Politik

"China ist diktatorische Macht" Wong bittet Merkel um Hilfe für Hongkong

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Joshua Wong gibt im Juni der Presse ein Statement.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Wong gilt als Gesicht der Hongkonger Demokratie-Bewegung. Nun versucht der 22-Jährige, Kanzlerin Merkel auf die Seite der Demonstranten zu ziehen: Er vergleicht China mit der DDR und versucht, die Namen der Panda-Zwillinge aus dem Berliner Zoo zu politisieren. Die Demonstranten beruhigt das alles nicht.

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief um Unterstützung gebeten. "Frau Bundeskanzlerin Merkel, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Sie haben Erfahrungen aus erster Hand mit den Schrecken einer diktatorischen Regierung gemacht", wird Wong von der "Bild"-Zeitung zitiert. Der Aktivist verglich demnach die Hongkonger Proteste für Demokratie und gegen die chinesische Einflussnahme mit den friedlichen Montagsdemonstrationen in der DDR 1989.

"Wir wünschen uns, dass Sie den Mut und die Entschlossenheit gegen autoritäre Unrechtsregime zeigen, der Deutschland und Europa vor dem Ende des Kalten Krieges inspiriert hat und den Europa heute zeigt", schreibt Wong laut dem Bericht weiter. In seinem Brief bittet er die Bundesregierung um ein Treffen mit den Hongkonger Demokratieaktivisten. "Deshalb plädieren wir an Sie, Frau Bundeskanzlerin Merkel: Bitte helfen Sie uns!"

Wong warnte in seinem Schreiben vor einer Eskalation der Gewalt in Hongkong. "Uns steht eine diktatorische Macht gegenüber, die keine freiheitlichen Grundrechte zulässt und immer mehr gewalttätige Maßnahmen anwendet, mit Tendenz zu einem neuen Massaker wie am Tian'anmen-Platz" in Peking. Er rate Deutschland davon ab, mit China weiter "Geschäfte zu machen". In seinem Brief prangerte er außerdem das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Hongkong an. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung unterzeichneten den Brief neben Wong die in Deutschland lebenden Hongkonger Aktivisten Joephy Wong und Alice Yu. Der 22-jährige ist ein Vertreter der Demokratiebewegung in Hongkong, die gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings in der chinesischen Sonderverwaltungszone kämpft. Bei Massenprotesten gab es jüngst schwere gewalttätige Auseinandersetzungen.

Vorschläge für die Namen der Panda-Zwillinge

Schon zuvor hatte Wong versucht, eine öffentliche deutsche Parteinahme für Hongkong zu erreichen. Er schlug dem Berliner Zoo vor, die beiden neugeborenen Pandababys "Demokratie" und "Freiheit" zu nennen. "Deutschland könnte ein klares Signal an China senden", sagte Wong im Gespräch mit "Bild". Eine Zoosprecherin bremste diese Hoffnung jedoch: Sie sagte, für die Namensgebung werde sich der Zoo zunächst mit seinen chinesischen Partnern verständigen.

Im Berliner Zoo hatte die Pandadame Meng Meng am Samstag Zwillinge zur Welt gebracht. Es handelt sich um den ersten in Deutschland geborenen Pandanachwuchs. Meng Meng und der männliche Panda Jiao Qing sind von der chinesischen Regierung an den Zoo ausgeliehen. Chinesische Experten helfen bei ihrer Pflege und der Babyaufzucht. Die Pandababys sollen bis zu vier Jahre in Berlin bleiben und dann nach China umziehen.

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei endeten. Zuletzt sah sich die Bereitschaftspolizei gezwungen, den Platz vor der Polizeiwache Mong Kok und die Metrostation Prince Edward zu räumen. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Quelle: n-tv.de, mau/kpi/dpa/rts/AFP