Politik

Angriff auf Iran durchgespielt USA: Können Krieg wirkungsvoller

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Leon Panetta macht unumwunden klar, was er von einem möglichen Angriff Israels auf Iran hält.

(Foto: AP)

Die USA wollen offenbar einen schnellen Angriff Israels auf Iran verhindern. Nach einem bereits bekannt gewordenen Tauschgeschäft "Waffen gegen Frieden" stellt Pentagon-Chef Panetta jetzt klar, dass ein Angriff der US-Armee auf Iran ohnehin viel folgenschwerer wäre als eine Attacke Israels auf das Land.

Ein Militärschlag der USA gegen den Iran hätte nach Einschätzung von Pentagonchef Leon Panetta weit zerstörerischere Folgen als ein Angriff Israels auf die Atomanlagen des Landes. Sollten sich die Israelis zu einem Angriff entscheiden, werde das "zweifellos Auswirkungen haben", sagte der US-Verteidigungsminister dem "National Journal". Diese wären aber um ein Vielfaches verheerender, wenn die USA angriffen.

Israel und die USA sind sich uneins darüber, wie hoch die von dem iranischen Atomprogramm ausgehende konkrete Gefahr ist und wann ein militärisches Vorgehen gegen Teheran geboten ist. Tendenziell sieht die US-Regierung noch mehr Spielraum für eine diplomatische Lösung und das Wirken von Sanktionen als die israelische Regierung. Zugleich stellte US-Präsident Barack Obama aber wiederholt klar, dass ein Militärangriff als letzte Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei.

Waffendeal inoffiziell bestätigt

Nach Presseberichten sollen Unterhändler der USA und Israels beim Besuch von Regierungschef Benjamin Netanjahu Anfang der Woche in Washington ein neues Waffengeschäft ausgehandelt haben: Falls Israel auf einen Angriff auf Iran verzichte, würden die USA dem Land dafür hochmoderne bunkerbrechende Waffen im Tausch anbieten, schreibt die israelische Zeitung "Maariv". Durch diesen Deal würde ein Zeitfenster aufgestoßen, heißt es. Denn die bunkerbrechenden Raketen könnten auch dann eingesetzt, wenn der Iran seine Atomproduktionen - wie erwartet - unterirdisch weiterführen sollte. Ein schnelles Handeln wäre nicht vonnöten und die USA könnten ungestört ihre Präsidentenwahlen im November durchführen. Im US-Präsidialamt wurden solche Gespräche auf "unterer diplomatischer Ebene" nicht ausgeschlossen.

Ein Schlag gegen die iranischen Atomanlagen sei "keine Frage von Tagen oder Wochen, aber auch nicht von Jahren", stellte Netanjahu kurz nach der Rückkehr von seinem USA-Besuch klar.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte davor, dass Spekulationen über einen Militärangriff gegen das iranische Atomprogramm die EU-Sanktionspolitik untergraben. "Wir Europäer sind entschieden und entschlossen, dass wir eine nukleare Bewaffnung des Iran verhindern wollen", sagte Westerwelle am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Kopenhagen. Das Ziel sei jedoch eine friedliche Lösung des Atomstreits mit Hilfe der durch die von der EU beschlossenen Strafmaßnahmen. "Je mehr über militärische Szenarien öffentlich diskutiert wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch mehr andere Länder an dieser Sanktionspolitik beteiligen."

Ex-Mossad-Chef warnt vor übereilten Reaktionen

Der ehemalige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Meir Dagan, warnte indes vor einem übereilten Angriff auf die iranischen Atomanlagen. Solange nicht alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, sei dies "nicht der richtige Weg", sagte er dem US-Sender CBS. Er erklärte darin auch, er habe Vertrauen in Obama, der gesagt habe, er lasse nicht zu, dass der Iran sich zu einer Atommacht entwickle.

Der Westen verdächtigt Teheran, nach Atomwaffen zu streben, was die iranische Regierung zurückweist. Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. Netanjahu hatte am Montagabend in einer Rede vor der israelfreundlichen Lobbyorganisation AIPAC in Washington auf das Selbstverteidigungsrecht seines Landes gepocht.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, Yukiya Amano, ist derweil zuversichtlich, dass der Atomstreit mit dem Iran ohne Gewalt gelöst werden kann. "Ich bin gegen Gewaltanwendung. Und ich glaube an Dialog und Zusammenarbeit", sagte Amano. Man müsse mit klarem und kühlem Kopf weiter arbeiten. Bemühungen der IAEA, mit den iranischen Vertretern einen Modus zu finden, um die offenen Fragen zum Atomprogramm zu klären, waren zuletzt in Teheran gescheitert. Beim Treffen des Gouverneursrats der IAEA hatten die Weltmächte Teheran aufgefordert, den Forderungen der IAEA nachzukommen.

Quelle: ntv.de, rts/AFP/dpa

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