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Tenhagens Tipps Acht Fakten zu Ehe und Scheidung

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Kinder, heiratet nicht ...

(Foto: imago/Westend61)

Amore per sempre? Leider klappt das nicht immer. Dennoch wird fleißig geheiratet - und auch wieder geschieden. "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen beantwortet Grundsätzliches für beide Fälle.

Amore per sempre? Leider klappt das nicht immer. Dennoch wird fleißig geheiratet - und auch wieder geschieden. "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen beantwortet Grundsätzliches für beide Fälle.

n-tv.de: Lohnen sich Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft finanziell?

Hermann-Josef Tenhagen: Ja, wer heiratet oder den Bund fürs Leben via eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließt, genießt Vorteile bei Steuer, Recht und Erbschaft. Ehe- oder Lebenspartner sollten sich beispielsweise mit ihren Lohnsteuerklassen auseinandersetzen, denn im Gegensatz zu Singles können sie wählen, zu welcher sie gehören wollen. Durch eine geschickte Kombination bekommen sie mehr netto.

Im Falle des Todes eines Partners können Ehegatten oder Lebenspartner bei der Erbschaftssteuer viel Geld sparen. Der Freibetrag bei der Erbschaftssteuer steigt von 20.000 auf 500.000 Euro an. Ohne eingetragene Lebenspartnerschaft müsste das Paar in jedem Fall ein Testament aufsetzen, denn das Gesetz behandelt Lebensgefährten ohne Trauschein im Erbrecht wie Fremde ohne Anspruch auf das Erbe.

Müssen Ehepartner zusammen wohnen?

Nein, dies ist keine Pflicht. Und weder melderechtlich noch steuerrechtlich hat es Konsequenzen, wenn die Eheleute nicht gemeinsam wohnen. Das Einkommensteuergesetz schreibt lediglich vor, dass die Ehepartner "nicht dauernd getrennt" leben dürfen, wenn sie sich zusammen veranlagen lassen wollen. Das bedeutet aber nicht, dass die Eheleute oder eingetragenen Partner den gleichen im Melderegister eingetragenen Wohnsitz haben müssen, auch wenn das vielleicht manche Einwohnermeldeämter anders sehen.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.

Jetzt zu dem Teil, wenn es nicht so gut läuft: Muss ein neuer Ehepartner für Schulden einstehen?

Nein. Wenn nach einer Scheidung Schulden bestehen, haftet ein neuer Ehegatte durch die Heirat nicht für die Altschulden des anderen. Er hat ja etwaige Kreditverträge in aller Regel nicht mitunterschrieben.

Lässt sich eine Scheidung verhindern?

Nein, wenn ein Partner die Scheidung möchte, ist dies nicht zu verhindern. Voraussetzung hierfür ist, dass das Paar drei Jahre getrennt voneinander lebt. Dann braucht der Scheidungswillige auch keine Zustimmung mehr vom anderen.

Kann man denn dann wenigstens die Scheidungskosten von der Steuer absetzen?

Nein, seit 2013 lassen sich Prozesskosten nicht mehr von der Steuer absetzen. Einzige Ausnahme: es handelt sich um Aufwendungen, ohne die der Steuerpflichtige Gefahr läuft, seine Existenzgrundlage zu verlieren. Zudem gibt es einige Finanzgerichte, die Scheidungskosten steuermindernd berücksichtigen, weil für sie eine Scheidung immer eine existenzielle Angelegenheit sei.

Was passiert, wenn der Partner kurz vor der Scheidung stirbt?

Wer die Scheidung veranlasst hat oder ihr zugestimmt hat, geht im Falle des Todes des Erblassers, noch bevor die Ehe geschieden ist, leer aus. Er erhält dann noch nicht einmal den Pflichtteil.

Sind Kinder aus erster Ehe für den zweiten Ehepartner unterhaltspflichtig?

Nein, sind sie nicht. Kinder sind zwar ihren Eltern gegenüber unterhaltspflichtig und müssen unter Umständen Elternunterhalt zahlen. Dies gilt beispielsweise aber nicht für die neue Frau des Vaters.

Und ist der neue Ehepartner den Kindern gegenüber unterhaltspflichtig?

Nein, ein neuer Ehepartner ist nicht unterhaltspflichtig. Für die Unterhaltspflicht kommt es lediglich darauf an, wie viel der Unterhaltspflichtige verdient. Der Verdienst des neuen Ehepartners wird nicht mitgerechnet.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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