US-Wahl

Kritik und Häme nach TV-Debatte Romney sagt "Wetten, dass...?"

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Romney weiß, dass es eng wird für seine Kandidatur.

(Foto: REUTERS)

Hat Mitt Romney seine Chancen auf das Weiße Haus regelrecht verzockt? Mit einer 10.000-Dollar-Wette bei der letzten TV-Debatte wollte er den Rivalen Rick Perry zum Schweigen bringen – und stärkt dabei nur sein Image als elitärer Millionär. Die Demokraten jubeln, Romneys parteiinterne Kritiker haben nun noch mehr Argumente gegen den unbeliebten Mormonen.

Irgendwann platzt auch dem freundlichsten Mormonen der Kragen. Bei Mitt Romney ist es am Samstag soweit. Bei einer der unzähligen republikanischen TV-Debatten am Wochenende erinnert ihn Rick Perry mal wieder an seine vermeintlich größte politische Schwäche. Als Gouverneur von Massachusetts hatte Romney eine verpflichtende Gesundheitsversicherung eingeführt, die später Barack Obama als Vorbild diente. Heute will Romney nichts mehr davon wissen. Doch mit einem süffisanten Zahnpastalächeln im Gesicht erinnert ihn Perry daran: "Ich weiß, in der zweiten Auflage deines Buches steht das nicht mehr drin, aber ich sag' ja nur, du warst mal für die Versicherung, mein Freund." Gelächter bricht aus im Studio - und Romney verliert die Nerven. Sichtlich nervös streckt er Perry die Hand entgegen und wettet "10.000 Dollar",  dass das nicht wahr sei. Perry aber lächelt nur zurück und erklärt mit texanischer Gelassenheit: "Ich mach' mir nix aus Glücksspiel."

Nur wenige Sekunden dauert der Schlagabtausch, doch er könnte Mitt Romney die Nominierung seiner Partei für die Präsidentschaftswahl kosten. Denn was der wohlhabende Geschäftsmann und Multimillionär da von sich gab, ist nicht weniger als eine Steilvorlage für seine Gegner. "Ich würde mal vermuten, 10.000 Dollar sind nur Taschengeld für Mitt Romney", sagt Perry am Tag darauf. Eine klare Anspielung auf Romneys Reichtum, den er als Wirtschaftsberater und Investor aufgebaut hat. Wer mal eben einen fünfstelligen Betrag auf den Tisch legt, um seine gekränkte Ehre zu verteidigen, habe keine Ahnung vom Leben normaler Bürger, so die Botschaft Perrys.

Millionärs-Jargon im Staat der Farmer

Dass die Debatte ausgerechnet im eher landwirtschaftlichen Bundesstaat Iowa stattfand, wo die Kandidaten nur zu gern über die Sorgen des Mittelstandes sprechen, macht den Fehler doppelt bitter für Romney. "Ich bin sicher, dass hier niemand auch nur glaubt, dass eine 10.000-Dollar-Wette überhaupt möglich ist", sagte Perry. Und auch Kandidat Jon Huntsman, der wegen schlechter Umfragewerte gar nicht erst zur Debatte eingeladen war, schlug in dieselbe Kerbe. Romney habe "die Bodenhaftung verloren", so Huntsman.

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Mitt Romney liegt in den Umfragen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner nur noch auf Platz drei.

(Foto: REUTERS)

Die Demokraten stürzten sich umgehend auf Romneys Ausrutscher. Und dem Hashtag #What10kbuys twittern sie seit dem Wochenende über Dinge, die man sich mit 10.000 Dollar kaufen kann, von Studiengebühren an einer staatlichen Universität bis hin zu Lebensmitteln für eine Familie auf Sozialhilfe. "Diesen Spruch wird er nicht mehr los", jubelte Woodhouse, "nichts von dem, was er sonst in der Debatte gesagt hat, zählt."

Romney verteidigt sich mit Anekdoten

Auch Romneys Ehefrau Ann war über den verbalen Ausrutscher ihres Mannes nicht besonders begeistert. "Vieles, was du tust, ist gut", habe sie ihm nach der Debatte gesagt, so Romney. "Aber Glücksspiel gehört nicht dazu." Romneys Kampagne versucht nun, dem Bild vom verwöhnten Schnösel mit dicker Brieftasche etwas entgegenzusetzen und schickten ihn mit Anekdoten aus seiner Jugend zur medialen Schadensbegrenzung. Als 19-jähriger Mormonenmissionar im Frankreich der 60er Jahre habe er mit gerade einmal 110 Dollar im Monat auskommen müssen. "Einige meiner Wohnungen hatten nicht mal eine Toilette", so Romney am Sonntag. Damals habe er zu schätzen gelernt, als US-Amerikaner geboren worden zu sein.

Ob diese Botschaft bei Wählern ankommt, ist fraglich. In den krisengeschüttelten USA, mit stagnierenden Löhnen und hoher Arbeitslosigkeit, dürfte eine Jugend in Frankreich kaum als Strafe angesehen werden. Romneys Umfragewerte sind seit Wochen rückläufig. In den Prognosen für die erste Vorwahl am 3. Januar liegt er inzwischen abgeschlagen auf dem dritten Platz. Bei konservativen Republikanern ist Romney ohnehin nicht erste Wahl: Sie werfen ihm vor, bei wichtigen politischen Entscheidungen seine Meinung eher dem Wählerwillen als der republikanischen Ideologie anzupassen. Einen Namen dafür haben sie ihm auch schon gegeben: "Flip-Flopper".

Quelle: ntv.de

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