Pressestimmen

Judenhass in Deutschland "Das dürfen wir nicht hinnehmen"

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Die Eskalation des Nahost-Konflikts bewegt die Menschen weltweit - und führt an manchen Orten zu antisemitischer Hetze, auch in Deutschland. Bei Kundgebungen sind übelste judenfeindliche Parolen zu hören. Es sei gefährlich geworden in Deutschland, meint der Historiker Julius Schoeps im Interview mit n-tv.de. Was kann man gegen offen geäußerten Judenhass tun? Die Kommentatoren der Tageszeitungen finden klare Worte.

Man dürfe die Politik Israels kritisieren, meinen die Westfälischen Nachrichten aus Münster. Aber es sei unerträglich, "wenn Juden auf deutschen Straßen wieder angepöbelt, beschimpft, bedroht und angegriffen werden - über 70 Jahre nach der Shoah. Es ist eine Schande für unser Land, wenn Juden hier nicht genauso sicher und geborgen leben können wie Christen oder Muslime. Wo bleibt der Aufschrei der Anständigen, der Demokraten angesichts des Ausbruchs blinden Hasses? Kritik an der - überzogenen und obendrein kurzsichtigen - Politik Israels ist zulässig, Hass auf Juden ist es nicht."

Dem kann der Tagesspiegel aus Berlin nur zustimmen: "Harte Kritik an Israel, an seiner Armee und Regierung, das ist Meinungsfreiheit. Jungen jüdischen Schülern Drohbriefe wegen des Gaza-Konflikts zu schicken, Juden, die ihren Glauben nicht verstecken, auf offener Straße einzuschüchtern, sie allesamt für alles verantwortlich zu machen - das ist Rassismus. Um ein großes Wort der Bundeskanzlerin aufzugreifen: Der Schutz der Juden in Deutschland ist Staatsräson. Wer sich aufgehetzten Arabern nicht entgegenstellt, verletzt sie. Politiker müssen sich entsprechend verhalten. Und Polizisten entsprechend anleiten. Deutschland im Sommer 2014. Schweigen ist nicht erlaubt."

Auch das Handelsblatt aus Düsseldorf nimmt alle Deutschen in die Pflicht: "Nein, es gibt keine Pogrom-Stimmung in Deutschland gegen unsere jüdischen Mitbürger. Aber es gibt knapp 75 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter dem Deckmantel des politischen Protests antisemitische Auswüchse, die wir nicht hinnehmen dürfen. Nicht der Staat, aber auch nicht seine Bürger. Die Polizei ist hier genauso gefordert wie die Zivilcourage jedes Einzelnen." Auf viele junge Israelis übe Berlin eine besondere Anziehung aus, die Stadt mit ihrer so großartigen wie schrecklichen Geschichte sei ihnen eine neue Heimat geworden. "Nicht in erster Linie, weil sie Juden sind, haben sie Anspruch auf unseren Schutz und unsere Anteilnahme. Sondern weil sie Nachbarn, Mitbürger und Mitmenschen sind."

"Der Antisemitismus bricht sich zwar bei einer Minderheit, aber so aggressiv und offen Bahn, wie vielleicht nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Wenn das nicht so bleiben soll, müssen sich alle, die mit Demokratie und Menschenrechten noch etwas anfangen können, an die Seite der bedrohten Juden stellen, ob diese in Deutschland leben oder in Israel oder anderswo", appelliert die Frankfurter Rundschau. "Israel, der Staat gewordene Schutzraum der Juden, ist eine historische Tatsache, die ausgerechnet von Deutschland aus niemand, der bei Sinnen ist, in Frage stellen kann. Wie allerdings das Existenzrecht Israels zu sichern sei, darüber darf und muss gestritten werden. Die Frage, ob Israel dem eigenen Existenzrecht dient, wenn es fortgesetzt das Völkerrecht verletzt, ist keineswegs antisemitisch, sie ist notwendig."

"Auch wenn man davon ausgehen muss, dass ein Großteil der Demonstranten muslimische Wurzeln hat und womöglich eine sehr eigene Sicht auf den Nahost-Konflikt, zeigt sich, dass es in Deutschland ein Problem mit Antisemitismus gibt." Und damit sei nicht der Antisemitismus gemeint, der "vermeintlich in der extrem rechten Ecke oder bei der radikalen Linken zu orten ist", stellt die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf klar. Es gehe vielmehr "um jene Art von Judenhass, die sich als Kritik am Staat Israel tarnt und in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Ein ziemlich widerlicher Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Antisemitismus."

Quelle: ntv.de