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Ludmilla Sawtschuk hat in einer russischen Troll-Fabrik gearbeitet und ihren früheren Arbeitgeber verklagt.
Ludmilla Sawtschuk hat in einer russischen Troll-Fabrik gearbeitet und ihren früheren Arbeitgeber verklagt.(Foto: AP)
Dienstag, 18. August 2015

Schadenersatzklage erfolgreich: Trollfabrik-Aussteigerin erhält einen Rubel

In Russland beschäftigen Internetagenturen bezahlte Trolle, die kremlfreundliche Propaganda verbreiten. Eine Aussteigerin verklagt ihre Agentur wegen einer Formalität. Obwohl sie nun einen Rubel bekommt, sieht sie ihr Ziel erreicht.

Eine Russin, die mehrere Monate in einer sogenannten Trollfabrik gearbeitet hat, hat von einem Gericht Schadenersatz zugesprochen bekommen. Ludmilla Sawtschuk hatte ihren früheren Arbeitgeber wegen ausstehenden Lohns und fehlendem Arbeitsvertrag verklagt. Das Gericht bestimmte als Entschädigung die symbolische Summe von einem Rubel.

Für die Journalistin, die nach eigenen Angaben in der St. Petersburger Internetagentur arbeitete, um die Machenschaften dort aufzudecken, ist das Urteil ein Erfolg, wie sie dem britischen "Guardian" sagte. "Ich habe mein Ziel erreicht, die Internet-Trolle aus dem Schatten zu holen."

Gutes Gehalt zieht junge Leute an

In den vergangenen Monaten hatte die 34-Jährige mehreren Medien Interviews gegeben und von den Arbeitsbedingungen in der "Agentur für Internetstudien" berichtet. Nach eigenen Angaben hatte sie nur dort angeheuert, um Enthüllungsgeschichten schreiben zu können. Auch andere Aussteiger packten über die obskure Firma aus, die einem Unternehmer gehören soll, der mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin befreundet ist.

Demnach arbeiteten vor allem junge Leute und Studenten für einen Lohn von umgerechnet etwa 800 Euro monatlich daran, Leserforen von Medien in aller Welt mit prorussischer Propaganda vollzuschreiben. Es habe klare Aufträge gegeben, zu welchem Thema und mit welchen Vokabeln am jeweiligen Tag gearbeitet werden solle.

Die angeheuerten Trolle litten unter extrem strengen Arbeitsbedingungen, wo Pausen kaum möglich waren und eine Minute Verspätung mit Geldstrafe geahndet wurde. Das Pensum betrug den Insidern zufolge 130 Kommentare mit jeweils rund 200 Zeichen.

Die russische Regierung behauptet, mit den Troll-Fabriken nichts zu tun zu haben. Im Mai sagte Ludmilla Sawtschuk "Spiegel Online", sie habe ihre Arbeitsanweisungen über ein internes Betriebsnetzwerk erhalten. Die Klage vor Gericht wurde nur möglich, weil Sawtschuk gegen den fehlenden Vertrag klagte.

Quelle: n-tv.de

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