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Von "Liste der Schande gestrichen" Wie die Saudis die UN erpressen

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Ein Mann sitzt am Grab eines Jungen, der bei einem Luftangriff der saudisch-geführten Militärkoalition ums Leben kam.

(Foto: dpa)

Hunderte Kinder sterben, als die saudisch-geführte Koalition den Jemen bombardiert. Dafür landet das Königreich auf der UN-"Liste der Schande". Doch UN-Generalsekretär Ban streicht das Land wieder. Dahinter steckt ein ungeheuerlicher Vorgang.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition im Jemen von der Schwarzen Liste entfernt, auf der Staaten genannt werden, die Kinderrechte missachten. In New York erklärte Ban, er fühle sich von Saudi-Arabien erpresst und unter Druck gesetzt. "Es ist nicht akzeptabel für UN-Mitgliedsstaaten übertriebenen Druck auszuüben", sagt er. Das Königreich habe gedroht, seine Zahlungen an die Vereinten Nationen zu stoppen, falls es nicht von der "Liste der Schande" verschwinde.

Auf der UN-"Liste der Schande" werden jedes Jahr Staaten, Armeen und Terrorgruppen genannt, die Kinder verletzen, töten oder als Soldaten rekrutieren. Die UNO hatte Saudi-Arabien und seine Verbündeten auf die Schwarze Liste gesetzt, weil die Koalition für 60 Prozent der 785 vergangenes Jahr im Jemen getöteten Kinder verantwortlich sei. Die UN bezichtigt die Koalition, Kinder im Jemen verstümmelt sowie Schulen und Krankenhäuser angegriffen zu haben.

"Eine der schmerzlichsten Entscheidungen"

Saudi-Arabien und andere arabische und muslimische Länder hätten daraufhin gedroht, ihre Zahlungen für humanitäre Programme der UNO zu kürzen. Ban selbst erklärte: "Das war eine der schmerzlichsten und schwierigsten Entscheidungen, die ich treffen musste." Wegen der angedrohten Mittelkürzungen habe er der realen Gefahr Rechnung tragen müssen, "dass Millionen anderer Kinder schwer leiden". Saudi-Arabien ist einer der größten Geldgeber humanitärer Programme der UN. "Ich kann doch wegen der Liste nicht das ganze Haus abbrennen lassen. Ich bin Chef der Vereinten Nationen und ich muss doch an all die vielen Krisen denken, die wir lösen müssen", so Ban.

Ban kündigte an, die Militärkoalition werde von der Schwarzen Liste genommen, bis das Ergebnis einer gemeinsamen Überprüfung der Vorwürfe vorliege. Menschenrechtsorganisationen warfen Ban daraufhin vor, er sei unter dem Druck der arabischen Länder eingeknickt und habe so dem Ansehen der UNO geschadet. Akshaya Kumar von Human Rights Watch sagte, wenn Erpressung Erfolg hat, und das sei nun geschehen, dann habe sich der Sinn und Zweck dieser Liste erübrigt: Täter zu nennen und sie damit der öffentlichen Schande auszusetzen.

Erpressung ist nicht Saudi-Arabiens Stil

Saudi-Arabiens UN-Botschafter Abdallah al-Mouallim bestritt die Vorwürfe und sagte, seine Delegation habe keinen Druck ausgeübt. Man habe den Generalsekretär sehr entschieden darauf hingewiesen, dass die Fakten nicht stimmten und Saudi-Arabien nicht auf die Liste gehöre. Erpressung, das sei nicht der Stil seines Landes.

Im Jemen kämpfen seit September 2014 die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die schiitischen Huthi-Rebellen und andere Gruppen, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe gegen die Rebellen.

Quelle: n-tv.de, bdk/AFP

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