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Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.
Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 15. März 2018

Verbraucherzentrale fassungslos: Abmahnung für Lebensversicherer

Auch Besitzer von Lebens- und Rentenversicherungen mit fehlerhaften Widerspruchsbelehrungen können diese rückabwickeln. Dies hat der BGH entschieden. Nur: Nicht jeder Versicherer scheint das Urteil zu kennen. Verbraucherschützer helfen den Unternehmen auf die Sprünge.

Eigentlich scheint die Sache klar - nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH: Az.: IV ZR 76/11) können Verbraucher Verträgen über Kapitallebens- oder Rentenversicherungen dann widersprechen, wenn diese eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung enthalten. Die Policen müssen dann rückabgewickelt werden. Der Kunde muss in diesem Fall seine eingezahlten Prämien plus Zinsen zurückerhalten.

Dass die Sache in der Praxis nicht ohne Widerstand der Versicherungsbranche abläuft, war zu erwarten. Ohne die Hilfe von Profis haben Betroffene den kaum eine Chance, ihr Recht durchzusetzen. Sie sind deshalb gut beraten, sich an die Verbraucherzentralen, einen Anwalt oder den Ombudsmann für Versicherungen zu wenden. Denn die Versicherer führen jede Menge fadenscheinige Gründe ins Feld, um sich dem berechtigten Anliegen ihrer Kunden zu widersetzen. Zum Ärger von Verbraucherschützern, auch der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh).

Diese brachte ein Ablehnungsschreiben der Versicherungsgesellschaft "Neue Leben" auf die Palme, die der Konzern an Kunden, welche von ihrem Recht Gebrauch machen wollten, verschickte. Dort heißt es: "Sehr geehrte Frau F., den von Ihnen erklärten Widerspruch weisen wir zurück. Sie sind bei Vertragsschluss inhaltlich und formell korrekt über Ihr Widerspruchsrecht und die Widerspruchsfrist informiert worden. Der Widerspruch erfolgte nach Ablauf der Frist und ist damit unwirksam."

Die vzhh hält diese Argumentation für nicht haltbar und hat den Versicherer deshalb wegen Irreführung abgemahnt. Die Verbraucherschützer äußern sich wie folgt: "Es ist unglaublich, wie die Neue Leben Urteile des Bundesgerichtshofs entweder komplett ignoriert oder falsch interpretiert. Die Rechtslage ist aus unserer Sicht geklärt und dennoch werden Verbraucher mit falschen Behauptungen abgespeist, damit sie Ruhe geben und kein Geld zurückverlangen."

Laut vzhh sollten sich betroffene Kunden nicht von den fadenscheinigen Argumenten ins Bockshorn jagen lassen. Vielmehr sollte an dem Widerspruchsrecht festgehalten und der Versicherer dazu aufgefordert werden, der höchstrichterliche Rechtsprechung des BGH zu beachten.

Auf der Seite der Verbraucherzentrale finden Betroffene Unterstützung.  

Quelle: n-tv.de