Politik

"Ein, zwei Banken könnten fallen" Wikileaks zielt auf die Wall Street

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Können die neuen Enthüllungen die Finanzwelt erschüttern?

(Foto: dpa)

"Ich glaube, sie könnten ein oder zwei Banken zu Fall bringen", mutmaßt Wikileaks-Gründer Assange über angekündigte Enthüllungen in der US-Finanzbranche. Die Dokumente würde belegen, dass Manager vorrangig ihre eigenen Interessen im Blick hätten. Derweil will eine Gruppe von Wikileaks-Aussteigern eine eigene Plattform aufbauen.

Nach der Veröffentlichung der Depeschen von US-Diplomaten hat Wikileaks weitreichende Enthüllungen auch über die Finanzbranche angekündigt. So würden Anfang 2011 Zehntausende Dokumente einer großen US-Bank bekannt gemacht, die dadurch zu Fall gebracht werden könnte, sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange dem Magazin "Forbes". Es gehe um ungeheuerliche Verstöße und unethische Praktiken. "Man kann es auch das Ökosystem der Korruption nennen", sagte Assange.

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Wikileaks werden die sensiblen Daten zugespielt.

(Foto: dpa)

Die Dokumente zeigten, dass die Aufsicht über die Branche nicht richtig funktioniere und dass Manager vorrangig ihre eigenen Interessen im Blick hätten. Den Namen der Bank nannte der Chef von Wikileaks nicht. Es gehe aber um ein großes US-Institut.

Die Enthüllungen gäben Einblicke in die Funktionsweise der Führungsebene und würden zu Ermittlungen und Reformen führen, sagte Assange. Er verglich den Fall mit dem untergegangenen Energiekonzern Enron. Damals waren in einem US-Gerichtsprozess zahlreiche E-Mails aus dem Unternehmen bekannt geworden, die hefige Verfehlungen aufzeigten.

Wikileaks habe viele Informationen über die Finanzbranche, sagte der Australier, der wegen der Veröffentlichung von geheimen Papieren vor allem von den USA zuletzt wiederholt kritisiert worden war. Von allen Wirtschaftsbereichen, über die man berichte, sei der Sektor Finanzen der wichtigste. Man suche Material über großangelegten Finanzbetrug, weil so viele Menschen davon betroffen seien.

Deutschland verurteilt die Pläne

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) verurteilte die angekündigte Enthüllung. "Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel", sagte sie. Wikileaks arbeite unseriös und verantwortungslos: "Die Öffentlichkeit kann schwer nachvollziehen, wie solche Informationen zustande kommen, weil keine transparente Kontrolle der Veröffentlichungen stattfindet", sagte die Ministerin der "tz". "Es schafft nicht mehr Transparenz oder Kontrolle, wenn ungefiltert Tratsch und Klatsch neben sensiblen Informationen für Leib und Leben in die Welt geschwemmt werden", sagte Leutheusser-Schnarrenberger weiter.

"Ein, zwei Banken könnten fallen"

Er könne noch nicht sagen, ob es bei den geplanten Banken-Enthüllungen um kriminelle Handlungen gehe, sagte Assange. Auf die Frage, welche Auswirkungen die Veröffentlichung haben könnte, sagte er: "Ich glaube, sie könnten ein oder zwei Banken zu Fall bringen." "Forbes" zufolge wurde das Gespräch am 11. November in London geführt.

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Julian Assange ist vorerst untergetaucht.

(Foto: dpa)

Assange hatte am 09. Oktober 2009 dem Magazin "Computerworld" erklärt, Wikileaks verfüge über fünf Gigabyte an Daten von der Festplatte eines Managers der Bank of America (BoA). Das Problem sei die Frage, wie diese Daten allgemein zugänglich gemacht werden sollten, sagte er damals. Um etwas zu bewirken, müsse es einfach sein, sie zu durchsuchen. Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens sagte, der Wikileaks-Gründer sei nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, ob es sich dabei um die Daten handle, die 2011 enthüllt werden sollen. Eine Sprecherin der BoA erklärte, Assanges Aussage sei bekannt. Wikileaks habe sich jedoch weder mit ihrem Konzern in Verbindung gesetzt noch gebe es Beweise für die Behauptung.

"Vorteile für ehrliche Unternehmen"

Mit den neuen Enthüllungen von Wikileaks wird es Assange zufolge für ehrliche Spitzenmanager einfacher, ihre Unternehmen zu führen. Unehrliche Firmen seien von Veröffentlichungen stärker negativ betroffen. "Und genau darum geht es." Er empfahl Unternehmen, so offen und ehrlich wie möglich zu sein und Mitarbeiter gut zu behandeln. "Wikileaks ist dazu da, mehr Freiheit und Ethik in den Kapitalismus zu bringen."

Die Plattform besitze auch Material über viele andere Firmen und Regierungen, etwa aus Russland. Auch gebe es Dokumente über Pharmafirmen. Namen nannte er auch hierzu nicht. Assange sprach jedoch über einen Fall von Industriespionage eines Staates gegen die High-Tech-Industrie. Die USA seien eines der Opfer.

Abtrünnige planen eigene Leak-Plattform

Derweil kündigte eine Gruppe ehemaliger Wikileaks-Mitarbeiter an, eine eigene Plattform aufzubauen. Das neue, bislang namenlose Netzwerk solle ab Mitte Dezember an die Öffentlichkeit gehen, sagte der ehemalige Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg der "taz". "Möglichst viele Menschen sollen möglichst viele Dokumente entgegennehmen können", sagte er dem Blatt. Die Macht solle dabei "möglichst weit verteilt" werden. Man habe die Erfahrung gemacht, dass Macht zu leicht korrumpieren könne.

Domscheit-Berg war im Streit mit Assange aus der Organisation ausgetreten. Die Aussteiger kritisieren die autoritäre Führung des Australiers und die Informationspolitik von Wikileaks. Veröffentlicht werde vor allem Material aus den USA, während andere Informationen liegen blieben, zitierte die "taz" Domscheit-Berg. Es sei nicht nachvollziehbar, wann welches Dokument warum an die Öffentlichkeit gegeben worden sei.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts