Politik

G36-Initiative verschlafen? Sturmgewehr-Planung wirft Fragen auf

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Im Amt für Heeresentwicklung gibt es angeblich längst Vorschläge, wie sich sich die "Präzision des Gewehrs (...) auch nach intensivem Feuerkampf sowie bei erheblichen Änderungen der Außentemperatur" erhalten ließe.

(Foto: REUTERS)

Hat sich das Verteidigungsministerium im Umgang mit der wichtigsten Infanteriewaffe der Bundeswehr verzettelt? Einem Bericht zufolge wollten Waffenexperten das Standardgewehr G36 schon vor mehr als einem Jahr verbessern.

Im Inneren der Wehrverwaltung hat es einem Medienbericht zufolge bereits vor einem Jahr eine Initiative zur Verbesserung des umstrittenen Sturmgewehrs G36 gegeben. Der Vorstoß sei aber damals offenbar zurückgestellt worden, weil eine weitere Untersuchung des Gewehrs begonnen habe, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Eine Expertengruppe will demnach dem Verteidigungsministerium noch vor dem Wochenende einen Bericht zur Treffsicherheit des Gewehrs vorlegen. Wie die Zeitung unter Berufung auf interne Dokumente schreibt, hatte das Amt für Heeresentwicklung die Initiative zur Überarbeitung des G36 bereits im März 2014 gestartet und dabei auch auf Probleme verwiesen.

So habe sich das G36 zwar als Standardbewaffnung bewährt, es seien aber Eigenschaften identifiziert worden, "die sich als Fähigkeitslücke auswirken und die für die Streitkräfte im Einsatz dauerhaft nicht hinnehmbar sind", zitiert die SZ aus internen Unterlagen. Die Behörde habe die Vorschläge zur Überarbeitung der Waffe unter dem Titel "System Gewehr G36 Produktverbesserung" und dem Aktenzeichen 79-10-05 vorgelegt. In dem Papier heißt es laut "SZ" unter anderem ausdrücklich, das G36 habe sich "in nahezu 20 Jahren als Standardbewaffnung" bewährt.

Das Gewehr G36

"Das G36 ist die Standardwaffe der Bundeswehr. Jeder Soldat wird an diesem vollautomatischen Sturmgewehr ausgebildet. Es hat das NATO-Kaliber 5,56 Millimeter. Das G36 kann Einzelfeuer oder kurze Feuerstöße abgeben. Es ist mit einem Reflexvisier und einem optischen Visier mit dreifacher Vergrößerung ausgestattet. Große Teile des Gewehrs bestehen aus leichtem aber robustem Kunststoff." (Quelle: Bundeswehr)

Besser nicht in die Sonne legen?

Allerdings forderten die Schusswaffenexperten bereits damals, die Präzision des Gewehrs müsse "auch nach intensivem Feuerkampf sowie bei erheblichen Änderungen der Außentemperatur" erhalten bleiben. Nehme man die bestehenden Probleme in Kauf, verfügten die Streitkräfte nicht über die erforderliche "Fähigkeit zur Zieldiskriminierung im Einsatz".

Das erhöhe "im Umkehrschluss die Gefährdung für Leib und Leben der Soldaten im Gefecht". Daher solle die technische Machbarkeit der geforderten Optimierung umgehend untersucht werden. Es werde "empfohlen, diese Initiative mit hoher Priorität in die Mittelfristplanung aufzunehmen".

Neue "Einsatzerfordernisse"

Abgesehen von den Hitzeproblemen bei Dauerfeuer sprach sich das Amt für Heeresentwicklung auch dafür aus, dass die Waffe ergonomisch "an die aktuellen und künftigen Einsatzerfordernisse" angepasst wird. Zusätzlich solle die "Möglichkeit zur Aufnahme leistungsfähiger Optiken, Nachtsicht- und Peripheriegeräte" geschaffen werden, hieß es.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte bereits Ende März nach Kenntnis vorläufiger Untersuchungsergebnisse erklärt, dass es ein Präzisionsproblem der Waffe bei hohen Temperaturen gebe. Der Hersteller Heckler & Koch weist die Vorwürfe aus dem Verteidigungsministerium vehement zurück.

Unstrittig ist in Fachkreisen, dass jedes automatisch feuerende Gewehr bei Dauerfeuer aufgrund der enormen Wärmeentwicklung an Treffgenauigkeit verliert. Dauerfeuer ist in den Ausbildungsrichtlinien der Bundeswehr im Umgang mit dem G36 nicht vorgesehen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa