Politik
Die Einführung der Frauenquote soll laut Entwurf in zwei Stufen erfolgen: ab Januar 2018 eine Mindestquote von zunächst 20 Prozent  und ab Januar 2023 eine Mindestquote von 40 Prozent.
Die Einführung der Frauenquote soll laut Entwurf in zwei Stufen erfolgen: ab Januar 2018 eine Mindestquote von zunächst 20 Prozent und ab Januar 2023 eine Mindestquote von 40 Prozent.(Foto: dpa)
Freitag, 21. September 2012

Bundesrat stimmt für Frauenquote: "Das soll's schon gewesen sein?"

Ist die vom Bundesrat parteiübergreifend beschlossene Frauenquote wirklich das richtige Mittel, um Frauen den Zugang zur Chefetage zu ermöglichen? Und werden durch ein Gesetz nicht die eigentlichen Probleme vertuscht? Die Bundesrat-Entscheidung sorgt für kontroverse Diskussionen. Aber nicht nur. Sie sagt auch viel über den Zustand der Regierung Merkel aus.

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"Es gibt wenig, was gegen die Idee einer Frauenquote spricht, die der Bundesrat parteiübergreifend in den Bundestag trägt", schreibt die Heilbronner Stimme, hat aber auch Kritik anzumelden: "Eher müsste man sich über deren Ausgestaltung aufregen. Die Pläne umfassen lediglich die Aufsichts- und Verwaltungsräte großer börsennotierter Unternehmen. Und das soll's schon gewesen sein? Was ist mit dem Rest der Arbeitswelt? Einfach ausgeblendet? Die Ungerechtigkeit der gläsernen Decke herrscht überall vor, nicht nur in den wenigen Dax-notierten Häusern. Wenn sich also jemand über die Frauenquote beschweren will, sollte er hier ansetzen. Gesellschaftspolitische Verantwortung geht jeden an, nicht nur ein paar wenige."

Für die Nürnberger Nachrichten ist eine gesetzlich verordnete Quote der einzig richtige Weg: "Wer will, dass Frauen mehr Einfluss in den Chefetagen haben, kommt um eine Quote nicht herum. Und zwar nicht nur eine windelweiche, wie sie Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unter dem feschen Namen 'Flexi-Quote' anpreist. Solange jedes Unternehmen sich aussuchen kann, welchen Frauenanteil es wann haben will, werden die Ziele nicht sonderlich ambitioniert ausfallen. Wenn sie so um ihr positives Image in Sachen Chancengleichheit besorgt wären, hätten die Firmen schließlich längst eine Quote einführen können, wie es ja auch fast alle Parteien inzwischen getan haben."

Der Münchner Merkur hingegen hält die Quote für wenig sinnvoll und sieht andere Problemfelder, die sich für Frauen auf dem Weg nach oben auftun: "Die Politik sollte nicht versuchen, Unternehmen zu ihrem Glück zu zwingen. Eine staatlich verordnete Quote bringt nicht nur Frauen in Führungspositionen in den ärgerlichen Verdacht, ihre Karriere sei nicht nur der eigenen Leistung, sondern einer gesetzlichen Vorgabe geschuldet. Sie geht auch nicht die grundlegenden Probleme an, die die weibliche Hälfte der Bevölkerung davon abhält, im Beruf durchzustarten. Statt Arbeitgebern vorzuschreiben, wie viele Frauen sie befördern müssen, könnte sich die Politik zum Beispiel um eine flexible und qualitätsvolle Kinderbetreuung verdient machen, die es Frauen ermöglicht, ohne schlechtes Gewissen auch mal Überstunden zu machen."

Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit den politischen Auswirkungen der Bundesrat-Entscheidung, an der sich "die schwindende Macht der Regierung Angela Merkels" zeige. "Bisher gab es in der Länderkammer nur Mehrheiten gegen etwas - wie beim Steuerabkommen mit der Schweiz. Jetzt gibt es dank des Seitenwechsels mehrerer unionsregierter Länder sogar Mehrheiten für etwas - wie bei der Quote. Falls Schwarz-Gelb im Januar Niedersachsen verliert, wird es mit der Herrlichkeit der Koalition sogar ganz vorbei sein. Dann kann die Opposition alle Gesetze der Regierung verhindern. Auch deshalb war dieser Freitag ein Fanal."

Quelle: n-tv.de

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