US-Wahl

Der Kampf um schwarze US-Wähler Holt Biden die restlichen 5 Prozent?

Vizepräsident Biden erweist sich als fähige zweite Hand Obamas.

Vizepräsident Biden erweist sich als fähige zweite Hand Obamas.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stimmen der meisten Afro-Amerikaner sind US-Präsident Obama bereits sicher, trotzdem tritt sein Rivale Romney nun bei der ältesten Bürgerrechtsbewegung des Landes auf. Obama reist selbst nicht, sondern schickt seinen Vize Biden. Und der begeistert vor allem mit einem Thema: mit dem Kampf ums Wahlrecht.

Den einen empfangen sie mit coolen Discobeats von "Earth, Wind and Fire", der andere bekommt Orgelmusik wie bei einer Beerdigung. Der eine wird ausgebuht, weil er nicht noch viel länger reden will. Der andere wird ausgebuht, weil er das Falsche sagt. Vizepräsident Joe Biden und Präsidentschaftskandidat Mitt Romney haben in dieser Woche vor der Bürgerrechtsbewegung NAACP um die Stimmen der Afro-Amerikaner geworben. Nach den Reaktionen zu urteilen, steht deren Entscheidung allerdings schon fest.

95 Prozent aller schwarzen Wähler stimmten 2008 für Barack Obama. Ähnlich deutlich wird es wohl auch 2012 aussehen, obwohl die einflussreiche NAACP durchaus Grund hätte, sauer zu sein. Denn Obama schickte nämlich dieses Mal nur eine Videobotschaft, statt selber aufzutauchen. Stattdessen erklomm seine Nummer Zwei das Podium - und zeigte schnell, warum er manchmal sogar der bessere Obama ist.

Biden gibt den Obama-Prediger

Wie ein lange verschollenes Familienmitglied wurde der weißhaarige Mann aus Delaware empfangen. Biden bedankte sich für alles, was er einst als junger Anwalt von der Bürgerrechtsbewegung gelernt habe. "Erinnerst du dich noch, Mouse", fragte Biden einen Aktivisten, während er in Erinnerungen an gemeinsame Sit-ins schwelgte. Der 69-Jährige kam so gut an, dass der Applaus eher verhalten ausfiel, als er Barack Obamas Name erstmals nannte.

Doch natürlich war er für den Präsidenten dort. Im Tonfall eines Baptistenpredigers arbeitet sich Biden durch die Erfolge von dessen erster Amtszeit: die Rettung der Autoindustrie, die Tötung bin Ladens, die Verabschiedung der Gesundheitsreform. Bei den sensiblen Themen flüstert er betroffen, bei den Wahlkampfslogans brüllt er kämpferisch. Er hat nicht die wortgewaltige Rhetorik Obamas, aber er wirkt emotionaler.

Angst um Wahlrecht von Minoritäten

Biden spricht vor der NAACP.

Biden spricht vor der NAACP.

(Foto: REUTERS)

Biden will vor allem die Geschichte eines Präsidenten unter Beschuss erzählen. Alles, was er erreicht hat, habe er sich hart erkämpfen müssen, sagt Biden. "Nie haben die Republikaner geholfen", sagt Biden, und dann beweist der langjährige Senator, dass er sich Abstimmungsergebnis noch immer gut merken kann.

Doch kein Thema kommt so gut an wie der Kampf um das Wahlrecht von Minoritäten. In 17 Bundesstaaten wurden zuletzt strengere Regeln für die Wähleridentifikation erlassen. Fünf davon, sind sogenannte "Swing States", in denen die Wahl entschieden wird.

Laut den neuen Regeln darf nur gegen Vorlage eines Ausweises mit Lichtbild abgestimmt werden. Ein Führerschein oder eine Waffenbesitzkarte sind in Ordnung, ein Studentenausweis nicht. Damit soll, so die Ansicht der Republikaner, Wahlbetrug eingedämmt werden. Zwischen 2000 und 2010 gab es davon 13 nachgewiesene Fälle, berichtet das liberale Magazin "Mother Jones". Die Zahl der UFO-Sichtungen im gleichen Zeitraum lag bei rund 47.000.

Abstimmung gegen Waffenschein

Das ABC der US-Wahlen

Abtreibung bis Caucus
Delegierte bis F-Wort
Gesundheitsreform bis Iowa
Luftkrieg bis Obama
President-elect bis Swing States
Tea Party bis Zukunft

Bürgerrechtler und Demokraten halten die Maßnahmen gegen Wahlbetrug für versteckten Rassismus. Denn vor allem Minoritäten wie Latinos und Schwarze besitzen oft die nötigen Ausweisdokumente nicht. Sie glauben, das vor allem ihre Stammwähler vom Urnengang abgeschreckt werden sollen: Neben Schwarzen und Latinos auch junge US-Amerikaner. Der republikanische Mehrheitsführer im Parlament von Pennsylvania ließ sich sogar öffentlich für die strengeren Wahlgesetze in seinem Bundesstaat feiern: Sie würden "sicherstellen, dass Romney "Pennsylvania gewinnt".

Laut einer Studie des New Yorker Brennan Center haben bis zu 11 Prozent aller wahlberechtigten US-Bürger nicht die entsprechenden Ausweisdokumente. Das sind bis zu 5 Millionen Stimmen. Obamas Generalstaatsanwalt Eric Holder verglich die neuen Regeln auch deswegen mit der "Urnen-Steuer", wie sie die Südstaaten nach dem Bürgerkrieg einführten, um Afro-Amerikanern die Stimmabgabe zu erschweren. Gegen mehrere Staaten wurden inzwischen Gerichtsverfahren eingeleitet.

Es ist ein Thema, das viele Afro-Amerikaner wütend macht - und so erwähnte es Romney in seiner NAACP-Rede mit keinem Wort. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Verbesserung des Bildungssektors und die Ankurbelung der Wirtschaft.

Buhrufe für Romney

Dafür gab es freundlichen Applaus, es schien ganz ordentlich zu laufen für Romney. Doch an Obamas Gesundheitsreform kam er nicht vorbei. Die wolle er zusammen mit allen anderen "nicht essenziellen Programmen" abschaffen. Die folgenden Buhrufe waren so laut und anhaltend, dass sie den sonst so kontrollierten Kandidaten sogar kurz aus dem Konzept brachten. "Wenn ihr einen Präsidenten sucht, der die Situation der afro-amerikanischen Gemeinde verbessert", konterte Romney, "er steht vor euch."

Es war nicht die wichtigste Rede, die der Ex-Gouverneur von Massachusetts in diesem Wahlkampf halten musste, die schwarzen US-Wähler werden ihm kaum in Scharen zulaufen. Was er bei der NAACP an Vertrauen aufbauen konnte, riss er später am selben Tag bei einer Spendenveranstaltung der Republikaner in Montana wieder ein. Auf die Buhrufe angesprochen resümierte Romney trotzig: "Wenn sie mehr kostenlose Sachen von der Regierung wollen, sollen sie halt für den anderen Typen stimmen."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema