Pressestimmen

Guttenberg und sein Doktortitel "Lappalie oder vernichtender Lapsus"?

1297852904.jpg1066902109577396188.jpg

Bald kein Doktor mehr?

(Foto: AP)

Guttenbergs Saubermann-Image bekommt einen Kratzer. Er hat laut n-tv.de betrogen und damit seine Glaubwürdigkeit arg beschädigt, als er seine Doktorarbeit in großen Teilen abschrieb. Als Politiker der Tat darf man gespannt sein, wie rasch er in seinem eigenen Fall Personalentscheidungen trifft. Die Presse fordert keinen Rücktritt. Sie rät vielmehr zu Offenheit und Bekennermut - das könnte ihm das Amt retten.  

"Die Kratzer am Image von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg werden zahlreicher und tiefer - somit für ihn auch gefährlicher", urteilt das Offenburger Tageblatt. Die Bundeswehrreform und die Skandale in der Truppe brächten den Minister bereits ins Schwitzen. Und nun könnte ein weiteres Glaubwürdigkeitsproblem hinzukommen, konstatiert das Blatt. "Seine Doktorarbeit enthält offensichtlich Passagen, die nicht von ihm stammen. Der Plagiatsvorwurf steht im Raum. Stellt sich dieser als wahr heraus, ist es mit dem Saubermannimage vorbei."

Mit der Überprüfung der Vorwürfe müsse es jetzt schnell gehen, meint der Nordbayerische Kurier, denn bereits jetzt sei der beliebteste Politiker Deutschlands "in Erklärungsnot, der Druck nimmt zu". Offenbar habe er wirklich abgeschrieben, "kann nicht dementieren, weil es jeder nachlesen kann. Lappalie oder vernichtender Lapsus, das ist jetzt die Frage, die in Bayreuth zu entscheiden ist." Ideen zu klauen sei zwar in Zeiten des World Wide Webs fast schon salonfähig geworden. "Aber für Wissenschaftler gelten strenge Maßstäbe, für Top-Politiker, die sich den begehrten Titel zulegen wollen, erst recht. Einen Dr. agk (abgekupfert) gibt's noch nicht mal in der virtuellen Hochschule."

Die Schwäbische Zeitung beschreibt Guttenberg als "ein(en) Politiker der Tat". Das beweise jüngst die Amtsenthebung des Gorch Fock-Kommandanten, "obwohl in keiner Weise erwiesen ist, ob diesen eine Schuld an den Missständen auf dem Schulschiff der Marine trifft". Derart rasche Personalentscheidungen seien beinah "ein Markenzeichen des Ministers". Daher fragt das Blatt aus Leutkirch: "Muss zu Guttenberg nun auch in eigener Sache entscheiden ­ um der Glaubwürdigkeit, der Ehre wegen?" Diese Frage müsse er sich zusammen mit der Kanzlerin selbst stellen. "Wäre er Wissenschafts- oder Justizminister, so müsste die Antwort wohl Rücktritt lauten. Als Verteidigungsminister kann Offenheit und Bekennermut ihm das Amt retten ­ vielleicht sogar den Titel; die Doktor-Würde nicht."

Mit seinem eingeschlagenen "Weg der apolitischen Selbstvermarktung ­ man könnte auch sagen: der Trivialisierung von Politik ­" habe Guttenberg selbst seine Person in den Mittelpunkt und seine politische Arbeit in den Schatten gestellt, so die Frankfurter Rundschau. Doch genau dieser Weg falle nun auf ihn zurück. "Nicht seine Politik könnte über seine Zukunft entscheiden, sondern eine Frage persönlicher Glaubwürdigkeit. Solange die als unbeschädigt galt, durfte der Mann in Afghanistan machen, was er wollte. Sollte er jetzt für Versagen auf einem Nebenschauplatz die Quittung bekommen ­ man könnte vielleicht endlich mal wieder über Krieg und Frieden reden."

"Hochnotpeinlich ist die Causa 'Schummelminister'", meint die Nordsee-Zeitung. Allerdings sei dies  "nur ein Nebenkriegsschauplatz. Denn ob ein Dr. jur. zu Guttenberg die deutschen Soldaten aus dem Schlamassel in Afghanistan holt und die Wehr-Reform schultert oder ob es der Hofrat, der Baron von und zu oder einfach nur der Herr K.T. tut, dürfte den meisten Bürgern schnurzpiepegal sein." Auch wenn er den Doktor abgeben müsse, könne er dennoch seiner Arbeit nachgehen. "Muss ja nicht summa cum laude, also mit höchstem Lob geschehen. Einigermaßen passabel würde angesichts der Herkules-Aufgaben schon genügen."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger