Pressestimmen

Terror in Paris "Jetzt ist Besonnenheit das Gebot"

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Nach über 50 Stunden scheint der Terror vorbei: Die islamistischen Terroristen in Frankreich sterben bei Zugriffen der Polizei, aber auch mehrere Geiseln kommen ums Leben. Es könnte nur das vorläufige Ende eines Albtraums sein, mahnt die Presse. Jetzt seien keine schnellen Schuldzuweisungen gefragt, sondern Besonnenheit.

"Wenn auch nicht unblutig - aber der Horror von Paris ist vorüber." Frankreich könne aufatmen, schreiben die Westfälischen Nachrichten aus Münster, schränken dann aber ein: "Doch Erleichterung nach diesem beispiellosen Nervenkrieg mit den Terroristen? Nein. Es ist ein Ende mit Schrecken. Das Land hat schwere Stunden erlebt. Die Franzosen sind aufgewühlt - und mit ihnen alle Menschen in einem zivilisierten Europa. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben sich festgebrannt, zu groß ist wohl die Furcht, dass das Ende dieses Albtraums nur ein vorläufiges ist."

Die Terroristen hätten nicht nur mehrere Menschen, sondern ein ganzes Land als Geisel genommen, schreiben die Kieler Nachrichten. "Frankreich wird von Angst und Schrecken geschüttelt. Und es wird offenbar, dass es keinen Schutz vor Terroristen gibt, die willkürlich Menschen in ihre Gewalt bringen und mit dem Tod bedrohen. Was gestern in Frankreich geschah, kann heute in Deutschland passieren. Es ist aller Ehren wert, wenn Politiker, Bischöfe und muslimische Verbände erklären, es sei nicht der Islam, der da wüte, sondern Verblendete, die den Islam missbrauchten. Und doch fürchten sich mit jeder islamistischen Gewalttat mehr Menschen vor dem Islam. Beschwichtigung hilft da ebenso wenig weiter wie Verleumdung."

Die Südwestpresse aus Ulm mahnt zu Bedachtsamkeit: "Für Mitteleuropa ist das eine Art 11. September, auch wenn die Opferzahlen nicht vergleichbar sind. Deshalb sollten wir die Lehren aus dem Umgang mit den Anschlägen von 2001 auf New York und Washington beherzigen. Nicht schnelle Schuldzuweisungen und Reaktionen sind gefragt, sondern Trauer um die Ermordeten und sorgfältige kriminaltechnische Aufarbeitung des entsetzlichen Geschehens. Denn wenn auch Europa reflexartig auf den Horror reagiert, indem Feindbilder gemalt und Vergeltungsszenarien ersonnen werden, dann hätten die Täter mitsamt der dahinterstehenden extremistischen Geisteshaltung ihre Ziele erreicht. So schwer es fällt: Jetzt ist Besonnenheit das Gebot."

Auch die Neue Osnabrücker Zeitung ist der Meinung, dass Europa sich klüger verhalten müsse, als es die USA nach dem 11. September getan haben: "Es muss sehen, dass Ausgrenzung das Risiko steigert und nicht senkt, denn wer dazugehört, wird nicht radikal. Es ist dies, was das Terrordrama von Paris hoffentlich bei allem Schrecken bewirkt: dass sich Europa bewusst wird, stark, tolerant und frei zu sein, und friedlich."

Ein friedliches Miteinander allerdings sei eine komplizierte Angelegenheit, kommentiert die Ludwigsburger Kreiszeitung: "Es fällt umso schwerer, wenn so sinnlose Taten verblendeter, gewalttätiger Islamisten auch diejenigen in Verruf bringen, die sich als Muslime in einem christlichen Land zu Hause fühlen. Wer aufhört, daran zu glauben, dass ein Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen trotz aller Anfechtungen möglich ist, zweifelt an den demokratischen Werten einer Gesellschaft, die seit fast 70 Jahren Frieden in ihrem Land hat. Alles, was dieses vergleichsweise sorgenfreie Leben und Arbeiten ermöglicht, gilt es standhaft zu verteidigen. Mit Meinung, Mitgefühl und vor allem miteinander."

Die Neue Presse aus Hannover ist sich sicher, dass die Taten von Paris Europa verändern werden: "Sicherheitsvorkehrungen werden wieder intensiviert, Gesetze verschärft werden. Und leider werden auch die große Skepsis und die üblichen populistischen Vorurteile gegenüber dem Islam neue Nahrung bekommen. Nach der Aufregung muss es deshalb eine gesellschaftliche Aufarbeitung der Anschläge geben."

Jetzt hektisch nach härteren Gesetzen zu rufen, sei "ebenso falsch wie sich von den Drohungen radikaler Islamisten einschüchtern zu lassen". Denn dann, so die Sächsische Zeitung aus Dresden, erreichen die Terroristen "das, was sie mit ihren Verbrechen anstreben. Sie wollen die offene, tolerante Gesellschaft zerstören. Das darf Frankreich, das darf Europa nicht zulassen."

Quelle: ntv.de

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