Politik

Polizei fahndet nach Paris-Attentätern Spezialeinheit stürmt Wohnungen in Reims

stepmap-karte-der-terroranschlag-von-paris-1494339.jpg

Flucht Richtung Nordosten: Die Polizei versucht, die Tatverdächtigen zu stellen.

Die Fahndung nach den Attentätern von Paris läuft auf Hochtouren: Mit einem Großaufgebot gehen Beamte einer französische Anti-Terroreinheit in der Innenstadt von Reims in Stellung. Unklar ist, ob sich die Tatverdächtigen tatsächlich dort aufhalten. Der Einsatz dauert an.

Nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris sucht die Polizei in Reims rund 150 Kilometer nordöstlich der französischen Hauptstadt nach den mutmaßlichen Attentätern. Die Eliteeinheit Raid sei in der Stadt im Einsatz, heißt es. Die Polizei rief Journalisten vor Ort zur "größtmöglichen Vorsicht" auf. Offenbar gehen die Behörden von einem möglichen Schusswechsel aus.

In Live-Aufnahmen waren im französischen Fernsehen schwer bewaffnete Polizisten einer Spezialeinheit zu erkennen, die in der Nacht zu Dutzenden in der Innenstadt von Reims in Stellung gingen. Das Gebiet wurde großräumig abgesperrt. Offenbar versuchen die Beamten, einen möglichen Aufenthaltsort der Tatverdächtigen zu sichern, um sie an einer weiteren Flucht zu hindern.

Offiziell hieß es nur, ein Einsatz sei angelaufen. Mehr wollten die Behörden "aus polizeitaktischen Gründen" nicht sagen. Unklar ist, ob sich die mutmaßlichen Attentäter tatsächlich in Reims aufhalten. Die französische Polizei sucht mittlerweile landesweit nach drei Männern, die im dringenden Tatverdacht stehen, das Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdon" verübt zu haben.

Wie in der Nacht aus Ermittlungskreisen verlautete, sind unter anderem zwei Brüdern im Alter von gut 30 Jahren zur Fahndung ausgeschrieben. Sie sollen im islamistischen Milieu aktiv gewesen sein. Gesucht werde außerdem nach einem 18-Jährigen, heißt es. Früheren Angaben zufolge soll es bei den drei Verdächtigen um Saïd Kouachi (32), Cherif Kouachi (34) und Hamyd Mourad (18) handeln.

Einer der beiden Brüder war nach Angaben der Ermittler im Jahr 2008 verurteilt worden, weil er in dschihadistischen Netzwerken bei Versuchen mitgeholfen haben soll, Kämpfer in den Irak zu schicken. Mindestens zwei Bewaffnete hatten am Mittwochvormittag die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" in Paris gestürmt und mit Sturmgewehren gezielt auf die dort versammelten Redaktionsmitglieder geschossen. Insgesamt zwölf Menschen fielen den Schüssen zum Opfer, darunter mehrere Zeichner, ein Gast der Redaktion sowie Chefredakteur Stéphane Charbonnier ("Charb").

200 Kilometer vor der deutschen Grenze

Die Lage in Frankreich bleibt angespannt: Entweder werde den Verdächtigen die Flucht gelingen, weil sie gewarnt wurden, oder es werde zu einem Showdown kommen, erklärte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP. Reims liegt nur rund 90 Kilometer von der Grenze nach Belgien entfernt. Bis nach Luxemburg sind es knapp 140 Kilometer. Bis zur Grenze nach Deutschland müssten die Tatverdächtigen mehr als 200 Kilometer zurücklegen.

Ein erfolgreicher Zugriff in Reims wäre ein großer Erfolg für die französische Justiz. Zuvor hatte es Durchsuchungen in Straßburg sowie im Großraum Paris gegeben. Bei dem Anschlag in der Redaktion von "Charlie Hebdo" waren zwölf Menschen getötet worden. Die Namen der drei mutmaßlichen Attentäter zirkulierten am Abend bereits, eine offizielle Bestätigung der Identifizierung gab es zunächst nicht.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

Mehr zum Thema