Pressestimmen

Trauer um Apple-Gründer "Jobs war auf einer Mission"

Steve Jobs ist tot. Der seit Jahren an Krebs erkrankte Ex-Chef des Technologie-Konzerns Apple starb am 5. Oktober im Kreise seiner Familie. Der Mann, der hinter Erfindungen wie dem Mac-Computer, dem iPod und dem iPhone stand, galt in der Branche als Revolutionär, der mit seinen Produkten immer wieder ganze Märkte auf den Kopf stellte. Sein Tod bewegt die Welt. Staats- und Regierungschefs, Unternehmer, Filmstars, zahllose Internet-Nutzer und auch die deutschen Zeitungen trauern um einen Visionär und um ein kreatives Genie.

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Steve Jobs starb am 5. Oktober im Kreise seiner Familie.

(Foto: dpa)

Der Trierische Volksfreund verbeugt sich vor Steve Jobs: "Die weltweite Betroffenheit, die zahllosen Beileidsbekundungen und die Respektbezeugungen auch und gerade von lebenslangen Konkurrenten sind wertvolle und wichtige Gesten, die dem Abschied von einem der Größten seiner Zunft ein wenig von seiner Schwere und Tragik nehmen. Steve Jobs hat jede einzelne Laudatio in diesen Tagen verdient. Ein bestimmtes Maß an Glorifizierung ist dabei erlaubt".

Auch die Süddeutsche Zeitung zollt Ehre. Für die in München verlegte Tageszeitung lebte der Kalifornier "das Klischee des zeitlosen amerikanischen Traums". Er "hatte verstanden, dass es darauf ankommt, den Menschen  Dinge zu bieten, die sie brauchen können, die Spaß machen und die noch dazu gut aussehen", ist hier zu lesen. Seine Geschichte vom Garagenbastler zum Multimilliardär sei so oft erzählt worden, dass sie längst aus der Wirklichkeit ins Reich der Legenden hinübergewachsen sei: "Das hat damit zu tun, dass Jobs zu jenen Ausnahmepersönlichkeiten zählte, die unter bestimmten Umständen aus dem Nichts ein Imperium schaffen können". Die Kommentatoren scheinen um die Zukunft von Apple besorgt: "Manche dieser Imperien überdauern den Tod ihres Gründers. Bei anderen ist dies nicht der Fall, gerade dann nicht, wenn Charisma, Kreativität und Mut des Gründers entscheidend für den Aufstieg waren".

Einen beunruhigten Blick auf die Zukunft von Apple wirft auch die Rhein-Zeitung: "Steve Jobs, der Star, war auf einer Mission. Weder die Lebertransplantation noch schwere Rückschläge durch seine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs konnten ihn stoppen. Erst im August nahm er offiziell Abschied von Apple - seine Jünger warteten vergebens auf seine Rückkehr zur Präsentation des neuen iPhones vor wenigen Tagen. Und sie warteten vergebens auf ein ganz neues iPhone". Die in Koblenz herausgegebene Zeitung scheint sicher: "An solche Enttäuschungen werden wir uns gewöhnen müssen" und stellt in den Raum: "Wie sagte er? 'Der Tod räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird.' Aber Steve Jobs ist tot. Wer schafft jetzt das Neue?".

"Was Carl Benz für das Automobil war, diese herausragende Stellung hat sich der Kalifornier in der Mikrochip-Branche erobert", kommentiert die Heilbronner Stimme. Jobs, so die Kommentatoren aus Baden-Württemberg, sei es gelungen "das Kunststück, Form und Funktion der elektronischen Maschinen zu versöhnen. Anders als sein größter Konkurrent von Microsoft, Bill Gates, setzte Jobs auf innovatives Design, angefangen von der Software bis hin zum Endgerät. Die hässlichen Kästen, auf denen das Betriebssystem Windows läuft, werden zwar von Millionen benutzt, aber nicht geliebt. Apple-Fans dagegen reden über ihre eleganten Mac-Rechner, die zierlichen iPods oder iPhones wie Wunder aus einer besseren Computerwelt. Sie sind teure Prestigeobjekte, aber einfach zu bedienen, zuverlässig - und eine Augenweide".

Einen kritischen Blick auf das Werk des allerorten als einer der größten Innovatoren unserer Zeit gepriesenen Unternehmers erlaubt sich der Kölner-Stadtanzeiger: "Vieles von dem Neuen, was Jobs im schwarzen Rollkragenpulli verkündete, erscheint uns heute unverzichtbar. Doch während er das Digitale an den Menschen heranführte, verschloss er es ihnen zugleich. An Apple-Produkten soll nicht herumgebastelt werden, Batterien sind versiegelt, Schrauben mit keinem gängigen Schraubenzieher zu lösen. Das Ethos der 60er Jahre, mit dem Jobs einst angetreten war, die bastelnde Gegenkultur, als deren Teil er sich stilisierte, hatte er lange hinter sich gelassen. Das war das Alte. Jobs hat es entrümpelt, vereinfacht, in Form gebracht und schließlich versiegelt".

Voller Hochachtung verabschiedet sich die Stuttgarter Zeitung von dem erst 56-Jährigen. Für sie ist Steve Jobs"der Beweis, dass auch in Zeiten von Globalisierung und Milliardenumsätzen der Einzelne den entscheidenden Unterschied ausmachen kann. Seine Visionen machten Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Sein Weg ist der Sieg des Individuums über die Masse, des Genies über das Mittelmaß".

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Susanne Niedorf-Schipke

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