US-Wahl

Die Kasino-Millionen des Sheldon Adelson Gingrichs größter Fan

Ohne sein Geld wäre Gingrich vielleicht schon am Ende: Sheldon Adelson. Gerade erst hat der Milliardär zum zweiten Mal viel Geld in die Kampagne Gingrichs gepumpt. Beide Männer eint ein kompromissloser Pro-Israel-Kurs. In Florida bringt das Gingrich Vorteile – im Rest des Landes aber nicht unbedingt.

Sheldon Adelson ist Gingrichs wichtigster Spender.

Sheldon Adelson ist Gingrichs wichtigster Spender.

(Foto: REUTERS)

Nun ist klar, wovon Newt Gingrich träumt: vom Mond. Dort will der Republikaner bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit als Präsident im Jahre 2020 eine US-amerikanische Basis errichten – so er denn gewählt wird, woran Gingrich bei seiner Weltraum-Rede in Florida keinen Zweifel ließ. Wie er das bezahlen will, sagte Gingrich nicht, stattdessen machte er nur vage Andeutungen über den "privaten Sektor". Dabei könnte sich einer seiner Unterstützer den Mond-Trip schon jetzt leisten: Sheldon Adelson.

Ohne den Milliardär, der sein Geld mit Kasinos in Las Vegas gemacht hat, wäre Gingrich vielleicht gar nicht mehr im Rennen. Kurz nach der Vorwahl in Iowa lag seine Kampagne am Boden, erdrückt vom Gewicht negativer Wahlkampfwerbung aus dem Romney-Lager. Doch dann kam Adelson: Mit fünf Millionen Dollar half er dem Super-PAC "Winning our Future", der wiederum Gingrich unterstützt. Das Geld durfte nicht direkt an Gingrich gehen, denn die Millionen waren weit mehr, als Adelson legal hätte spenden dürfen. Die Geld-Infusion für den Super-PAC, der hingegen offiziell unabhängig ist, machte pro-Gingrich-Werbung in New Hampshire und South Carolina – und negative Werbung gegen Romney.

Heute ist der ehemalige Sprecher des US-Repräsentantenhauses wieder ernsthafter Herausforderer von Spitzenreiter Mitt Romney – und abhängig von Adelsons Millionen.

Bereits zehn Millionen gespendet

Anfang der Woche spendete der Milliardär erneut fünf Millionen Dollar. Offenbar glaubt Adelson an Gingrichs Chancen im Wahlkampf, nachdem dieser klar in South Carolina gesiegt hat. "So lange Newt im Rennen ist, unterstützen wir ihn", zitierte die Tageszeitung "New York Times" einen Vertrauten von Adelson. Doch wer ist der mysteriöse Mann hinter dem Gingrich-Boom?

Adelson und Gingrich verbindet eine jahrelange Freundschaft. Die beiden kamen erstmals in den 90er-Jahren während eines Gewerkschaftsstreits in Nevada zusammen. Damals wechselte Adelson vom demokratischen ins republikanische Lager. Der 78-Jährige ist heute der Besitzer des berühmten Kasino-Hotels "The Venetian" in Las Vegas, das er auf die Ruinen des 1996 gesprengten Kasinos "Sands" baute - der Ort, wo einst Frank Sinatra auftrat, Elvis Presley erstmals den Song "Hound Dog" hörte und 1960 der erste "Ocean's Eleven"-Film gedreht wurde. Mit geschätzten 21 Milliarden Dollar ist Adelson laut "Forbes Magazine" die Nummer acht der reichsten US-Amerikaner – ein Platz hinter George Soros, dem finanzkräftigsten Unterstützer der Demokraten. Das meiste Geld macht Adelson heute in Asien, vor allem in Singapur, wo er mehrere Hotels und Kasinos besitzt.

Beispiel des "American Dream"

Kassensturz der Kandidaten

Mitt Romney
Einnahmen: 32,2 Millionen
Ausgaben: 17,6 Millionen
In der Kasse: 14,7 Millionen

Newt Gingrich
Einnahmen: 2,9 Millionen
Ausgaben: 2,5 Millionen
In der Kasse: 353.000

Rick Santorum
Einnahmen: 1,3 Millionen
Ausgaben: 1,1 Millionen
In der Kasse: 190.000

Ron Paul
Einnahmen: 12,6 Millionen
Ausgaben: 8,9 Millionen
In der Kasse: 3,7 Millionen
---
Barack Obama
Einnahmen: 86,2 Millionen
Ausgaben: 27,1 Millionen
In der Kasse: 61,4 Millionen

Stand: Oktober 2010, Alle Angaben gerundet und in Dollar
Quelle: Open Secrets (unabhängiges Forschungsinstitut für Geldströme in der US-Politik)

Der Sohn osteuropäischer Juden wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Boston auf. Die Universität in New York besuchte er nur kurz und ging ab ohne Abschluss. Stattdessen wurde er zum "self made man" und lebte den Amerikanischen Traum: vom Verkäufer für Toilettenartikel zum Multimilliardär. Er gründete Amerikas wichtigste Computer Messe der 80er und 90 er Jahre, die COMDEX. Danach ging er nach Las Vegas und nahm die Stadt im Sturm. Heute ist Adelson einer der wichtigsten Männer im US-Spielerparadies.

Adelsons Wort hat jedoch nicht nur in den USA Einfluss, er hat auch in Israel ein Wörtchen mitzureden. Als glühender Unterstützer des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu lehnt er die Zwei-Staaten-Lösung ab. Er gilt als Falke in der Nahost-Politik und vertritt einen harten Kurs gegenüber den Palästinensern, deren Wunsch nach Unabhängigkeit Adelson ablehnt. Laut einem Bericht des seriösen Magazins "New Yorker" gehörte Adelson einst zu den größten Spendern der jüdischen Lobbygruppe "AIPAC", die unter anderem Reisen von Kongressabgeordneten nach Israel zahlt. Reden vor der AIPAC gelten selbst für US-Präsidenten zum Pflichtprogramm. Allerdings soll sich das Verhältnis von Adelson und AIPAC abgekühlt haben, nachdem die Gruppe 2007 mehr Wirtschaftshilfe für die Palästinenser gefordert hatte.

Beide Männer verbindet eine deutlich pro-israelische Einstellung in Sachen Naher Osten. Gingrich hatte im Wahlkampf für Aufsehen gesorgt, als er im Dezember 2011 die Palästinenser als "erfundenes Volk" bezeichnete. Wenige Wochen später schrieb Adelson seinen ersten Scheck. Eine israelische Tageszeitung, die Adelson besitzt, druckte auch schon mal ganzseitige Werbung mit Gingrich als Freund Israels und Feind des Irans.

In Florida, wo Ende Januar die nächste Vorwahl stattfindet, dürfte Gingrich gleich doppelt von Adelsons Unterstützung profitieren. Im Bundesstaat an der US-amerikanischen Ostküste leben viele Juden, deren Stimmen Gingrich mit seiner harten Haltung gegenüber den Palästinensern leichter gewinnen wird als der eher moderate Mitt Romney.

Millionenspende als Hypothek

Allerdings könnte Adelson auch zu Gingrichs Problem werden. Mit seinen Spenden an den schattenhaften Super-PAC "Winning our Future", der unter anderem den kontroversen Anti-Romney-Film "King of Bain" veröffentlichte, steht Adelson für eines der großen Probleme des Wahlkampfes 2012: Unbegrenzte Zahlungen von Großspendern, die den demokratischen Prozess zu ihren Gunsten regelrecht aufkaufen. Verantwortlich dafür ist die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im Fall "Citizens United". Danach waren anonymen Spendern wie Adelson Tür und Tor geöffnet: Sie können Millionen in den Wahlkampf pumpen, ohne wirklich darüber Auskunft geben zu müssen.

Außerdem wird sich Gingrich in der Israel-Frage als Hardliner profilieren müssen, um weiter in den Genuss von Adelsons Millionen zu kommen. Das jedoch legt ihn in der Diskussion über den Friedensprozess fest – vielleicht ein Nachteil bei Wechselwählern, die eher ein baldiges Ende des Nahost-Konfliktes herbei sehnen.

Gingrich ist von Adelson noch abhängiger als es Obama, Romney oder Santorum von ihren Großspendern sind. Das macht ihn auch angreifbar.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.