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Das Parlament hatte einen kompletten Wegfall der Gebühren für Auslandstelefonate gefordert.
Das Parlament hatte einen kompletten Wegfall der Gebühren für Auslandstelefonate gefordert.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 06. Juni 2018

Zusatzgebühren runter: Auslandstelefonate in der EU werden billiger

Die Roaming-Gebühren hatte die EU bereits erfolgreich in der Mangel. Nun geht es den Telefongebühren innerhalb des Kontinents an den Kragen. Ab kommenden Mai werden die Telefonate zumindest preiswerter.

Nach dem Wegfall der Roaming-Gebühren werden auch Telefonate ins EU-Ausland künftig billiger. Auslandsgespräche innerhalb der EU werden ab Mai 2019 maximal 19 Cent pro Minute kosten, wie die EU-Kommission mitteilte. Für SMS an ausländische Nummern werden demnach höchstens sechs Cent fällig. Das EU-Parlament hatte einen kompletten Wegfall zusätzlicher Gebühren bei Auslandstelefonaten gefordert.

Bereits seit dem 15. Juni 2017 können Verbraucher im EU-Ausland zum selben Tarif wie zu Hause telefonieren, SMS versenden und mobiles Internet nutzen. Anrufe und Textnachrichten vom Festnetz oder vom Handy an ausländische Nummern kosten bislang jedoch weiterhin extra - nach Angaben der Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentralen zwischen 19 Cent und 14,90 Euro für ein 10 Minuten langes Gespräch.

Ab dem 15. Mai 2019 werden diese Gebühren per Verordnung gedeckelt. Die Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament hatten sich am späten Dienstagabend auf diesen Kompromiss geeinigt. Das Parlament hatte einen kompletten Wegfall der Gebühren für Auslandstelefonate gefordert. Widerstand kam insbesondere aus Mitgliedsländern mit großen staatlichen oder teilstaatlichen Telekommunikationsunternehmen.

Markt-Situation hat sich geändert

Auch die EU-Kommission, die eine Reduzierung der Gebühren für internationale Telefonate 2013 erstmals vorgeschlagen hatte, gab sich bei den jetzigen Verhandlungen zurückhaltender. Die Markt-Situation habe sich geändert, hieß es aus EU-Kreisen. Viele Nutzer würden mittlerweile ohnehin auf Alternativen wie Skype oder WhatsApp für grenzüberschreitende Telefongespräche zurückgreifen.

Die Europa-SPD begrüßte den Kompromiss. Bei der nun beschlossenen Deckelung auf 19 Cent pro Minute gebe zwar noch "Luft nach unten", erklärte Constanze Krehl, deren telekommunikationspolitische Sprecherin. Der Effekt sei aber dennoch groß, denn die Preise für Auslandstelefonate seien bislang teils "unverschämt".

Zustimmung kam auch von Verbraucherschützern: "Die vereinbarte Obergrenze für Intra-EU-Anrufe ist ein guter nächster Schritt hin zu einem echten Binnenmarkt für Verbraucher", erklärte Monique Goyens, Direktorin des europäischen Verbraucherdachverband BEUC. Der Branchenverband ETNO, in dem die großen europäischen Telekommunikationsanbieter organisiert sind, kritisierte die Entscheidung hingegen als "unglücklich".

Der Vorstoß ist Teil einer Reform des Kodex für die elektronische Kommunikation, der auch die Handyfrequenzvergabe auf europäischer Ebene regelt. Die Reform soll Investitionen in Infrastruktur fördern, damit etwa 5G-Mobilfunknetze, die deutlich schnellere Datenübertragung bieten, ausgebaut werden. Die Deckelung der Auslandstelefonate "soll verschleiern, dass in den anderen Teilen des Kodex keine nennenswerten Fortschritte erzielt wurden", bemängelte ETNO.

Quelle: n-tv.de