Politik

IS-Kalifat "extreme Bedrohung" USA erwägen Luftschläge in Syrien

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" ist aus Sicht der USA schlimmer als Al-Kaida und "jenseits von allem, was wir kennen". Verteidigungsminister Hagel schließt auch Angriffe in Syrien nicht aus. Doch ausführen wollen die USA das alles eigentlich nicht selbst.

Die US-Regierung hat eindringlich vor der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) gewarnt. Die radikalen Sunniten im Irak und in Syrien seien mehr als nur eine Terror-Organisation, sagte Verteidigungsminister Chuck Hagel vor Journalisten im Pentagon. Der IS verbinde seine Ideologie mit einer hoch entwickelten militärischen Schlagkraft und verfüge zudem über riesige Finanzmittel. "Das ist jenseits von allem, was wir kennen", sagte Hagel auf die Frage, ob der Islamische Staat so gefährlich sei wie die Al-Kaida.

Hagel bezeichnete den IS als extreme Bedrohung für die Vereinigten Staaten. Der Minister schloss nicht aus, auch Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien in Betracht zu ziehen. "Wir denken über alle Optionen nach", sagte er auf konkrete Nachfrage eines Reporters.

Generalstabschef Martin Dempsey wurde etwas deutlicher. Die Organisation könne nicht besiegt werden, ohne ihren Arm in Syrien ins Kalkül zu ziehen, erklärte Dempsey. Der Kampf müsse auf beiden Seiten der "quasi nicht existierenden Grenze" zwischen dem Irak und Syrien geführt werden. "Das wird passieren, wenn wir ein Bündnis in der Region haben, das die Aufgabe übernimmt, IS langfristig zu besiegen", sagte Dempsey mit Blick auf die internationale Gemeinschaft.

Sowohl der Generalstabschef als auch der Verteidigungminister betonten, dass die USA ihr Engagement im Irak und in Syrien begrenzen wollen. Luftangriffe seien nur ein kleiner Teil der notwendigen Maßnahmen, sagte Dempsey. Er wolle aber nicht ankündigen, dass nur die USA sie ausführen würden. Seit Beginn der Luftschläge am 8. August flogen die Amerikaner nach eigenen Angaben insgesamt 90 Angriffe. Hagel kündigte weitere Luftschläge gegen IS-Stellungen im Irak an. "Wir verfolgen eine langfristige Strategie." Auch er betonte, dass der Einsatz der USA klar eingegrenzt sei. Um die Extremisten vollständig zu besiegen, müsse der Irak seine innenpolitischen Probleme in den Griff bekommen, mahnte Hagel.

Zwei Dutzend Soldaten waren in Syrien

Am Donnerstag war indes bekanntgeworden, dass die USA bereits mindestens einen Militäreinsatz in Syrien durchgeführt haben. Sondereinheiten hatten im Frühsommer versucht, amerikanische Geiseln zu befreien. Unter ihnen war auch der Anfang dieser Woche durch Enthauptung ermordete Journalist James Foley. Die Miliz verlangte nach einem Bericht der "New York Times" 100 Millionen Euro Lösegeld für Foley. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf Vertreter der Familie des Toten sowie auf einen namentlich nicht genannten Mitgefangenen Foleys. Im Gegensatz zu europäischen Staaten lehnen es die USA kategorisch ab, Lösegelder zur Geiselbefreiung zu zahlen.

An der nächtlichen Kommandoaktion zur Befreiung der amerikanischen Geiseln in Syrien waren laut "New York Times" zwei Dutzend Soldaten der Spezialeinheit Delta Force beteiligt. Es war die erste von den USA bekanntgegebene Militäraktion in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkrieges vor mehr als drei Jahren. Ziel war eine Ölraffinerie im Norden Syriens, wo Foley und andere Geiseln vermutet wurden. Offenbar waren die Gefangenen aber kurz zuvor verlegt worden. Bei dem Befreiungsversuch kam es laut "New York Times" zu einem kurzen Feuergefecht, ein US-Soldat habe leichte Verletzungen erlitten. Regierungsbeamte gingen davon aus, dass eine nicht genannte Anzahl von Terroristen getötet wurde.

Quelle: ntv.de, nsc/rts/dpa