre Sprengsätze gezündet. Augenzeugen berichteten dagegen von mindestens einem Angreifer auch im Terminal.

"Einfach auf jeden geschossen"

"Es gab eine gewaltige Explosion", berichtete Ali Tekin, der in der Ankunftshalle auf einen Fluggast wartete. "Es war sehr laut. Die Decke stürzte herab. In dem Flughafen sieht es furchtbar aus." Eine Frau, die gerade aus Deutschland angekommen war, erzählte, sie habe sich auf den Boden geworfen, als sie die Explosion gehört habe. "Alle sind weggerannt. Überall lagen Körperteile. Alles war voller Blut."

Der aus Südafrika stammende Paul Roos schilderte den Angriff eines der Attentäter in der Abflughalle als "wahllose Schießerei". "Er hat einfach auf jeden geschossen, der ihm in die Quere kam. Er war ganz in Schwarz gekleidet und nicht maskiert." Roos sagte Reuters, er sei nur 50 Meter entfernt von dem Angreifer gewesen. "Es gab zwei Explosionen – kurz hintereinander. Dann hat er aufgehört zu schießen. Er drehte sich um und kam auf uns zu. Er sah sich um, ob ihn jemand aufhalten würde, und dann lief er zum Aufzug. Wir hörten weitere Schüsse, dann noch eine Explosion, und dann war es vorbei."

Flugverkehr gestört

Fotos vom Anschlagsort zeigten ein Bild der Verwüstung außerhalb des Ankunftsterminals, wo Passagiere gewöhnlich auf Taxis warten. Ministerpräsident Yildirim schilderte, dass auch die drei Attentäter mit dem Taxi am Flughafen angekommen seien. Dann hätten sie Maschinengewehre gezogen und um sich geschossen. Danach hätten sie sich selbst in die Luft gesprengt.

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Etliche Menschen retten sich nach dem Anschlag ins Freie und warten auf Neuigkeiten.

(Foto: dpa)

Nach den Explosionen wurde der Ankunfts- und der Abflugbereich des größten türkischen Flughafens vollständig gesperrt, der Flugverkehr zunächst komplett eingestellt. Am frühen Morgen wurde der Luftverkehr dann teilweise wieder aufgenommen. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Angriff sorgt allerdings für ein massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für diesen Mittwoch mehr als 340 Flüge.

Auch von Berlin-Tegel wird es keine Flüge nach Istanbul geben. Das sagte Flughafensprecher Lars Wagner am frühen Morgen. Regulär wären es am Mittwoch fünf Flüge. Ob davon später noch welche stattfinden werden, sei eine Entscheidung der Fluggesellschaften. Ob es Flüge von Istanbul nach Tegel geben werde, ist laut Wagner ebenfalls noch unklar. Auch eine gestern Abend mit 209 Passagieren und dem Ziel Istanbul von Berlin-Tegel aus verspätet gestartete Maschine der Turkish Airlines erreichte ihr Ziel nicht. Ursprünglich hieß es, sie solle nach Ankara umgeleitet werden. Laut Wagner kehrte die Maschine dann aber über der Slowakei um und flog zurück nach Tegel.

Immer wieder Istanbul

Neben dem IS hat auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - in der Vergangenheit mehrere Anschläge in der Türkei verübt. Vor drei Wochen waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbul.

Die TAK hatte anschließend auch ausländische Urlauber vor Türkeibesuchen gewarnt. Im vergangenen Dezember hatte die Gruppierung einen Mörserangriff auf den Flughafen Sabiha Gökcen verübt. Bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum waren im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden.

Erdogan appelliert an den Westen

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Rettungskräfte im Großeinsatz.

(Foto: AP)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kam derweil in Ankara zu einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Binali Yildirim und Armeechef Hulusi Akar zusammen. In einer Mitteilung forderte er die Welt zum entschlossenen Handeln gegen die Terrorbedrohung auf. "Ich hoffe, dass der Anschlag am Istanbuler Flughafen auf der ganzen Welt, allen voran in den westlichen Staaten, ein Meilenstein, ein Wendepunkt für den gemeinsamen Kampf gegen die Terrororganisationen sein wird."

Der Terrorangriff habe nicht nur 79 Millionen Türken, sondern allen Erdenbürgern gegolten, heißt es in der Mitteilung Erdogans weiter. "Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern des Selbstmordanschlags am Atatürk-Flughafen in Istanbul ihre Anteilnahme aus. Sie sei erschüttert über "diese neuen und hinterhältigen Akte des Terrorismus", sagte sie am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

Die USA verurteilten den Anschlag und sicherten der Türkei ihre Hilfe zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein verstärktes Vorgehen gegen Terrorismus.

Der Atatürk-Flughafen - der in etwa ein Passagieraufkommen wie Frankfurt/Main hat - liegt auf der europäischen Seite Istanbuls. Auf der asiatischen Seite der Millionenmetropole liegt der kleinere Flughafen Sabiha Gökcen.

Quelle: n-tv.de, chr/mli/jwu/dpa/rts/AFP

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