Politik

Nizza-Attentat Vater: Mein Sohn war psychisch krank

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Mohamed Lahouaiej-Bouhlel.

War der Täter von Nizza ein Islamist? War seine Tat religiös motiviert. Oder ist die Todesfahrt von Nizza eher mit einem Amoklauf vergleichbar?

Der Attentäter von Nizza war nach Aussage seines Vaters als Jugendlicher wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung. Mohamed Lahouaiej-Bouhlel hatte demnach zwischen 2002 und 2004 auch einen Nervenzusammenbruch erlitten. "Er wurde cholerisch, er schrie, schlug alles kaputt, was er fand", sagte der Vater Mohamed Mondher Lahouaiej-Bouhlel an seinem Wohnort im Osten Tunesiens. Ein Arzt habe dem Anfang 1985 geborenen Sohn damals Medikamente verschrieben. Die Familie habe mit dem Sohn kaum noch Kontakt gehabt, nachdem dieser nach Frankreich gegangen war. Das Datum des Wegzugs vermochte der Vater nicht zu nennen. Er versicherte aber, dass sein Sohn nicht religiös gewesen sei. "Er betete nicht, er fastete nicht, er trank Alkohol und nahm sogar Drogen", sagte der Vater. "Auch wir sind schockiert", fügte er hinzu.

Bei dem Todesfahrer von Nizza handelt es sich nach bisherigen Erkenntnisstand um den 31-jährigen Mohamed Lahouaiej Bouhlel aus Nizza. Auf diesen Namen war jedenfalls der Ausweis ausgestellt gewesen, der in dem Lkw gefunden wurde. Bouhlel wurde in Tunesien geboren, lebte aber schon lange in Frankreich.

Stiller Einzelgänger

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Ermittler in der Wohnung des Attentäters.

(Foto: AFP)

Nachbarn beschrieben Bouhlel als stillen Einzelgänger. Der Mann habe nie gegrüßt, wenn man sich im Treppenhaus des vierstöckigen Gebäudes in Osten von Nizza getroffen habe, sagten Nachbarn. Ein Nachbar sagte, der 31-Jährige sei nicht offensiv religiös aufgetreten, er habe häufig Shorts getragen. Eine Nachbarin, die in der selben Etage wohnt, wechselte nur ein einziges Mal ein paar Worte mit dem Mann - als er versehentlich den falschen Stromzähler abgestellt hatte. Eine Mieterin des Erdgeschosses sagte, Bouhlel sei "ein gut aussehender Mann" gewesen, der ihr aber ein Dorn im Auge war, weil er ihre Töchter "zu sehr angesehen" habe.

Ermittler durchsuchten am Freitagnachmittag die Wohnung des Attentäters. Die Straße wurde abgesperrt, Polizisten durchsuchten auch einen in der Nähe abgestellten weißen Kleinlastwagen, Spürhunde waren im Einsatz.

Bouhlel hatte sowohl die tunesische als auch die französische Staatsbürgerschaft. Inzwischen berichtete die Zeitung "Paris Match", es sei noch ein weiterer Ausweis gefunden worden. Ob sich der Attentäter eine falsche Identität zugelegt hatte, andere Erklärungen in Frage kommen oder tatsächlich ein bisher noch unbekannter Helfer involviert ist, ist unklar.

Hintermänner möglich

Den Lkw hatte er bereits vor ein paar Tagen im Südosten von Frankreich für die Tat gemietet. "Er war der Polizei wegen Gewalttaten und Waffengebrauch bekannt, hatte aber keine direkten Verbindungen mit Terrorismus", zitiert der britische "Telegraph" eine Polizeiquelle. Demnach stand der Mann nicht auf einer Gefährderliste der Geheimdienste.

Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge hatte er im Lkw Feuerwaffenattrappen und eine nicht funktionierende Handgranate. Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich um echte Waffen oder Attrappen handelte. Außerdem seien ein Mobiltelefon und eine Kreditkarte gefunden worden. Nach Angaben von Augenzeugen fuhr er auf dem Boulevard ein Zick-Zack-Muster, um so viele Menschen wie möglich zu töten. Der Nachrichtenagentur AFP sagte eine nicht genauer bezeichnete Polizeiquelle: "Es ist eindeutig, dass er versuchte, maximale Verluste zu erreichen." Außerdem schoss er aus seinem Autofenster in die Menge.

Im Fernsehsender BFMTV berichtet ein Augenzeuge, er habe zuerst gedacht, dass der Lkw-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe. "Er hat genau vor mir angehalten, nachdem er viele Leute überfahren hatte. Ich habe einen anderen Mann auf der Straße gesehen, wir haben gemeinsam versucht, mit dem Fahrer zu sprechen, damit er aufhört." Dann habe der Täter eine Waffe gezogen und auf Polizisten geschossen. "Sie haben ihn getötet und sein Kopf hing aus dem Fenster."

Nach Angaben von Christian Estrosi, dem Regionalpräsidenten und früheren Bürgermeister von Nizza, haben Überwachungskameras aufgezeichnet, wie der Angreifer weit weg vom Meer, "in den Hügeln von Nizza", den Laster bestieg. Weitere Kameras zeichneten seinen Weg bis zur Promenade auf. Estrosi zeigte sich überzeugt, dass der Mann Komplizen gehabt haben müsse. Innenminister Bernard Cazeneuve sagt, die Behörden arbeiteten daran, zu klären, ob er Helfer hatte. Bisher gibt es kein Bekennerschreiben.

Quelle: ntv.de, tar/sba/bdk/AFP

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