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Zwischenruf Abwrackprämie abwracken!

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Neue Kühlschränke bei der IFA: Produktion belastet immer die Umwelt.

(Foto: dpa)

Eine Abwrackprämie für die Stromfresser unter den Haushaltsgeräten ist hanebüchen. Die Bilanz der Abwrackprämie für PKW 2009 war verheerend. Die Idee gehört auf den Schrottplatz.

Man weiß nicht, ob man sich an die Stirn tippen, den Kopf schütteln oder die Nase rümpfen soll - oder alles auf einmal. Aber auch dies wäre keine hinreichende Antwort auf den Unsinn, für stromfressende Haushaltsgeräte eine Abwrackprämie auszureichen. Der Umweltverband BUND, sonst Synonym für sinnvollen Einsatz zur Bewahrung von Umwelt und Klima, hat mit dem Vorstoß nicht nur den Vogel, nein, gleich den ganzen Schwarm abgeschossen. Dass so eine erfahrene Umweltpolitikerin wie Bärbel Höhn von den Grünen auf den Zug aufspringt, lässt einem vor Schreck den Mund offenstehen. Wenn die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, es für wirtschaftlich unsinnig hält, ein Gerät zu verschrotten, das noch funktionstüchtig sei, klingt das wie "Haltet den Dieb!". Denn es war die Regierung Merkel/Steinmeier, die 2009 eine als Umweltprämie bezeichnete Vergütung in Höhe von 2.500 Euro einführte, wenn jemand unter bestimmten Bedingungen sein altes Auto verschrotten ließ und ein neues erwarb. Geistiger Vater der Schnapsidee war Matthias Wissmann, Cheflobbyist des Verbands der Automobilindustrie und zuvor christdemokratischer Verkehrsminister (!).

Die Folgen des bald Abwrackprämie genannten Lockmittels waren verheerend. Nicht die deutsche Automobilindustrie, wie versprochen, profitierte davon, sondern ausländische Hersteller von Kleinfahrzeugen. 2009 stieg der Verkauf an, um im Folgejahr dramatisch einzubrechen. Die Umweltbelastung war keinesfalls geringer: Bekanntlich schadet der Neubau der Natur mehr als der Fahrzeugbetrieb. Viele PKW wurden übrigens gar nicht verschrottet, sondern illegal ins Ausland verkauft.

Wenn Kühlschränke beispielsweise nicht fachgerecht verschrottet werden, droht durch den FCKW-Austritt eine Umweltkatastrophe mittleren Ausmaßes. Die Schrotthalden wüchsen so oder so an. Und: Wer will kontrollieren, ob Kühlschränke oder Waschmaschinen nicht in dunklen Kanälen verschwinden? Eine neue Behörde, so wie sie sich unser Wirtschaftsminister für die Kontrolle an den Zapfsäulen ausgedacht hat? Die Idee einer Abwrackprämie gehört abgewrackt. Schleunigst!

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Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist er Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: ntv.de