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Zwei Anschläge aus Rache an USA? Taliban töten fast 50 Menschen

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Ärzte in einem Krankenhaus in Kabul kümmern sich um Verletzte: Nur eine Stunde nach einem Anschlag auf eine Veranstaltung des afghanischen Präsidenten explodiert ein Sprengsatz im Zentrum Kabul.

(Foto: REUTERS)

Zwei Selbstmordanschläge im Abstand von nur einer Stunde erschüttern Afghanistan mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Fast 50 Menschen, auch Frauen und Kinder, sterben. Die Taliban bekennen sich zu beiden Attentaten. Zuvor hatten die USA die Friedensgespräche mit den Islamisten abgebrochen.

Afghanistan wird von einer blutigen Anschlagserie heimgesucht. Bei einem Selbstmordanschlag der radikalislamischen Taliban in der Hauptstadt Kabul sind mindestens 22 Menschen getötet worden. 38 weitere Menschen erlitten bei dem Anschlag nahe der US-Botschaft Verletzungen, teilte das Innenministerium mit. Unter den Toten sind Frauen und Kinder sowie sechs Soldaten. Die Explosion ereignete sich im Zentrum Kabuls unweit des Massud-Platzes. In der unmittelbaren Umgebung befinden sich das Hauptquartier der Nato-Mission "Resolute Support", eine Einrichtung des Verteidigungsministeriums sowie der Oberste Gerichtshof.

Eine Stunde zuvor starben bei einem Selbstmordanschlag in der zentralafghanischen Provinz Parwan mindestens 26 Menschen. Das Attentat geschah während einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Aschraf Ghani. 42 Menschen wurden verletzt, teilte Krankenhausdirektor Abdul Kasim Sangin mit. Auch in Parwan waren Frauen und Kinder unter den Opfern.

Der Attentäter in Parwan hatte auf einem Motorrad gesessen und seinen Sprengsatz am ersten Kontrollposten vor dem Ort der Wahlkampfveranstaltung gezündet, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Präsident Ghani selbst, der gerade sprach, als sich die Explosion ereignete, blieb Angaben von Behördenvertretern zufolge unverletzt. Zu beiden Anschlägen bekannten sich die radikalislamischen Taliban.

Trump: Friedensverhandlungen mit Taliban sind "tot"

In Afghanistan finden am 28. September Präsidentschaftswahlen statt. Sie waren mehrfach verschoben worden - nach Angaben der Wahlkommission wegen "vieler Probleme und Herausforderungen". US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen die kurz vor dem Abschluss stehenden Friedensverhandlungen mit den Taliban für "tot" erklärt. Anlass war ein Anschlag in Kabul, bei dem auch ein US-Soldat getötet worden war.

Der US-Gesandte für die Friedensgespräche mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, hatte neun Gesprächsrunden mit den Taliban in Doha abgehalten. Dabei hatte er eine Grundsatzeinigung erzielt, wonach die USA ihre Truppen aus Afghanistan abziehen und die Taliban mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida brechen sollten. Ein Sprecher der Fundamentalisten hatte daraufhin gesagt, die USA würden den Gesprächsstopp "bald bereuen".

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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