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UN fordern legalen Privathandel Wer bestechen kann, überlebt in Nordkorea

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Drei Viertel aller Nordkoreaner sind laut UN-Bericht auf privaten Handel angewiesen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vielen Nordkoreanern drohen Strafen, wenn sie Kleidung oder Nahrung kaufen - denn privater Handel findet in einer "rechtlichen Grauzone" statt. Ein Bericht der Vereinten Nationen zeigt, wie das mit Korruption und der Verletzung von Menschenrechten zusammenhängt.

Das wirtschaftliche Überleben vieler Nordkoreaner hängt einem UN-Bericht zufolge davon ab, ob sie Beamte bestechen können. Der Zusammenbruch des Rationierungssystems Mitte der 1990er Jahre habe viele Menschen in dem sozialistischen Land gezwungen, ihren Unterhalt außerhalb des staatlichen Systems zu verdienen, heißt es in dem UN-Bericht.

Doch Nordkoreaner, die privaten Marktaktivitäten als Teil einer Schattenwirtschaft nachgingen, seien der Gefahr "willkürlicher Festnahme, Inhaftierung und Erpressung" ausgesetzt. Bestechung sei oft der einzige Ausweg. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass seit dem Zusammenbruch des Systems in den 90er-Jahren etwa drei Viertel aller etwa 25,5 Millionen Nordkoreaner auf privaten Handel angewiesen sind, um sich ernähren und kleiden zu können.

Das UN-Menschenrechtsbüro rief die Regierung des abgeschotteten ostasiatischen Staates auf, ein unabhängiges System zur Korruptionsbekämpfung sowie ein sicheres Umfeld für die Marktaktivitäten der Bürger zu schaffen. Es müsse rechtliche Klarheit geben für Menschen, die in Nordkorea Kleidung oder Nahrungsmittel kaufen und verkaufen. Derzeit finde dieser Handel in einer "unsicheren rechtlichen Grauzone" statt. Das hindere nicht nur die Menschen daran, für einen angemessenen Lebensstandard zu sorgen, es sei auch eine "Quelle von weiteren Menschenrechtsverletzungen". Beamte könnten von den betroffenen Menschen Geld oder andere Begünstigungen erpressen, indem sie ihnen mit der Festnahme drohten.

Viele Nordkoreaner seien in einem "Teufelskreis" aus Mangel, Korruption und Unterdrückung gefangen. Das Recht auf Nahrung, Gesundheit, Schutz, Arbeit und Freiheit sei universal und unveräußerlich, "doch in Nordkorea hängen sie zuerst von der Fähigkeit der Personen ab, Staatsbeamte zu bestechen", sagte die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet. Nur für diejenigen, die Schmiergelder zahlen können und wollen, sei ein angemessener Lebensstandard erreichbar.

"Du stirbst vor Hunger"

Es gibt in Nordkorea laut dem Bericht mittlerweile eine Vielzahl legaler, illegaler und halb-legaler Märkte, auf denen sich die Menschen mit allen möglichen Gütern versorgen könnten. Vermutlich mehr als 400 Märkte mit etwa 600.000 Händlern seien von den Behörden genehmigt. Vermutlich seien aber drei Viertel aller Nordkoreaner "teilweise oder ausschließlich auf private Marktaktivitäten angewiesen, um zu überleben". Ein Informant wurde folgendermaßen zitiert:  "Falls Du nur den Anweisungen des Staates folgst, stirbst Du vor Hunger."

In dem Bericht beruft sich das UN-Büro auf die Angaben von 214 geflüchteten Nordkoreanern, meist Frauen, die in den Jahren 2017 und 2018 befragt wurden. Ein eigener Zugang zu dem Land ist den UN-Menschenrechtsvertretern in der Regel verwehrt. Anfang Mai hatte das Welternährungsprogramm (WFP) auf Grundlage von Vor-Ort-Untersuchungen berichtet, mindestens zehn Millionen Menschen in Nordkorea drohe Hunger.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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