Pressestimmen

Die Presse über Thomas Bach Von brillant bis berechnend

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Die Meinungen über Thomas Bach gehen in der Presse weit auseinander. Die einen halten seine Wahl zum IOC-Präsidenten für eine gelungene Entscheidung. Die anderen befürchten, Bach könne zukünftig zu machthungrig agieren. Ob er an Moral oder Geld interessiert ist, wird seine Amtszeit zeigen.

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Thomas Bach nimmt die Entscheidung sehr emotional auf.

(Foto: dpa)

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert: "Im Jahr 2005 wurde ein Deutscher Papst, acht Jahre später wird ein Landsmann an die Spitze des Weltsports gewählt: Thomas Bach führt das Internationale Olympische Komitee, eine Organisation, die mit ihren Wettkämpfen Klein und Groß, Jung und Alt fasziniert." Als neunter Präsident in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele führe der Deutsche einen kleinen Klub, der Milliarden bewege, Menschen wie Euro, so das Blatt weiter. "Den Gratulationen nach zu urteilen, die im Moment seines Sieges aus der Heimat nach Buenos Aires geschickt wurden, freuen sich die Sportfreunde dieses Landes, von der Bundeskanzlerin bis zum Vorsitzenden des Turnvereins." Die mächtigste Organisation des Sports habe ein Kind der Sportnation Deutschland - Bach wurde 1976  Fechtolympiasieger in der Mannschaft - zu ihrem Repräsentanten auserkoren, freut sich die FAZ.

Auf Bach warten viele Herausforderungen, mahnt die Stuttgarter Zeitung. "Da wäre die Menschensrechtsdebatte, die das IOC im Februar 2014 bei den Winterspielen in Sotschi angesichts des umstrittenen russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz einholen wird. Das Dopingproblem rüttelt an den Grundfesten des Sports, der Gigantismus ist nach wie vor ein Problem, speziell bei Winterspielen, für die es zunehmend weniger Bewerber gibt." Laut der Zeitung gilt für den Olympiasieger Bach, dem Weltsport neue Perspektiven zu eröffnen, weiter Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, aktiver und transparenter im Kampf gegen Korruption zu werden. "Daran wird man ihn später einmal messen."

Die Meinungen über den neuen Herrn der Ringe gehen für die Märkische Oderzeitung weit auseinander. "Seine Befürworter halten ihn für einen brillanten Kopf und Wohltäter des Sports, seine Kritiker für einen berechnenden Karrieristen und Machtpolitiker, der seinem großen Ziel seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten alles unterordnete." Tatsache sei der Zeitung zufolge, dass Bach es wie kaum ein Zweiter verstanden habe, Netzwerke zu knüpfen. "Und stets hatte er einflussreiche Unterstützer an seiner Seite." Dass darunter einige fragwürdige Gestalten des Weltsports seien, habe ihn nie gestört, meint das Blatt abschließend.

Der Bonner General-Anzeiger schreibt: "Am Ziel seines persönlichen Ehrgeizes angelangt, kann und muss der Tauberbischofsheimer in den kommenden acht Jahren beweisen, dass er als ehemaliger Spitzenathlet wirklich die Seele des Sports verkörpert. Und nicht - wie seine Kritiker befürchten - von Machthunger getrieben, weiterhin duldet, was über Jahrzehnte im IOC an der Tagesordnung war: Korruption nicht zuletzt bei der Vergabe von Posten und Olympischen Spielen." Dem Blatt zufolge gibt es genug Herausforderungen für Bach: Gigantismus eindämmen, Doping bekämpfen. Antworten finden, wie der Olympische Sport für die Jugend der Welt attraktiv erhalten werden könne. "Bach muss klarer als bisher sagen, was er inhaltlich will."

Das Konklave der olympischen Bewegung habe relativ schnell entschieden, urteilt die Neue Osnabrücker Zeitung. "Schon nach dem zweiten Wahlgang stieg weißer Rauch auf, und Thomas Bach war am Ziel seiner Träume. Der Karriere-Diplomat von der Tauber wird acht Jahre lang der Herr der Ringe sein; mit 59 Jahren bekleidet er das wichtigste Amt im internationalen Sport." Bach bringt laut der Zeitung alle Voraussetzungen mit. "Der neue Chef des Weltsports ist ein überragend vernetzter Global Player und pfiffiger Strippenzieher. Er hat nicht vergessen, dass das Geschehen um Olympia auch immer noch mit Ethik und Moral, und eben nicht nur mit Geld, zu tun hat. Bach steht für Kontinuität und vorsichtige Reformen. Ein Heilsbringer wird er nicht sein. Aber wenn er sich in einigen Bereichen am neuen Papst orientiert, kann er zu einem Imagewandel beitragen."

Zusammengestellt von Lisa Schwesig

Quelle: n-tv.de

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