Politik

Luftalarm in vielen Großstädten Starke Explosionen erschüttern Kiew

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Eine Frau inspiziert die Schäden in einem Geschäft nach einem russischen Angriff in Kiew am Dienstag.

(Foto: dpa)

Schwarze Rauchsäulen steigen am Morgen über Kiew auf. Die russischen Truppen setzen ihre Angriffe in der Hauptstadtregion offenbar fort. Einem Bericht zufolge warnen Sirenen auch in zahlreichen anderen ukrainischen Städten vor neuen Luftangriffen.

In Kiew sind am Morgen erneut mehrere starke Explosionen zu hören gewesen. So habe es am frühen Morgen im Westen der ukrainischen Hauptstadt drei Detonationen gegeben, berichteten Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP. Wie bereits am Vortag, als die russischen Streitkräfte mehrere Wohnhäuser unter Beschuss genommen hatten, stiegen anschließend schwarze Rauchsäulen auf. Weitere Explosionen folgten später am Morgen. Rettungskräften zufolge seien zwei Wohngebäude beschädigt worden, es gebe zwei Verletzte.

Auch Reporter von CNN berichten von Explosionen in Vororten von Kiew. Außerdem hätten dort in der Nacht erneut Sirenen vor Luftangriffen gewarnt. Das ukrainische Nachrichtenportal "The Kyiv Independent" schreibt, in zahlreichen Großstädten habe es Luftalarm gegeben, darunter Charkiw, Lwiw, Odessa, Dnipro, Winnyzja, Iwano-Frankiwsk und Kirowohrad.

Die Behörden machten zunächst keine Angaben zu den Explosionen. Wegen einer am Dienstagabend verhängten Ausgangssperre konnten auch Medienvertreter sich nicht in der Stadt bewegen. Am Dienstagmorgen waren durch mehrere russische Angriffe mindestens vier Menschen getötet worden.

Drei Wochen nach Beginn des Ukraine-Kriegs intensivierten indes die russischen Angreifer ihren Beschuss auf mehrere umkämpfte Städte. Betroffen sind neben Kiew und seinen Vorstädten besonders Charkiw im Osten, Mariupol im Südosten und Mykolajiw im Südwesten. Auch westliche Städte, die bislang von den Kämpfen verschont geblieben waren, kommen zunehmend unter Beschuss.

In Charkiw wurden nach Angaben der Regionalverwaltung seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar mindestens 500 Einwohner getötet. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen. Russland dementiert, bei seinen Militäraktionen Zivilisten ins Visier zu nehmen. Nach UN-Angaben werden die meisten Opfer unter der Zivilbevölkerung durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite verursacht, darunter durch den Beschuss mit schwerer Artillerie und mit Raketenwerfern sowie durch Raketen- und Luftangriffe.

Moskau meldet andauernde Kämpfe im Osten

Nach russischen Angaben dauern auch die heftigen Gefechte um die Großstadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine an. Einheiten der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk kämpften an den Stadtgrenzen im Nordwesten, Nordosten und Osten, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in seinem Morgenbericht. In Sjewjerodonezk leben etwa 100.000 Menschen. Die Aufständischen im Gebiet Donezk hätten mehrere Dörfer unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Konaschenkow. Auch diese Aussage ließ sich nicht überprüfen.

Die Zahl der seit Kriegsbeginn am 24. Februar zerstörten ukrainischen Panzer und gepanzerten Fahrzeuge gab Konaschenkow mit 1353 an. Zudem seien 111 Flugzeuge, 68 Hubschrauber, 160 Drohnen und 159 Raketenabwehrsysteme getroffen worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte seinen Einmarsch in die Ukraine auch damit begründet, dass er das vom Westen mit Waffen ausgerüstete Land "entmilitarisieren" wolle.

London: Russland erleidet "schwere Verluste"

Derweil sieht Großbritannien "schwere Verluste" auf der russischen Seite. Die ukrainischen Streitkräfte hätten taktisch Russlands Schwächen ausgenutzt, den russischen Vormarsch vereitelt und "den Truppen schwere Verluste zugefügt", hieß es in einem Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums. Die Russen täten sich schwer mit den Herausforderungen des ukrainischen Geländes. Da es ihnen nicht gelungen sei, den Luftraum unter ihre Kontrolle zu bringen, seien ihre Optionen begrenzt.

Der ukrainische Generalstab gab an, die russische Armee habe seit Ausbruch des Krieges bereits bis zu 40 Prozent ihrer Einheiten verloren. Die Angaben können nicht unabhängig geprüft werden. London hatte zuvor bereits unter Berufung auf seine Geheimdienstinformationen mitgeteilt, Russland habe auch Kräfte aus seinen Flotten im Pazifik und aus Armenien in die Ukraine gezogen. Außerdem beauftrage Moskau private Söldner, etwa aus Syrien. Diese könnten demnach eingesetzt werden, um besetzte Gebiete zu kontrollieren, um die Streitkraft der eigenen Truppen zu erhöhen

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts/dpa

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