Politik

Wende im NSU-Prozess Zschäpe will umfassend aussagen

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Mathias Grasel wird für Beate Zschäpe am Mittwoch sprechen.

(Foto: dpa)

Seit zweieinhalb Jahren versucht das Oberlandesgericht München, Struktur und Taten des NSU aufzuklären. Auf den Beitrag der Hauptangeklagten Zschäpe kann der Richter bislang nicht setzen, die mutmaßliche Rechtsterroristin schweigt - bis jetzt.

Im NSU-Prozess will die Hauptangeklagte ihr Schweigen brechen: Beate Zschäpe werde am Mittwoch nach Angaben ihres Verteidigers Mathias Grasel umfassend aussagen.

Zschäpe werde nicht selbst vor dem Oberlandesgericht München sprechen, sondern ihren Verteidiger Grasel ihre Aussage verlesen lassen, kündigte ein Anwalt der Kanzlei an.

Grasel machte keine Angaben über den Inhalt der Erklärung. Auch, ob Zschäpe im Anschluss an die Erklärung noch Antworten auf Nachfragen geben wird, ließ der Anwalt offen. Da für die Aussage Zschäpes nur ein Tag eingeplant ist, ist davon auszugehen, dass dies nicht der Fall sein wird.

Zerrüttetes Verhältnis unter Verteidigern

Grasel vertritt Zschäpe erst seit Juli als vierter Verteidiger. Das Verhältnis zu ihren anderen drei Verteidigern gilt als zerrüttet. Nach der Nachberufung des Münchner Anwalts hatte es bereits Spekulationen gegeben, Zschäpe könnte ihr Schweigen beenden.

Spiegel Online berichtet, der Entschluss, dass Zschäpe aussagen werde, stehe schon seit mehreren Wochen fest. Auch Richter Manfred Götzl soll bereits seit einiger Zeit in den Plan eingeweiht sein. Die drei anderen Verteidiger Zschäpes, die Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, wussten jedoch nichts von dem Vorhaben. Ursprünglich war die Aussage bereits für Ende Oktober geplant, der Termin sei aber kurzfristig wieder abgesagt worden.

Nebenklage: Zschäpe will noch einmal in Freiheit kommen

Bild.de berichtete ohne Angabe von Quellen, Zschäpe wolle sich "möglicherweise" detailliert zu einzelnen Taten äußern, etwa zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter. Das sei jedenfalls im Vorfeld so besprochen worden. Außerdem wolle Zschäpe "offenbar" weitere Personen nennen, die an den Taten des NSU beteiligt gewesen seien. Und schließlich sei es "möglich", dass sich Zschäpe zu Kontakten des NSU zu Mitarbeitern von Sicherheitsbehörden äußern könnte - auch das sei in Gesprächen vorab thematisiert worden.

Der Münchner Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin sagte, Zschäpe sei sich wohl im Rahmen der Beweisaufnahme bewusstgeworden, dass Schweigen sie nicht weiterbringe. "Sie wird meines Erachtens umfassend aussagen müssen, wenn sie eine besondere Schwere der Schuld vermeiden möchte. Sie möchte wohl erreichen, dass sie irgendwann noch einmal in Freiheit kommt", sagte Narin. Er erwarte "Auskünfte über die Strukturen der terroristischen Vereinigung NSU, also über Mittäter und Unterstützer". Und er halte es für "denkbar, dass Frau Zschäpe Auskunft über eine Verstrickung in Nachrichtendienste geben würde, wenn sie auf Strafmilderung hofft", sagte Narin.

Dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) werden zehn Morde vorgeworfen. Seit Mai 2013 steht die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe vor Gericht. Bisher hat sie beharrlich geschwiegen. Im Falle einer Verurteilung droht Zschäpe eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Zschäpe hatte bei ihrer Verhaftung im November 2011 gesagt: "Ich habe mich nicht gestellt, um nicht auszusagen." Bisher hatten die Anwälte Heer, Stahl und Sturm sie jedoch laut Zschäpe davon abgehalten.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP

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