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Waffenruhe wird nicht verlängert Taliban wollen "vollständigen Sieg"

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Aufgrund der Feuerpause können diese Taliban-Kämpfer unbehelligt auf Motorrädern durch Kabul fahren.

(Foto: REUTERS)

Erstmals seit vielen Jahren gilt in Afghanistan eine Waffenruhe zwischen Regierung und den Taliban. Doch obwohl "alle den Krieg satt haben", lehnt die radikalislamische Gruppe eine längere Feuerpause ab. Angeblich fürchtet sie, ein falsches Signal zu senden.

Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan lehnen eine Verlängerung der historischen Feuerpause ab: Die Waffenruhe werde wie geplant am Sonntagabend enden, teilte ein Taliban-Sprecher mit. Präsident Aschraf Ghani hatte vorher angekündigt, dass die Regierungstruppen die einwöchige Feuerpause verlängern würden und die Taliban ebenfalls dazu aufgefordert. Unterdessen wurden bei zwei Selbstmordanschlägen im Osten des Landes nach Behördenangaben rund 50 Menschen getötet.

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"Wir haben nicht die Absicht, die Feuerpause zu verlängern", sagte der Taliban-Sprecher Sabihulla Mudschahid der Nachrichtenagentur AFP über Whatsapp. Die Taliban würden ihre "Einsätze" daher ab dem Sonntagabend fortsetzen.

Die Feuerpause der afghanischen Regierung gilt seit Dienstag. Die Taliban hatten ihrerseits ihre Kämpfer aufgefordert, während der ersten drei Tage des Zuckerfestes zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan keine Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte zu verüben. Es war das erste Mal in dem seit 2001 andauernden Konflikt, dass die Taliban eine Feuerpause ausriefen.

"Alle haben den Krieg satt"

Mit dem Beginn der Feuerpause am Dienstag und des Zuckerfestes am Freitag war es überall in Afghanistan zu ungewöhnlichen Szenen gekommen. Afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten umarmten Taliban-Kämpfer aus Freude über die Waffenruhe, beglückwünschten einander zum Zuckerfest und posierten gemeinsam für Fotos.

Ein Taliban-Befehlshaber erklärte, dass "alle den Krieg satt haben, und wenn unsere Anführer es anordnen, werden wir die Waffenruhe für immer einhalten." Andere Befehlshaber der Radikalislamisten drückten dagegen ihren Unmut darüber aus, dass Taliban-Kämpfer von der Regierung kontrollierte Gebiete besuchten und mit Sicherheitskräften feierten.

Präsident Aschraf Ghani hatte die Sicherheitskräfte in einer Fernsehansprache angewiesen, "auf ihren Verteidigungspositionen zu bleiben". Wie lange die Feuerpause auf Seiten der Regierungstruppen andauern soll, ist noch unklar.

Taliban fürchten Gespräche

International hatte die Aussicht auf eine länger anhaltende Waffenruhe vorsichtige Hoffnungen geschürt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte Ghanis angekündigte Verlängerung der Waffenruhe auf Twitter als "einzigartige Chance" für die Taliban bezeichnet.

Ein westlicher Diplomat in Kabul warnte jedoch, eine längere Waffenruhe würde Gesprächsbereitschaft der Taliban signalisieren. Daran seien die Kämpfer aber "nicht interessiert". "Sie wollen einen vollständigen Sieg", erklärte der Diplomat, der anonym bleiben wollte.

IS bekennt sich zu Anschlag

Die jüngsten Anschläge ereigneten sich am Samstag und Sonntag in der östlichen Provinz Nangarhar. Am Sonntag wurden bei einer Explosion vor dem Büro des Provinz-Gouverneurs in Dschalalabad laut afghanischen Sicherheitskreisen mindestens zehn Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Ein Sprecher des Gouverneurs gab die Zahl der Todesopfer mit mindestens 18 an, 49 weitere Menschen seien verletzt worden.

Am Samstag hatte sich ein Attentäter im Bezirk Rodat nahe Dschalalabad in die Luft gesprengt - inmitten einer Feier der eigentlich verfeindeten Regierungsarmee, Taliban-Kämpfern sowie Zivilisten. Die Zahl der Opfer stieg inzwischen auf mindestens 36 Tote und 65 Verletzte, wie Nadschibulla Kamawal, der Chef der Gesundheitsbehörde der Provinz, sagte. Der afghanische Ableger der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat sich zu der Tat bekannt.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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