Politik

"Gott verfluche Dich, Obama" Taliban drohen mit Rache

Kurz nach dem Tod von Terrorchef Bin Laden drohen Extremisten mit Vergeltung. Pakistanische Politiker und die USA würden angegriffen werden, kündigt ein Taliban-Sprecher an. Auch Politiker und Experten warnen vor Vergeltungsschlägen.

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Am schnellsten verbreitete sich die Nachricht über das Internet - ebenso wie die ersten Drohungen von Islamisten.

Nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden haben die Taliban Pakistan und den USA mit Vergeltung gedroht. Führende pakistanische Politiker, an ihrer Spitze Präsident Asif Ali Zardari, und das Militär würden als erste angegriffen, sagte ein Sprecher der pakistanischen Taliban der Nachrichtenagentur. An zweiter Stelle stünden die USA.

Auch Anhänger radikal-islamischer Gruppen bekräftigten im Internet ihren Kampfeswillen. In arabisch-sprachigen Internet-Foren beteuerten sie ihre Entschlossenheit, vor allem die USA und deren Präsidenten Barack Obama in ihrem Visier zu behalten. "Gott verfluche Dich, Obama", hieß es in einer der ersten Reaktionen aus islamistischen Gruppen. "Ihr Amerikaner: es ist noch immer unser Recht, Euch den Hals abzuschneiden." Auf einer anderen Internet-Seite schrieb ein Diskussionsteilnehmer: "Osama mag getötet worden sein, aber sein Aufruf zum Dschihad wird niemals sterben. Brüder und Schwestern, wartet ab, sein Tod wird sich als Segen entfalten."

Experten rechnen mit Vergeltung

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida nach dem Tod seines Anführers Osama bin Laden "ohne Zweifel zurückschlägt." Der Triumph der Amerikaner könne zu ernsten Vergeltungsmaßnahme führen. Organisationen in aller Welt müssen nun voraussichtlich ihre Sicherheitsmaßnahmen aufstocken, vermutete John Gearson vom Institut für Terrorismusstudien am Londoner Kings College.

"Ich glaube, die Bedeutung dessen, was geschehen ist, kann nicht überschätzt werden", erklärte Gearson. "Ich erwarte, dass Botschaften und Militärstützpunkte in aller Welt für einige Zeit in hoher Alarmbereitschaft sein werden", betonte er. Man müsse damit rechnen, "dass Al-Kaida sehr wohl demonstrieren will, dass sie immer noch stark und im Spiel ist", meinte der Wissenschaftler.

Der frühere Kommandeur der britischen Truppen in Afghanistan, Oberst Richard Kemp, sagte der BBC: "Ich glaube, das ist auf keinen Fall das Ende von Al-Kaida. "Sie werden versuchen, sich zu erholen, sie werden ohne Zweifel versuchen zurückzuschlagen in irgendeiner Form." Er hält Al-Kaida jedoch für nicht in der Lage, einen großen Anschlag wie 2001 in New York und Washington zu verüben.

US-Botschaften in Alarmbereitschaft

Die USA warnten ihre Bürger in aller Welt vor anti-amerikanischer Gewalt. Das Außenministerium richtete sich in einer Erklärung an "US-Bürger in Gegenden, in denen die jüngsten Ereignisse anti-amerikanische Gewalt auslösen könnten". Das Ministerium riet dringend dazu, Aufenthalte außerhalb von Häusern und Hotels auf das Nötigste zu beschränken sowie sich von Menschenansammlungen und Demonstrationen fern zu halten. Die diplomatischen Vertretungen in aller Welt wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die Warnung werde zunächst bis zum 1. August gelten, hieß es.

Präsident Obama hatte in seiner Rede gesagt, es gebe "keinen Zweifel" daran, dass Al-Kaida weitere Angriffe vorbereite. "Wir müssen und wir werden zu Hause und im Ausland wachsam bleiben."

Herrmann mahnt zu Aufmerksamkeit

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Westerwelle zeigte sich besorgt.

Auch in Deutschland könnten Terroristen Vergeltung üben, warnte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass jetzt, nachdem Osama bin Laden das Handwerk gelegt wurde, es andere Mittäter gibt, die noch einmal versuchen, ihre schrecklichen Taten in der Welt zu verbreiten", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Die Bundesrepublik müsse sich der Gefahr stellen und als "wehrhafte Demokratie" den "Terrorismus bekämpfen". Es gehe dabei um "den Schutz unserer Freiheit und Lebensweise". Ob die Regierung besondere Maßnahmen ergreifen wird, um der Gefahr vorzubeugen, ist noch unklar. Die Gewerkschaft der Polizei sprach sich für eine Verlängerung der Antiterrorgesetze aus, um die befürchteten Racheakte zu verhindern.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann pflichtete Westerwelles Einschätzung bei. "Die kurzfristige Gefahr von Racheakten ist gestiegen", schätzte Herrmann die Lage ein. Dies gelte besonders für Einrichtungen der USA in Deutschland. Hier würden die Bewachung und der Schutz durch die deutschen Sicherheitsbehörden sicher verstärkt werden. "Man kann jetzt schon sagen, dass man aufmerksamer sein muss", erklärte Herrmann. Insgesamt handele es sich bei der Tötung Bin Ladens um eine gute Nachricht für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Martin Schulz (SPD), sagte im Deutschlandfunk, Bin Ladens Tötung werde "in Terrorkreisen als Provokation empfunden". Es sei nun damit zu rechnen, dass Bin Ladens Anhänger "versuchen werden zurückzuschlagen." Das Terrornetzwerk El Kaida könne wegen seiner dezentralen Struktur auch ohne Bin Laden funktionieren: "Die Rolle von Bin Laden war die einer Symbolfigur, und die Symbolfigur ist jetzt getötet."

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, rechnet mit terroristischen Vergeltungsanschlägen vor allem gegen die USA und Pakistan. Er gehe davon aus, dass sich Al Kaida für den Tod ihres Gründers rächen werde, sagte Ischinger dem Deutschlandradio Kultur. Dies werde aber "eher nicht" in Deutschland geschehen, sondern anderswo auf der Welt - "dort, wo vielleicht amerikanische Streitkräfte verwundbar sein könnten".

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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