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"GRATULIEREN SIE IHM NICHT" Trump beglückwünscht Putin trotz allem

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Was hat er wieder angestellt? Trump gratuliert Putin.

(Foto: imago)

Das Verhältnis des US-Präsidenten zu seinem russischen Amtskollegen macht in den USA mal wieder Schlagzeilen. Bei einem Telefongespräch soll Trump einen Hinweis ignoriert haben, Putin nicht zur gewonnenen Wahl zu gratulieren. Aber warum?

Donald Trump und Wladimir Putin - stecken sie unter einer Decke? Diese Frage beschäftigt seit mittlerweile fast zwei Jahren die amerikanische Öffentlichkeit. Es gibt entsprechende Verdachtsmomente, die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland sich zumindest in den Wahlkampf ums Weiße Haus einmischte. Ob da mehr war? Darum ranken sich Gerüchte und Spekulationen. Die bekommen nun ein wenig neue Nahrung.

Es geht um ein Telefongespräch, das der US-Präsident mit seinem russischen Amtskollegen nach dessen gewonnener Wiederwahl führte. Darüber berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus. Vorher sollen seine Mitarbeiter ihm einen Sprechzettel auf den Schreibtisch gelegt haben, darauf der klare Hinweis: "GRATULIEREN SIE IHM NICHT". Und was tat Trump? Er gratulierte. Nicht nur das, er ersparte dem Russen auch eine Verurteilung des Giftanschlags auf den einstigen Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien. Und anschließend sprach Trump auch noch von einem "sehr guten Anruf".

Die Trump-Kritiker wundern sich nun wieder über dessen Ergebenheit dem russischen Präsidenten gegenüber. Zumal in offiziellen Statements aus dem Weißen Haus ebenjener Giftanschlag verurteilt worden war und sich die Trump-Administration damit an die Seite des Verbündeten Großbritannien gestellt hatte. So wie es auch Frankreich und Deutschland getan hatten.

Auch Merkel und Macron gratulierten

Die beiden Länder führte dann auch Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders an, um ihren Chef gegen scharfe Kritik, auch aus den Reihen der Republikaner, zu verteidigen. Schließlich hätten Angela Merkel und Emmanuel Macron Putin ebenfalls zu seiner gewonnenen Wahl gratuliert, ebenso habe es Obama bei der vergangenen Wahl gehandhabt. Wobei Merkel zunächst über ihren Sprecher ausrichten ließ, sie nehme die Wahl zur Kenntnis und lediglich ein Glückwunschtelegramm angekündigt hatte.

Sanders versuchte damit offenbar, vom Thema abzulenken - denn tatsächlich ist es zwar üblich unter Regierungschefs, sich gegenseitig zu gratulieren, egal wie spannungsreich die Beziehungen ihrer Länder sein mögen. Doch das war nicht der Punkt. Dass Trump gratulierte, obwohl seine Gesprächsnotizen und damit seine Mitarbeiter ihn zum Gegenteil aufforderten, machte nicht nur seine Gegner stutzig. Dazu sagte Huckabee Sanders nichts.

Doch zu einem allzu großen Aufreger taugt die Meldung wohl auch nicht. Die "Washington Post" beruft sich auf zwei Personen, die die fragliche Notiz gesehen haben. Möglich sei aber auch, so heißt es im Bericht, dass Trump sie gar nicht gelesen hat - schließlich ist der Präsident nicht dafür bekannt, großen Wert auf schriftliche Informationen zu legen. Aus einer dritten Quelle erfuhr die Zeitung, dass Sicherheitsberater H. R. McMaster die Gratulationsfrage in einem telefonischen Briefing mit Trump nicht erwähnte.

Großbritannien dürfte enttäuscht sein

Was Trump nun geritten hat, weiß er wohl nur selbst. Wollte er, der Putin-Bewunderer, sein Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen? Hofft er, der Russland-Freund, noch immer auf gute Beziehungen zum Kreml? Oder, das wäre dann die Verschwörungstheorie, gratulierte er ihm, weil Putin ihn in der Hand hat? Wie gesagt, Beweise fehlen bislang.

Klarer ist allerdings, was für Folgen Trumps Gratulation in der aktuellen Situation hat. Er brüskiert seinen treuesten Verbündeten Großbritannien. Für Premierministerin Theresa May ist die plötzlich hereingebrochene Krise mit Russland eine gewaltige Herausforderung, eine bei der sie Rückendeckung aus Washington erwarten darf. Die kam zwar schriftlich, doch wenn Trump im direkten Gespräch mit Putin keine klaren Worte findet, wirken offizielle Verlautbarungen nur noch hohl. So dürfte die Enttäuschung in Europa noch ein bisschen größer geworden sein. In Moskau eher nicht.

Quelle: n-tv.de, vpe

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