Politik

"Geste des guten Willens"? Russen ziehen sich von Schlangeninsel zurück

Seit Monaten ist die Schlangeninsel zwischen Ukrainern und Russen heftig umkämpft. Nun ziehen sich die russischen Truppen zurück - angeblich, um den Export von Getreide nicht zu behindern. Kiew frohlockt und lobt die eigenen Streitkräfte. Diese hätten einen "großartigen Job" gemacht.

Die russische Armee hat sich nach eigenen Angaben von der ukrainischen Schlangeninsel zurückgezogen. Die auf der Insel im Schwarzen Meer stationierten Soldaten seien als eine "Geste des guten Willens" abgezogen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Damit wolle Russland zeigen, dass es den Export von Getreide und landwirtschaftlichen Produkten aus der Ukraine nicht behindere, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau. Die russischen Streitkräfte hätten die ihnen zugewiesenen Aufgaben auf der Schlangeninsel abgeschlossen.

In Kiew bejubelte man den Abzug: "KABOOM! Keine russischen Truppen mehr auf der Schlangeninsel. Unsere Streitkräfte haben einen großartigen Job gemacht", schreibt der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak auf Twitter.

Zuvor hatte die ukrainische Armee bereits angegeben, erneut die von Russland eroberte Schlangeninsel im Schwarzen Meer angegriffen zu haben. Dabei sei ein Kurzstrecken-Flugabwehrsystem des Typs Panzir-S1 zerstört worden, teilte das Kommando Süd bei Facebook mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Attacken mit Kampfdrohnen und Flugzeugen

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Nach dem russischen Einmarsch Ende Februar war das Eiland unweit des Donaudeltas von der russischen Marine bereits am zweiten Kriegstag erobert worden. Besonders bekannt wurde die Gegenwehr der Ukrainer auf der Insel, die den Russen ein "F**** euch" entgegenriefen. Die ukrainischen Streitkräfte haben seitdem mehrfach Attacken mit Kampfdrohnen und Flugzeugen geflogen und den Kreuzer "Moskwa" mit Raketen versenkt.

Der Westen wirft Russland vor, ukrainische Häfen zu blockieren und so den Export von Getreide zu behindern. In einigen Gegenden auf der Welt droht deshalb eine weitere Zuspitzung der Hungerkrise, Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht. Der russische Krieg habe die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft, heißt es in einer Erklärung der G7-Staaten, die sich Anfang der Wochen in Bayern trafen. Russland behindere die landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine, die zu den weltweit größten Getreideexporteuren gehört. Lieferketten seien gestört, die Preise für Nahrungs- und Düngemittel dadurch in die Höhe getrieben worden. Russland trage eine "enorme Verantwortung".

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP/rts

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