Politik

Im Falle von Nawalnys Tod USA drohen Moskau mit "Konsequenzen"

214302487.jpg

Die Sorge um ihn wächst: Alexej Nawalny.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Der Streit um Russlands Umgang mit Kreml-Kritiker Alexej Nawalny spitzt sich weiter zu. Nachdem Ärzte vor einem Herzstillstand bei dem sich im Hungerstreik befindenden 44-Jährigen gewarnt hatten, richten die USA nun deutliche Worte an Moskau. Auch die Bundesregierung schaltet sich ein.

Seit Ende März befindet sich der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny nun schon im Hungerstreik. Nach Angaben seiner Ärzte ist sein Zustand inzwischen kritisch. Das hat nun auch die USA auf den Plan gerufen.

So äußerte sich Jake Sullivan, nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, im Sender CNN. Im Falle von Nawalnys Tod seien verschiedene Maßnahmen denkbar, um darauf zu reagieren, erklärte er, ohne auf Details eingehen zu wollen. "Aber wir haben klargemacht, dass es Konsequenzen geben wird, wenn Nawalny stirbt", so Sullivan. Biden hatte sich bereits am Samstag besorgt zu den Berichten über Nawalny geäußert und die Bedingungen für den 44-Jährigen kritisiert.

Bundesregierung in "großer Sorge"

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas meldete sich zu Wort. Er forderte Russland auf, Nawalny sofort eine "adäquate medizinische Behandlung" zukommen zu lassen. "Wir verfolgen mit großer Sorge, dass sich die Gesundheit von Alexej Nawalny immer weiter verschlechtert", so Maas zur "Bild"-Zeitung. Nawalnys Recht auf medizinische Betreuung müsse "unverzüglich gewährt werden".

Diese Forderung sei bereits am Freitag dem russischen Botschafter übermittelt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Auswärtige Amt. Maas kündigte an, auch der am Montag in Brüssel tagende Rat der EU-Außenminister werde sich mit der Lage Nawalnys befassen.

Aufruf zu Protesten

Unterstützer des Kreml-Kritikers riefen unterdessen für Mittwochabend zu neuen Massenprotesten auf. "Es ist Zeit zu handeln", schreibt der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow auf Facebook. Es gehe nicht mehr nur um die Freiheit des Oppositionellen, sondern "um sein Leben".

Die Demonstrationen sollen am Mittwoch um 18 Uhr deutscher Zeit stattfinden. An diesem Tag will Präsident Wladimir Putin eine Rede zur Lage der Nation halten. Wolkow erklärt, es könne zu einer entscheidenden Auseinandersetzung gegen das "absolut Böse" kommen. Möglicherweise sei es eine der letzten Oppositions-Demonstrationen in den kommenden Jahren. "Denken Sie nicht, dass es auf uns nicht ankommt", heißt es in dem Aufruf weiter. Bei landesweiten Solidaritäts-Demonstrationen für Nawalny waren im Januar und Februar mehr als 11.000 Menschen festgenommen worden.

Dascha Nawalny, die Tochter des Oppositionellen, wandte sich ebenfalls in den sozialen Netzwerken an die Öffentlichkeit. "Meinem Vater muss ein Doktor erlaubt werden", schreibt sie auf Twitter.

"Jede Minute" zählt

Nawalnys Ärzte hatten zuletzt vor der Möglichkeit eines Herzstillstands bei dem Kreml-Kritiker gewarnt. Wegen besorgniserregender Kaliumwerte drohten dem 44-Jährigen "jede Minute" eine eingeschränkte Nierenfunktion sowie ernsthafte Herzrhythmusprobleme, erklärten sie. Nawalnys persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa und drei ihrer Kollegen, darunter ein Herz-Spezialist, verlangten daher sofortigen Zugang zu dem Inhaftierten.

Nawalny hatte bereits im vergangenen August einen Anschlag mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok auf seine Person überlebt. Er wurde nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Für den Anschlag macht Nawalny den Kreml und Putin persönlich verantwortlich. Russlands Regierung und Präsident weisen die Vorwürfe zurück.

Im Januar kehrte Nawalny nach Russland zurück. Direkt im Anschluss wurde er festgenommen und zur Haft in einem Straflager verurteilt.

Mit seinem Hungerstreik will Nawalny erreichen, dass ihm grundsätzlich eine angemessene medizinische Versorgung gewährt wird. Zuletzt klagte er über heftige Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen. Die Gefängnisbehörden behaupten, Nawalny sei eine angemessene Behandlung angeboten worden. Er habe diese aber nicht in Anspruch genommen, sondern stattdessen darauf bestanden, von einem externen Arzt seiner Wahl behandelt zu werden.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.