Politik

Rund 40 Menschen festgehalten Ukraine findet Hinweise auf Foltergefängnis

Nach monatelanger Besatzung wird die Stadt Balaklija von ukrainischen Truppen zurückerobert. Dabei kommen weitere Gräueltaten des russischen Militärs ans Licht: Rund 40 Menschen sollen in einem Verlies festgehalten und teilweise gefoltert worden sein, berichten ukrainische Behörden.

Das ukrainische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass ukrainische Gefangene in der Stadt Balaklija im Oblast Charkiw vom russischen Militär gefoltert wurden. Darüber berichtete der "Guardian" unter Berufung auf einen Tweet des Ministeriums. "Russische Folterkammer im befreiten Balaklija", heißt es in dem Post. "Das Vaterunser wurde von ukrainischen Gefangenen in die Wand geritzt. Russland muss für diesen offensichtlichen Genozid zur Rechenschaft gezogen werden."

Der ukrainische Regierungsberater Anton Geraschchenko teilte auf Twitter weitere Aufnahmen, die zeigen, wie das Gebäude in der ostukrainischen Stadt auf Spuren untersucht wird. In dem Video berichtete ein junger Mann, dass er mehr als 40 Tage von russischen Soldaten in der Polizeiwache der Stadt festgehalten und mit Stromschlägen gefoltert worden sei. "Sie zwangen mich, zwei Drähte zu halten", erzählte er. "Es gab einen elektrischen Generator. Je schneller er lief, desto höher die Spannung. Sie sagten: 'Wenn du loslässt, bist du verloren'. Dann fingen sie an, Fragen zu stellen. Sie sagten, ich würde lügen, und sie fingen an, ihn noch weiter aufzudrehen und die Spannung stieg." Auch aus anderen Zellen habe er Schmerzensschreie gehört.

Die russischen Truppen hätten ihn festgenommen, weil er ein Foto seines Bruders in Armeeuniform bei sich gehabt habe, erzählte der Mann der "BBC". Einen anderen Einwohner aus Balaklija hätten die Soldaten 25 Tage lang festgehalten, weil er eine ukrainische Flagge besaß. Nach Angaben des ranghohen ukrainischen Polizisten Serhij Bolwinow wurden während der Besetzung der Stadt rund 40 Personen festgenommen.

Balaklija wurde erst kürzlich von ukrainischen Truppen befreit. Behörden warnen immer wieder vor den russischen Gräueltaten, die bei der Rückeroberung von Gebieten ans Licht kommen. Nach der Befreiung der Region Kiew deckten ukrainische Einheiten eine Reihe an Kriegsverbrechen auf, darunter Massengräber und Leichen von Zivilisten, die Folterspuren aufwiesen. Ähnliche Entdeckungen erwarte man nun in der Region Charkiw.

Quelle: ntv.de, mbu

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