Politik

Bürgerkrieg im Jemen Verwirrung um arabische Bodentruppen

2015-05-03T131947Z_969889904_GF10000082462_RTRMADP_3_YEMEN-SECURITY.JPG7841657756741133090.jpg

Ankunft in Aden: 40 bis 50 jemenitische Spezialkräfte sollen im Kampf gegen die schiitischen Huthi-Rebellen helfen.

Reuters

Noch war es kein D-Day: Das Kommando, das kam, bestand aus regierungsloyalen Jemeniten. Es soll den Flughafen freikämpfen und die Verteidigung der örtlichen Milizen gegen den Ansturm der Huthi-Rebellen besser organisieren.

In der südjemenitischen Hafenmetropole Aden ist eine Spezialeinheit gelandet, um die in die Stadt eingedrungenen Huthi-Rebellen zurückzuschlagen. Offenbar handelte es sich dabei um jemenitische Soldaten, die in Saudi-Arabien ausgebildet wurden, sagten Journalisten in Aden. Insbesondere sollen sie den seit Wochen gesperrten Flughafen von Aden freikämpfen und wieder funktionsfähig machen.

Die Ankunft des Landungstrupps hatte Spekulationen ausgelöst, dass eine saudische Bodenoffensive begonnen hätte. Eine von Saudi-Arabien geführte sunnitisch-arabische Militärallianz bombardiert seit Ende März Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Bodentruppen kamen dabei bislang nicht zum Einsatz.

Die schiitischen Huthis aus dem Norden des Landes kämpfen gegen Milizen und Sicherheitskräfte, die loyal zum geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi stehen. Sie kontrollieren weite Teile des Landes und stießen zuletzt nach Aden vor. Saudi-Arabien will mit aller Kraft verhindern, dass der strategisch wichtige Hafen an die vom Iran unterstützten Huthis fällt.

Intervention steht weiter im Raum

In Aden verteidigen sich lokale sunnitische Milizen gegen den Ansturm der Huthis. Nach Darstellung des von Saudi-Arabien finanzierten TV-Senders Al-Arabija trafen Hadi-loyale jemenitische Truppen in Aden ein, deren Aufgabe es sei, "den Kampf der lokalen Milizen zu organisieren".

Die Erwartung, dass Bodentruppen aus Saudi-Arabien oder einem anderen Land der Koalition in den Konflikt eingreifen, steht aber weiter im Raum. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi war am Samstag zu einem anderthalbstündigen Kurzbesuch in Riad. Über die Gespräche mit König Salman wurde nichts bekannt, doch verlautete im Vorfeld, dass die Lage im Jemen im Mittelpunkt stehen würde. Al-Sisi hat bislang diskret, aber bestimmt das saudische Begehren nach ägyptischen Bodentruppen für eine neue Phase der Intervention im Jemen zurückgewiesen.

Nach politischen Turbulenzen und wirtschaftlichen Rückschlägen hängt aber Ägypten stark von Hilfsgeldern aus Saudi-Arabien und den anderen Golfstaaten ab. Das Nilland verfügt über eine Armee, die eine halbe Million Männer unter Waffen hat. Experten glauben aber, dass das ägyptische Militär für einen Einsatz im Jemen nicht geeignet wäre. Derzeit schlägt es sich mit einem Aufstand militanter Islamisten im Norden der ägyptischen Halbinsel Sinai herum. Durchschlagende Erfolge blieben dabei bislang aus.

Streubomben abgeworfen?

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft Saudi-Arabien vor, über dem Jemen international geächtete Streu- und Splitterbomben abzuwerfen. "Seit Mitte April 2015 tauchten Fotografien, Videos und andere Beweismittel auf, die belegen, dass die (saudisch geführte) Koalition bei ihren Luftangriffen in der nördlichen jemenitischen Provinz Saada Splitterbomben eingesetzt hat", heißt es in dem Bericht, der jetzt veröffentlicht wurde. Saada ist das Kernland der Huthis.

Wie der HRW-Bericht weiter festhält, gingen etliche der aus amerikanischer Produktion stammenden Splitterbomben auf landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe von Dörfern nieder. Die Waffe stellt eine enorme Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar, weil sie eine große Zahl kleinerer Bomben verstreut und Blindgänger unter ihnen später Menschen töten oder verstümmeln können.

Quelle: n-tv.de, dsi/rpe/dpa

Mehr zum Thema