Politik
Die Zahl der Opfer auf dem Militärstützpunkt ist weit höher, als zunächst bekannt geworden war.
Die Zahl der Opfer auf dem Militärstützpunkt ist weit höher, als zunächst bekannt geworden war.(Foto: dpa)
Samstag, 22. April 2017

Massaker nahe Bundeswehr-Lager: Taliban töten 140 afghanische Soldaten

Der Angriff der Taliban auf eine afghanische Militärbasis am Freitag war offenbar noch verheerender als bisher bekannt. Offiziell ist von mindestens 140 Toten die Rede. Die Islamisten sprechen sogar von bis zu 500 Todesopfern.

Bei dem jüngsten Angriff der Taliban auf eine Militärbasis in der afghanischen Nordprovinz Balch sind mindestens 140 Soldaten getötet und mehr als 160 verwundet worden. Das sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Ibrahim Chair Andesch, der dpa.

Die Taliban sprachen sogar von mehr als 500 Toten und Verwundeten. Ein Armeevertreter hatte zuvor noch die Zahl der Opfer mit mehr als 80 Toten und mindestens 70 Verwundeten angegeben. Balch gehörte lange zu den eher sicheren Provinzen Afghanistans. 

Der Angriff am Freitag galt einem Armeestützpunkt nahe der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif. Dort betreibt die Bundeswehr ein Feldlager. Deutsche Soldaten kamen nicht zu Schaden. Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Angriff als "hinterhältig".

Angriff auf Betende

Einem afghanischen Militärvertreter zufolge trugen die Taliban-Kämpfer Uniformen der afghanischen Streitkräfte und fuhren mit Militärfahrzeugen sowie gefälschten Papieren vor. Zu Beginn ihres Angriffs hätten sie zunächst am Eingangstor eine Rakete gezündet. Zehn Taliban-Kämpfer griffen dann unter anderem Soldaten und Offiziere während des Freitagsgebets in einer Moschee auf dem Stützpunkt an. Anschließend griffen sie die Kantine an. Zwei der Angreifer sprengten sich in die Luft. Erst nach stundenlangen Feuergefechten eroberte die Armee die Kontrolle über ihren Stützpunkt zurück.

Dem afghanischen Verteidigungsministerium zufolge wurden alle Angreifer getötet. Wie viele Angreifer insgesamt beteiligt waren, teilte das Ministerium nicht mit. Zunächst hatte es geheißen, ein Täter sei festgenommen worden.

Die Taliban erklärten, vier ihrer Kämpfer hätten früher als Soldaten auf dem Militärstützpunkt gedient und daher gute Ortskenntnisse gehabt. Dazu veröffentlichten die Taliban angebliche Bilder der Angreifer. Die Angaben ließen sich nicht umgehend überprüfen.

Inzwischen hat Afghanistans Präsident Aschraf Ghani den Armeestützpunkt besucht. Ghani verurteilte den Überfall als "feige" und kündigte eine Untersuchung an, wie der Präsidentenpalast mitteilte.

Merkel verurteilt "hinterlistigen" Angriff

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete der afghanischen Regierung ihr Mitgefühl. "Mit großem Entsetzen habe ich die Nachricht über den hinterlistigen, brutalen Angriff der Taliban auf eine Kaserne Ihrer Streitkräfte im Norden Afghanistans aufgenommen", schrieb Merkel an den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. "Mein Mitgefühl gilt den vielen Verletzten und den Angehörigen der zahlreichen Opfer."

Die Bundeswehr wertete den jüngsten Taliban-Angriff aber auch als Beleg für die Schlagkraft der afghanischen Armee. "Letztendlich haben die afghanischen Sicherheitskräfte auch diese Situation in den Griff bekommen", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. "Das zeigt auch, dass wir weitermachen müssen mit unserem Trainingsauftrag." Die Bundeswehr hat keinen Kampfauftrag mehr in Afghanistan, sie berät und trainiert die Sicherheitskräfte nur noch.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich rapide verschlechtert, seit die Nato ihren Kampfeinsatz Ende 2014 offiziell beendet und die meisten Truppen abgezogen hat. Der Kampfeinsatz wurde von einem Ausbildungseinsatz abgelöst.

Quelle: n-tv.de