Pressestimmen

Straßburger Urteil zum Sorgerecht "Es war überfällig"

Unverheiratete Väter in Deutschland  können auf mehr Rechte hoffen: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat ihnen in einem wegweisenden Urteil den Rücken gestärkt. Die Straßburger Richter rügten die deutsche Sorgerechtsregelung als diskriminierend für Männer - und machten damit zugleich Druck für eine Änderung in der deutschen Gesetzgebung.

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Ledige Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, können in Deutschland auf bessere Zeiten hoffen.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

"Es war überfällig, das Monopol der Mütter zu knacken und den Vätern zu ihrem Menschenrecht zu verhelfen, sich auch um ihre Kinder zu kümmern", kommentiert die Landeszeitung Lüneburg das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte. Dennoch helfe das Urteil wenig bei dem eigentlichen Problem, das Kindeswohl im Falle einer Trennung zu gewährleisten. "Nötig wäre nach der rechtlichen Gleichstellung von Vätern und Müttern eine Höherstellung des Kindes. Dessen Wohl könnten am besten vorgerichtliche Instanzen wahren, die die zerstrittenen Eltern auf Kompromisskurs bringen, bevor diese sich vor den Schranken des Gerichts verfeinden."

Von einem überfälligen Urteil sprechen auch die Dresdner Neuesten Nachrichten: "Wir brauchen eine Regelung, die jedem Elternteil dieselben Rechte einräumt, unabhängig vom Trauschein und vom Geschlecht. Väter sollten grundsätzlich mitentscheiden dürfen, welchen Kindergarten oder welche Schule ihr Zögling besucht."

"Der Spruch aus Straßburg ist eine Ohrfeige sowohl für das oberste deutsche Gericht, das diese Praxis in Kenntnis der Menschenrechtskonvention 2003 zuließ, als auch für die deutsche Politik jedweder Couleur, die sich, ebenfalls in Kenntnis dieser Konvention, hinter Karlsruhe versteckt hat", kommentieren die Lübecker Nachrichten den Richterspruch aus Straßburg. "Jedenfalls wird Vater Staat bei uns nun handeln und den betroffenen Vätern mehr Rechte einräumen müssen. Wenn dann alle einsehen, dass mit Rechten auch Pflichten verbunden sind, wäre das Urteil ein klarer Sieg für die Kinder."

"Damit der 3. Dezember wirklich ein guter Tag für Frauen, Männer und Kinder wird, sollte die Bundesregierung das Sorgerecht flott dem Straßburger Urteil anpassen", fordert die Frankfurter Rundschau. Denn: "Wer die Geschlechtsrollen derart fixiert: hier die treusorgende Mutter, dort der nachlässige Vater, der wird einer sich verändernden Wirklichkeit nicht gerecht, in der mehr Väter sich um ihre Kinder kümmern und mehr Mütter die Alleinzuständigkeit ablehnen. Schlimmer noch: Wer Männern suggeriert, sie seien als Väter inkompetent, liefert ihnen den Vorwand zum Rückzug. Zum Nachteil der Kinder".

Auch die Nürnberger Zeitung erkennt in dem Urteil einen "klaren Auftrag" für den Gesetzgeber in Deutschland "schon bald ein zeitgemäßes Sorgerecht zu schaffen". Als Vorbild, so schlägt die Zeitung vor, könne die große Mehrheit der europäischen Länder dienen. "Denn fast überall in der EU erhalten nicht verheiratete Eltern das gemeinsame Sorgerecht automatisch."

Die Berliner Zeitung sieht in der Sorgerechtsentscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte "eine Herausforderung für den Gesetzgeber, allen engagierten Vätern zu ihrem Recht zu verhelfen, ohne gleichzeitig allen Unverantwortlichen, die sich um ihre Kinder nicht sorgen, generell das unverdiente Privileg des Sorgerechts zu erteilen." Denn in einer Zeit der Unübersichtlichkeit und gelegentlichen emotionalen Verwahrlosung komme es gerade für die Kinder darauf an, dass ihnen jemand zu Recht und Wohl verhelfe. "Hoffentlich sind es bald auch die Familienrichter".

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Susanne Niedorf

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