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Von wegen gesund Arsen in glutenfreien Lebensmitteln

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Gluten ist nur dann schädlich, wenn man unter einer Unverträglichkeit leidet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Gluten hat ein Imageproblem. Viele Menschen greifen auch ganz ohne medizinische Indikation zu Lebensmitteln, die ohne das Klebereiweiß auskommen. Und dabei nehmen sie oft tatsächliche Schadstoffe auf, wie eine Untersuchung zeigt.

"Mir geht es viel besser, seit ich auf Gluten verzichte" – Sätze wie diesen hört man in den letzten Jahren öfter. Gluten hat ein Imageproblem. Das Klebereiweiß, das in Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreidearten vorkommt, wird als Dickmacher verteufelt, für diverse Verdauungsprobleme, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen und Hautprobleme verantwortlich gemacht. Und obwohl höchstens ein Prozent der Bevölkerung tatsächlich unter Zöliakie leidet, folgen weit mehr Menschen dem Trend zur glutenfreien Ernährung. Längst haben glutenfreie Lebensmittel ihre Nischen im Reformhaus verlassen und sind in jedem besser sortierten Supermarkt angekommen. 20 solcher Produkte hat sich das Magazin "Öko-Test" jetzt genauer angesehen. Bei mehr als der Hälfte von ihnen war die Qualität verbesserungswürdig.  

Überprüft wurden unter anderem Mehl, Brot, Nudeln und Haferbrei. Sie wurden im Labor auf Schwermetalle, Schimmelpilzgifte, Pestizide und Mineralölbestandteile untersucht. Und natürlich darauf, ob sie auch wirklich glutenfrei sind. Zumindest im letzten Punkt kann "Öko-Test" Entwarnung geben: Gluten wurde gar nicht oder allenfalls in Spuren nachgewiesen. Andere Schadstoffe waren dagegen durchaus vertreten.

Kein Reis ohne Arsen

Am auffälligsten war die Belastung in den reishaltigen Proben. Egal, ob Mehl oder Brot: Wo immer Reis auf der Zutatenliste stand, war anorganisches Arsen nicht weit. Das krebserregende Halbmetall wird von Reis bevorzugt aufgenommen und lässt sich nicht ganz vermeiden. Dass es auch in einem Haferprodukt enthalten war, überraschte die Tester dann aber doch. 50 Prozent des erlaubten Grenzwerts fanden die Tester im Hot Haferbrei von Bauck. Weil Hafer normalerweise kein Arsen anreichert, könnte die Belastung auf Wasser oder verunreinigte Böden zurückzuführen sein. Handlungsbedarf sieht der Bauck jedenfalls nicht, ließ der Biohersteller "Öko-Test" wissen. Reis zieht aber nicht nur Arsen an, sondern auch Kadmium. Das Schwermetall kann Nieren- und Knochenschäden hervorrufen und fand sich im glutenfreien Baguette von Schnitzer und im Bio-Vollkornbrot von Alnavit.  

Schimmelpilzgifte fanden die Laboranten in den glutenfreien Maismehl-Spaghetti von Lidl, einige Brote enthielten zudem schädliche Mineralölbestandteile, sogenannte MOSH. Sie gehen normalerweise aus der Verpackung auf Lebensmittel über. Hammermühle kündigte bereits an, die verwendeten Folien zu optimieren. MOSH waren aber nicht die einzigen Probleme bei der Kastanienbrot-Backmischung des Herstellers. Auch Spuren des Pestizids Chlorpropham waren auffällig. Bei vier Testkandidaten fand sich das berüchtigte Glyphosat, unter anderem in den glutenfreien Weltmeisterbrötchen von Edeka.  

Nicht gesünder und nicht kalorienärmer

Zwar lagen alle gemessenen Belastungen unter den zulässigen Grenzwerten. Doch auch die gemessenen Belastungen sind für "Öko-Test" zu viel. Zwar sei es zu begrüßen, dass das Angebot für die Betroffenen steige. Das solle aber nicht zulasten der Qualität gehen, mahnt das Magazin. Der Hype um die glutenfreie Ernährung könnte dazu führen, dass die Beschwerden und Belange derjenigen, die darauf tatsächlich angewiesen sind, nicht weniger ernst genommen würden, fürchtet Bianca Maurer von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft.

Wer nicht an Zöliakie erkrankt ist und nicht zu den rund fünf Prozent der Bevölkerung mit einer Weizensensitivität gehört, braucht jedenfalls nicht auf Gluten verzichten, so das Fazit von "Öko-Test": "Glutenfrei gekennzeichnete Produkte sind weder gesünder als herkömmliche Lebensmittel noch kalorienärmer."

Quelle: n-tv.de, ino

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