Politik

Eklatanter Mangel Zehntausende Erzieher fehlen

Kinder ab dem zweiten Lebensjahr haben einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Soweit die Theorie. In der Praxis fehlt es massiv an Erzieherinnen und Erziehern, die sich um sie kümmern, zeigt eine Bertelsmann-Studie. Frühkindliche Bildung wird dadurch oft vernachlässigt.

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Bundesweit fehlen in den Kitas 120.000 Erzieherinnen und Erzieher.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland herrscht akuter Personalmangel an Erzieherinnen und Erzieher. Weil es von ihnen zu wenig gibt, bleibt die gute Qualität in der frühkindlichen Bildung oftmals auf der Strecke. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

120.000 zusätzliche Erzieher sind laut der Studie erforderlich, um ein kindgerechtes und pädagogisch sinnvolles Betreuungsverhältnis zu schaffen. Von Bundesland zu Bundesland gibt es dabei große Unterschiede. In Bremen und Baden-Württemberg ist ein Erzieher in den Krippen durchschnittlich für drei Kinder zuständig, in Sachsen-Anhalt hingegen für mehr als sechs Kinder. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern. Hier kommen auf einen Erzieher fast 15 Kinder.

Große regionale Unterschiede

Auffällig ist vor allem das Ost-West-Gefälle: Während ein Erzieher in ostdeutschen Krippen für durchschnittlich 6,3 Kinder verantwortlich ist, sind es im Westen nur 3,8 Kinder. Dieses statistische Verhältnis zwischen Erzieher und Kindern sieht im Kita-Alltag sogar noch ungünstiger aus. Weil Erzieherinnen und Erzieher aufgrund von Teamgesprächen, Fortbildung und Urlaub höchstens 75 Prozent ihrer Arbeitszeit für pädagogische Arbeit nutzen können, betreuen sie im Osten tatsächlich mindestens acht und im Westen fünf Kinder.

Dieses Erzieher-Kind-Verhältnis geht weit über die von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen Zahlen hinaus. Bei den unter Dreijährigen sollten demnach auf einen Erzieher höchstens drei Kinder kommen. Für die Altersgruppe ab drei Jahren gilt: nicht mehr als acht Kinder pro Erzieherin und Erzieher.

"Politik und Praxis sollten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, damit alle Kita-Kinder in Deutschland gute Bildungschancen haben", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Diese Standards müssten in einem Bundes-Kita-Gesetz geregelt werden, so Dräger weiter. Dort könnten seiner Meinung nach Zeitbudgets für Leitungsaufgaben und Qualitätskriterien für Fort- und Weiterbildungen sowie die Mittagsverpflegung festgelegt werden.

120.000 Erzieher fehlen

Um gute Qualität in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten, sind laut Bertelsmann Stiftung 120.000 zusätzliche Erzieher erforderlich. Nach Berechnungen der Stiftung verursacht das jährlich zusätzliche Personalkosten von rund fünf Milliarden Euro. Das wäre ein Anstieg von mehr als 30 Prozent.

"Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt, weil die Kita-Qualität entscheidend ist für gutes Aufwachsen und faire Bildungschancen aller Kinder", sagt Dräger.

Quelle: ntv.de, jli