Politik

Obama reagiert vor Merkel Wo ist die Kanzlerin?

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Trauerbeflaggung vor dem Kanzleramt in Berlin. Die Bundeskanzlerin war in der Nacht "nicht weit weg".

(Foto: dpa)

Es entspricht ihrem Regierungsstil und ist dennoch ungewöhnlich: Von Bundeskanzlerin Merkel war am Abend des Amoklaufs in München und in der Nacht danach nichts zu sehen und nichts zu hören.

Mehr als zwölf Stunden nach dem Ende des Amoklaufs in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel noch immer nicht öffentlich aufgetreten. In den sozialen Netzwerken reagierten zahlreiche Nutzer irritiert.

"Ich erwarte von meiner Regierungschefin, dass sie sich zeigt und mir das Gefühl gibt, dass sie sich kümmert", schrieb einer. Die Kollegen von Spiegel Online vermerkten am Abend, dass sich der Sprecher von US-Präsident Barack Obama schon geäußert habe, Regierungssprecher Steffen Seibert jedoch noch nicht.

Mittlerweile hat sich Obama selbst geäußert. Am Freitagabend (MESZ) sagte er bei einem Treffen mit Strafverfolgungsbeamten, er sei über die Ereignisse im Olympia-Einkaufszentrum auf dem Laufenden gehalten worden. "Deutschland ist einer unserer engsten Verbündeten, also bieten wir all die Unterstützung an, die sie bei der Bewältigung dieser Lage nötig haben können."

Zuvor hatte die Deutsche Presse-Agentur gemeldet, dass Merkel "nicht persönlich" im Kanzleramt gewesen sei – der Freitagabend war eigentlich ihr erster Urlaubsabend. Dennoch sei Merkel "im Dienst", hieß es.

Merkel "nicht weit weg vom Regierungssitz"

Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagte dann am Abend in der ARD, dass sich der Bundessicherheitsrat an diesem Samstag treffe. Dem Gremium gehören die Kanzlerin, Altmaier selbst und Innenminister Thomas de Maizière (alles CDU) an, daneben Vizekanzler Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Justizminister Heiko Maas (alle SPD), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) sowie Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Im ZDF sagte Altmaier, Merkel werde "fortlaufend unterrichtet". Die zuständigen Minister seien auf dem Weg nach Berlin. De Maizière hat seinen Urlaub in den USA bereits zum zweiten Mal unterbrochen; er war schon wegen des Anschlags von Würzburg nach Deutschland zurückgekehrt.

Seibert teilte am Vormittag mit, dass das Sicherheitskabinett um 12.30 Uhr tage. Auch die Chefs der Sicherheitsbehörden würden an dem Treffen teilnehmen.

Wo Merkel sich am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag aufhielt, ist nicht bekannt. Laut dpa war sie "nicht weit weg vom Regierungssitz", also möglicherweise in ihrem Haus in der Uckermark. Dass sie erst öffentlich auftritt, wenn die Tatsachen feststehen, entspricht ihrem Regierungsverständnis. Merkel will zwar durchaus das Gefühl vermitteln, dass sie sich "kümmert", aber sie tut dies in der Regel auf der Basis von Fakten. Sich mit tröstenden Worten an eine verunsicherte Nation zu wenden, ist nicht ihr Stil. Wenn sie dann – nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts, um 14.30 Uhr – vor die Presse tritt, wird höchstwahrscheinlich feststehen, ob der Amoklauf einen terroristischen Hintergrund hatte oder nicht.

Für den weit rechts stehenden Teil des politischen Spektrums in Deutschland war schon gestern Abend klar, welche Motive der Täter hatte und wer für den Anschlag verantwortlich ist. "Merkel-Einheitspartei: danke für den Terror in Deutschland und Europa!", twitterte der AfD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg. Ein Bremer Landespolitiker der AfD-Abspaltung Alfa forderte Merkels Rücktritt und schien die Polizei "Lügner" zu nennen, weil sie zunächst nicht von einer Terrorlage gesprochen hatte.

Es gibt aber auch Kommentare wie diesen des Moderators Micky Beisenherz: "Merkel hat sich noch nicht zu München geäußert – vielleicht wollte sie erst erfahren, was wirklich geschehen ist. Ungewöhnlich, ich weiß."

Quelle: n-tv.de, hvo

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