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Bausparkassen im Kündigungsrausch Auch Schwäbisch Hall wirft Kunden raus

Eine Bausparkasse nach der anderen kündigt teure Verträge. Dabei wird nichts unversucht gelassen, um Kunden den vereinbarten Zins nicht länger zahlen zu müssen. Auch der Branchenprimus möchte sich nun nicht mehr an einst gegebene Versprechen halten.

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Das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Bundesfinanzaufsicht zeigt, dass alle Bausparkassen auch zukünftig schwierige Zinsentwicklungen unbeschadet durchstehen könnten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach  BHW, LBS und Wüstenrot schlägt auch der Branchenprimus zu - Schwäbisch Hall wirft zu teuer gewordene Kunden raus. Das Unternehmen will seinen nunmehr unerwünschten Vertragspartnern in den nächsten Wochen mitteilen, dass es sogenannte Altverträge zum 31. Dezember 2015 kündigen wird, wie ein Sprecher einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" bestätigte.

Demnach seien die betroffenen Verträge seid zehn Jahre und länger zuteilungsreif und die Kunden hätten das Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen. Die Zahl der Kündigungen liege in der Größenordnung von 50.000 Verträgen. Begründet wird der Schritt des Unternehmens damit, dass sich durch die anhaltende Niedrigzinslage die Ertragslage der Bausparkassen drastisch verschlechtert hat.

Es geht um den Profit

Darüber hinaus rechtfertigen die Bausparkassen ihre Trennungsoffensiven im Allgemeinen damit, das Kollektiv der Bausparer schützen zu müssen. Denn die allzu treuen Sparkunden belasten die anderen Kunden, die mit ihren Verträgen tatsächlich eine Immobilienfinanzierung bezwecken. Das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Bundesfinanzaufsicht kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. Demnach könnten alle Bausparkassen auch zukünftig schwierige Zinsentwicklungen unbeschadet durchstehen

Ungeachtet dessen hatten im vergangenen Jahr bereits zahlreiche Bausparkassen Altverträge gekündigt. Verbraucherschützer und Juristen halten das Vorgehen für bestenfalls fragwürdig und entsprechende Klagen von Kunden seien in Vorbereitung, sagt Niels Nauhauser, Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es spreche einiges dafür, dass der Streitfall am Ende zugunsten der Verbraucher ausgehen wird.

Betroffene Bausparer sollten sich deshalb unbedingt wehren, der Kündigung zunächst umgehend schriftlich widersprechen und ihre Verträge dann bei den Verbraucherzentralen auf Vertragsfortführung überprüfen lassen. Das führte schon in einigen Fällen zum Erfolg. Darüber hinaus können sie auch über die Schlichtungsstelle der Bausparkassen gegen die Kündigung vorgehen. Bedacht werden sollte hier allerdings, dass der Ombudsmann von den Bausparkassen bezahlt und besetzt wird. Im Zweifelsfall bleibt nur der Klageweg.

Verbraucherschützer mahnen indes, dass die Bausparkassen gut beraten seien, sich an die einst gegebenen Vertragsversprechen zu halten und nicht im Kleingedruckten nach Ausflüchten zu suchen, um sich ihren Verpflichtungen zu entledigen. Andernfalls stünde die dauerhafte Akzeptanz der Branche infrage

Quelle: ntv.de

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