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Gebietsgewinne um Kundus Taliban nehmen Militärbasis ein

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Ein Taliban-Kämpfer posiert in Kundus mit seinen Waffen.

(Foto: REUTERS)

Die schnelle Rückeroberung von Kundus ist offenbar gescheitert, zumindest vorerst. Stattdessen nehmen die Taliban eine Militärbasis in der Nähe der Stadt ein. Auch auf den von der Armee gehaltenen Flughafen rücken sie vor.

Zwei Tage nach der Eroberung der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kundus dehnen die Taliban ihren Machtbereich in der Region aus. Die Aufständischen eroberten eine strategisch wichtige Militärbasis am Nordrand der Stadt und erbeuteten Waffen und Munition. "Rund 60 Soldaten der Nationalarmee haben sich den Taliban ergeben", sagte das Provinzratsmitglied Sajed Asadullah Sadat.

Sein Kollege Aminullah Ajuddin sagte: "Die Soldaten haben ein Abkommen getroffen, wonach sie im Tausch gegen ihr Leben die Hälfte ihrer Waffen und Munition den Taliban überlassen." Die Taliban hätten die Soldaten daraufhin abziehen lassen. Die Basis Bala-e-Hisar war wichtig, um die Straße zum Grenzort Sher Khan Bandar an der tadschikischen Grenze zu sichern.

Offensive der Armee kommt nicht voran

Die Gegenoffensive der afghanischen Sicherheitskräfte zur Rückeroberung der Stadt Kundus zeigte unterdessen keine Wirkung. Die Taliban rückten stattdessen auf den Flughafen am Stadtrand vor. "Die Taliban haben die ganze Nacht angegriffen", sagte Provinzratsmitglied Sadat. Die Gegend um den Flughafen und das frühere deutsche Feldlager wird bislang von Regierungstruppen gehalten.

Ein US-Militärsprecher in Kabul sagte, US-Streitkräfte hätten in der Nacht zwei Luftangriffe in der Nähe des Flughafens geflogen. In der Gegend von Kundus sei außerdem eine "begrenzte" Anzahl ausländischer Soldaten, um die afghanischen Sicherheitskräfte "zu beraten und zu unterstützen". Angaben zur Nationalität der Soldaten machte er nicht.

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus hatten die radikalislamischen Taliban die Stadt am Montag überrannt. Kundus ist die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde. Präsident Aschraf Ghani hatte der Nation versichert, Kundus werde zurückerobert.

Berichte über Hinrichtungen

Der afghanische Geheimdienst NDS teilte mit, der Schattengouverneur der Taliban für die Provinz Kundus, Maulawi Abdul Salam, und Dutzende weitere Aufständische seien bei einem Luftangriff getötet worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid wies das zurück und sagte, Salam führe den Angriff auf den Hügel an, auf dem der Flughafen liegt.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, seit Beginn der Gefechte seien 43 Leichen in die Krankenhäuser von Kundus gebracht worden. 338 Verletzte seien behandelt worden. Der amtierende Verteidigungsminister Masum Staniksai hatte die Zahl der getöteten Sicherheitskräfte am Dienstag mit 17 angegeben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es Berichte über Hinrichtungen in Kundus. "Ich bin zutiefst besorgt über die Lage in Kundus nach dem Taliban-Angriff auf die Stadt", teilte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom, mit. Anwohner bestätigten solche Berichte allerdings nicht.

Ein Taliban-Kommandeur in Kundus namens Mullah Usman sagte, Regierungsmitarbeiter würden gefangen genommen, aber nicht getötet. Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) teilte mit, nach ersten Informationen seien bei den Kämpfen um Kundus mehr als 100 Zivilisten getötet oder verletzt worden. Bis zu 6000 Zivilisten seien geflohen.

Quelle: n-tv.de

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