Politik

Generalsekretärin den Tränen nahe So geht die SPD mit Andrea Nahles um

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Auf Nahles entfielen 405 von 603 Stimmen. Das sind 67,2 Prozent - zu wenig für Jubel.

(Foto: dpa)

Am Donnerstag durfte der SPD-Parteitag seinen Frust über das Wahlergebnis nicht rauslassen. Am Freitag öffnet sich nun das Ventil, die Delegierten finden eine Schuldige: die Generalsekretärin.

"So hättet ihr mit Andrea nicht umgehen sollen", sagt Barbara Hendricks, als sie eigentlich über sich selbst sprechen soll. SPD-Schatzmeisterin Hendricks bewirbt sich noch einmal für ihr Amt, nutzt ihre Bewerbungsrede aber für eine Verteidigung von Generalsekretärin Andrea Nahles. Diese hatte beim SPD-Parteitag in Leipzig kurz zuvor mit 67,2 Prozent ein äußerst schlechtes Wahlergebnis eingefahren, schlechter als alle stellvertretenden Vorsitzenden ihrer Partei.

Hendricks spricht weiter: Nahles habe neue Formen der innerparteilichen Demokratie organisiert. Gemeint sind der Bürgerkonvent, bei dem Nicht-Mitglieder das Wahlprogramm beeinflussen konnten, und der Mitgliederentscheid, bei dem die SPD-Basis über den Koalitionsvertrag abstimmen soll. "Das ist nicht kostenlos zu haben", sagt Hendricks und beschreibt, wie groß der Aufwand für Nahles und ihre Mitarbeiter ist.

Außerdem habe Nahles einen "hervorragenden Wahlkampf" organisiert, mit dem der Spitzenkandidat sehr zufrieden gewesen sei. Insgesamt sei das eine "anständige Arbeit" gewesen.

Trost und Tränen

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Blumen und tröstende Worte vom Parteichef für die Generalsekretärin.

(Foto: imago stock&people)

Die Delegierten auf dem Parteitag in Leipzig sahen das offensichtlich anders. Die 67,2 Prozent sind eine Abrechnung mit dem Wahlkampf, von dem viele Beobachter bis heute sagen, dass er desaströs war. Als Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, gab es keine Kampagne, kein Konzept. Als Steinbrücks Schwächen aufgedeckt wurden, insbesondere seine Nebeneinkünfte durch Vorträge, hatte das Willy-Brandt-Haus keine Erklärungen parat. Steinbrück hatte zuvor gesagt, ein zu früh ausgerufener Kandidat würde sofort von den Medien "an der Wand entlanggeschleift" werden. Genau so kam es. Nahles hatte dem nichts entgegen zu setzen.

Das Ergebnis muss die Generalsekretärin aber nicht nur auf sich selbst beziehen, das kann ihr ein Trost sein. Die Delegierten waren am Donnerstag noch auf Geschlossenheit eingeschworen worden. Gabriel hatte gesagt, dass was der SPD schade, nicht gut für Deutschland sein könne, und damit die Partei auf Unterstützung verpflichtet. Die Delegierten waren ihm gefolgt. Mit einem vergleichsweise schwachen Wahlergebnis von 83,6 Prozent für Gabriel hatten sie zwar ein Zeichen gesetzt, aber nicht für einen Gesichtsverlust des Vorsitzenden gesorgt.

Den Frust, den die SPD-Basis am Donnerstag nicht rauslassen konnte, bekam nun Andrea Nahles zu spüren. Sie ist durch das Ergebnis deutlich geschwächt. Die Blumen für sie wurden nicht mit Glückwünschen, sondern mit Aufmunterungen und tröstenden Worten überreicht. Sie war sichtlich bemüht, dabei eine Art Lächeln aufzusetzen. Gleichzeitig schien es, als sei sie den Tränen nahe.

Quelle: ntv.de

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