Politik

Grünen-Chef beim "Brigitte"-Talk Wie viel Robin Hood steckt in Habeck?

Manch einer traut Grünen-Chef Habeck das Kanzleramt zu. Er selbst ist bei der K-Frage zwar zurückhaltender. Dass ihn der Job reizt, ist bei einer Veranstaltung in Berlin aber spürbar. Dennoch spricht er lieber über AKW als AKK. Und über eine Zeichentrickfigur, die ihn inspiriert.

Vorbilder? Die hat Robert Habeck nicht so direkt. Eher Menschen, die ihn inspiriert haben, wie er auf einer Veranstaltung der Zeitschrift "Brigitte" im Berliner Gorki-Theater erklärt. Der Vorsitzende der Grünen sitzt in einem rosa Sessel auf der Bühne, zwischen Chefredakteurin Brigitte Huber und Kulturchefin Meike Dinklage, und spricht über Albert Camus und den Studentenführer Rudi Dutschke, dessen Mut er bewundert habe. Ganz im Gegensatz zu dessen "Mao-Quatsch".

Aber es ist die Figur des Robin Hood, die er als erstes nennt und die für Lacher im sehr gut gefüllten Saal des Theaters sorgt. Habeck meint den Robin Hood aus Disneys Zeichentrickfilm von 1974, wo die legendäre Figur als Fuchs dargestellt wird. Als der Film in die Kinos kam, war der heute 49-Jährige fünf Jahre alt. Vielleicht war es eine seiner ersten Filmerfahrungen. Und vielleicht ist der tierische Rächer aus dem Wald ja irgendwie schuld, dass sich Habeck irgendwann den Grünen zuwandte.

Er nahm sich den Fuchs jedenfalls zum Vorbild, weil dieser "irgendwie schlitzohrig war, gleichzeitig aber für die gute Sache kämpfte". Vielleicht findet sich darin auch der Politiker Habeck wieder: Für etwas Gutes kämpfen, dabei aber nicht immer den direkten, gefälligen Weg nehmen, sondern auch mal anecken.

Habeck ist spät in die Politik gewechselt, als er schon alles erreicht hatte, was er erreichen wollte, wie er erzählt. Er konnte von seiner Arbeit als Schriftsteller leben und hatte vier Kinder, als er 2002 den Grünen beitrat. Nun ist Habeck, zusammen mit Annalena Baerbock, seit einem Jahr Bundesvorsitzender der Partei und für deren Anhänger zu einer Art Superstar geworden. Manch einer sieht ihn schon als kommenden Kanzler. Laut RTL/n-tv Trendbarometer würden ihm das auch 20 Prozent der Bevölkerung zutrauen. Beim ZDF-Politbarometer war er vorübergehend sogar der wichtigste Politiker, noch vor Kanzlerin Angela Merkel.

Nicht "vom Himmel gefallen"

"Manche glauben, ich sei vom Himmel gefallen, als ich Bundesvorsitzender wurde", sagt Habeck auf der Veranstaltung in Berlin. Dabei habe er jahrelang in anderen Verantwortungsbereichen gearbeitet. Er war Kreisvorsitzender seiner Partei, saß im Kreistag von Schleswig-Flensburg, ab 2009 auch im schleswig-holsteinischen Landtag, zunächst als Fraktionschef, dann als Umweltminister. Seit zehn Jahren ist er nun Berufspolitiker.

Doch man spürt auch sehr gut, dass ihn eine Kanzlerschaft reizen würde, auch wenn er auf eine entsprechende Frage ausweichend antwortet. Er habe nicht das Gefühl, dass wir im Moment eine handelnde Regierung haben, sagt er und fügt an: "Wir brauchen eine starke Regierung - und ja, meine Partei versucht, diese Stärke zu entwickeln." Es wäre absurd abzustreiten, dass die Grünen verantwortungswillig und -bereit seien.

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Über eine mögliche neue Kanzlerin Annegret Kramp-Karrenbauer, mit deren CDU die Grünen eine Regierung bilden könnten, will er aber lieber nicht sprechen. Vor die Wahl gestellt, über AKK oder AKW zu reden, entscheidet sich der Grünen-Chef für Letzteres und vergleicht seinen eigenen Einsatz als Teenager gegen Atomkraftwerke mit den heutigen Klimaprotesten der "Fridays for Future"-Bewegung. So wie 1986 die Atomkatastrophe von Tschernobyl sei der heutige Klimawandel ein "Moment, der direkt ins Leben eingreift", so Habeck.

"Bock auf das, was ich gerade mache"

Die Veranstaltung im Gorki-Theater lebt von solchen persönlichen Erinnerungen. Gern soll es mal menscheln, so wie bei Martin Schulz oder Merkel bei früheren Veranstaltungen. Auch bei Habeck gibt es diese Momente, in denen er das Publikum auf seiner Seite hat. Andererseits ist er nicht der Typ für die großen Lacher oder markante Politikersätze. Auf der Bühne ist er eher nachdenklich, reflektierend. "Ich nehme an, andere sind davon tierisch genervt, dass ich immer so kompliziert rede", sagt Habeck, der Philosophie studiert hat. Aber dann sollten diejenigen ihn halt nicht wählen.

Solche Sätze sind von einem Parteichef eher ungewöhnlich. Das gilt auch für das eigene Selbstverständnis: "Wir versuchen, selbstkritisch miteinander umzugehen", sagt er. Dabei gebe es in der Politik kaum Raum dafür. Die Erwartung sei, dass alle immer alles wissen und alle sich immer toll finden. Habeck weiß aus eigener Erfahrung, was ein falsches Wort auslösen kann. Dass er nach einem Shitstorm seine Twitter- und Facebook-Auftritte gelöscht hat, sei aber keine Handlung im Affekt gewesen. Er habe schon länger darüber nachgedacht. Für ihn persönlich sei das eine gute Entscheidung gewesen.

Schließlich wird ihm noch die Frage gestellt, ob er in fünf Jahren noch Politiker sein werde. "Ich habe Bock auf das, was ich gerade mache", antwortet er. Aber angesichts der aktuellen Herausforderungen gehe es eigentlich darum, etwas umzusetzen. Da spürt das Publikum: Der Parteichef, der einst Robin Hood bewunderte, will raus aus dem Wald und im besten Fall ins Kanzleramt.

Quelle: n-tv.de

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