Politik

Gewaltexplosion in Mailand Straßenschlachten begleiten Expo-Eröffnung

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Tränengas, Wasserwerfer und zusätzliche Einsatzkräfte: In Mailands Zentrum randalieren Expo-Gegner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Expo in Mailand läuft - trotz aller Kritik, Pannen und Probleme. Italiens Regierungschef Renzi nutzt die Gelegenheit zu einem leidenschaftlichen Appell an sein Land. Expo-Gegner lassen ihrer Leidenschaft auch freien Lauf.

Schwere Krawalle haben die Eröffnung der Weltausstellung in Mailand überschattet. Die Polizei ging mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die während eines Protestzuges unter dem Motto "No Expo" Scheiben einwarfen sowie Autos und Mülltonnen anzündeten. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi wies in seiner Eröffnungsrede die Kritik an den Organisatoren der Expo zurück. Italien erhofft sich von der Expo nach Jahren der Krise auch neue Impulse für seine Wirtschaft und einen Imagegewinn für das Land.

Die rund 2,5 Milliarden Euro teure Expo in Mailand wurde von Korruptionsska ndalen überschattet. Die Expo-Gegner prangern eine Verschwendung öffentlicher Mittel, die Ausbeutung von Arbeitern sowie das Sponsoring der Expo durch große Lebensmittelkonzerne, darunter die US-Fast-Food-Kette  McDonald's.

Die Zukunft Italiens?

Die Ausschreitungen verwandelten Teile des Stadtzentrums der eleganten norditalienischen Stadt in ein Schlachtfeld. Wasserwerfer-Besatzungen mussten Brände löschen, darunter ein Feuer in einer Bankfiliale. Vermummte und mit Gasmasken ausgerüstete Demonstranten attackierten die Polizei und zündeten Rauchbomben. Im Zentrum herrschte Chaos, Straßen waren gesperrt, viele Läden geschlossen. Etwa 2600 zusätzliche Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Mindestens zehn Menschen wurden festgenommen, etwa ebenso viele Polizisten wurden verletzt. Zu der Kundgebung des Bündnisses "No Expo" waren mehrere tausend Menschen gekommen.

Erste Besucher strömten bereits pünktlich um 10.00 Uhr auf das Gelände, um die rund 80 Expo-Pavillons zu erkunden. Mit Blick auf die Skandale und die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Expo-Geländes sagte Renzi: "Sie haben gesagt, dass wir es niemals schaffen werden, aber heute ist die Expo Wirklichkeit." Nun beginne die Zukunft Italiens. "Der große Tag ist da, endlich", sagte Expo-Chef Giuseppe Sala mit Blick auf die lange Vorbereitung. Mailands Bürgermeister Giuliano Pisapia erklärte unter großem Applaus: "Wir haben es geschafft."

Patzer im Ablauf

Die Weltausstellung steht unter dem Motto "Feeding the planet, Energy for life" (Die Erde ernähren, Energie fürs Leben). Bis zuletzt wurde an den Expo-Pavillons und auf dem Gelände gearbeitet. Der Gastgeber Italien rechnet mit 20 Millionen Besuchern in den kommenden sechs Monaten. Zuletzt fand vor fünf Jahren in Shanghai eine Weltausstellung statt.

In der Nacht vor der Eröffnung hatte eine Gruppe unbekannter Hacker die Ticket-Webseite für einige Stunden lahmgelegt. Zu kleineren Pannen kam es in verschiedenen Pavillons: So konnte Belgien ausgerechnet am Eröffnungstag weder sein landestypisches Bier noch seine berühmten Pommes frites servieren. Das Bier lagere in einem 500 Meter entfernten Lager, das aus Sicherheitsgründen verschlossen sei, bedauerte der Restaurantmanager des Pavillons. Bangladesch konnte seine Ausstellung mangels Mitarbeitern erst gar nicht öffnen. "Wir hoffen, dass die Menschen von der Schönheit angezogen werden und sich nicht in den wenigen Dingen verlieren, die noch erledigt werden müssen", sagte Sala.

Der deutsche Pavillon ist einer der größten, es werden drei Millionen Besucher erwartet. Ihnen sollen neue Ansätze zu nachhaltiger Ernährung präsentiert werden, auch deutsche Spezialitäten werden angeboten. Insgesamt 145 Länder nehmen an der Expo teil. Das Motto der Weltausstellung dreht sich um die Frage, wie in Zukunft alle Menschen ernährt werden können.

Papst Franziskus bezeichnete die Expo in seiner Video-Botschaft als «eine Gelegenheit, um die Solidarität zu globalisieren». Das Thema sei wichtig und existenziell. "Lassen Sie diese Expo zu einer Gelegenheit für einen Mentalitätswechsel werden, lassen wir die Vorstellung fallen, dass unsere täglichen Handlungen keinen Einfluss auf das Leben derer haben, die Hunger leiden."

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/AFP